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Behandlung gefährlicher Abfälle

Bildvergrößerung: Bedüsung Grobfraktion Bauschutt
Bild: GEBAV GmbH

Nach dem Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen (Kreislaufwirtschaftsgesetz – KrWG), welches am 1.6.2012 in Kraft trat, sind die Gesamtauswirkungen der Ressourcennutzung zu reduzieren und die Ressourceneffizienz der Abfallwirtschaft bei den Unternehmen und Entsorgungs- und Verwertungsanlagen zu verbessern.

Bei der Entsorgung der gefährlichen Abfälle kooperiert das Land Berlin eng mit dem Land Brandenburg. Die Zentrale Stelle für die Steuerung der Entsorgung gefährlicher Abfälle in beiden Ländern ist die SBB Sonderabfallgesellschaft Brandenburg/Berlin mbH (SBB).

Im Jahr 2019 fielen in Berlin 1.008.724 Mg gefährliche Abfälle an. Davon waren 70 % gefährliche mineralische Bauabfälle und Bodenaushub (Bausonderabfälle), die restlichen 30 % gefährliche Abfälle aus dem Gewerbe plus Baugewerbeabfälle (produktionsspezifische Abfälle). Über die Hälfte davon (55 %) wurde direkt in Berlin verwertet bzw. beseitigt. Die Restmenge wurde in andere Bundesländer exportiert, zum größten Teil (36 %) nach Brandenburg. Damit verblieben über 90 % der Abfälle im Entsorgungsraum Berlin-Brandenburg.

Von besonderer Bedeutung für den Ressourcenschutz sind folgende Behandlungswege:

Gefährliche, mineralische Bauabfälle, die im Wesentlichen als kontaminierte/r Boden, Steine, Beton, Ziegel, Fliesen, Keramik oder Gleisschotter anfallen, werden in Bodenbehandlungsanlagen von ihren anhaftenden Schadstoffen befreit. Nahezu 80 % der gereinigten mineralischen Materialien können als Sekundärbaustoffe wiedereingesetzt werden. Die Einsatzbereiche umfassen dabei den Straßen-, Wege- und Landschaftsbau, die Profilierung und Oberflächenabdichtung von Deponien, die Sicherung von Altablagerungen sowie die Verfüllung von Abgrabungen. Die schadstoffbelasteten Reinigungsrückstände aus der Behandlung sind ordnungsgemäß zu beseitigen.

Durch die weitreichende Ausschöpfung des Recyclingpotentials der mineralischen Bauabfälle werden natürliche Ressourcen, wie zum Beispiel Sande, Kiese oder Natursteine, zur Herstellung von Primärbaustoffen geschont. Darüber hinaus wird hierdurch eine deutliche Einsparung von Deponievolumen in der Region erreicht.

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Das Aufkommen gefährlicher, nicht mineralischer Bauabfälle wird maßgeblich durch die im Zuge von Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten anfallenden Mengen an Altholz, teerhaltigen Dachpappen und faserhaltigen Dämmmaterialien bestimmt. Eine stoffliche Verwertung der gefährlichen nicht mineralischen Bau- und Abbruchabfälle ist wirtschaftlich zumeist kaum darstellbar. Durch die hochwertige energetische Verwertung des Großteils dieser Abfälle in Zement- und Holzheizkraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung können jedoch Schadstoffe sicher zerstört und gleichzeitig fossile Brennstoffe substituiert werden. Mit den sich hieraus ergebenden Treibhausgaseinsparungen wird ein Beitrag zum Ressourcenschutz geleistet.

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Eine Vielzahl von gefährlichen Abfällen (verunreinigte Betriebsmittel wie Aufsaug- und Filtermaterialien, Altöl, Lösemittel, teerhaltige Dachpappen, Althölzer) besitzen kein stoffliches Recyclingpotential, verfügen jedoch über hohe Heizwerte und können als Sekundärbrennstoffe (Ersatzbrennstoffe) der energetischen Nutzung und thermischen Behandlung zugeführt werden. Die Verbrennung geschieht zum Teil im Mix mit nicht gefährlichen Abfällen (Hausmüll und Gewerbeabfällen, naturbelassenen Holz, bituminösen Dachpappen).

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  • Verwertung von Altölen und Ölen

Energetische Verwertung

Ressourcenschutz durch energetische Verwertung und thermische Behandlung von gefährlichen Abfällen

Gefährliche Abfälle, die nicht mehr in Raffinerien, Destillationsanlagen oder in der Baustoffindustrie stofflich verwertet bzw. aufgearbeitet werden können, z.B. weil ihr Schadstoffgehalt und ihre stofflichen Eigenschaften ein Recycling aus wirtschaftlichen und technischen Gründen nicht mehr zu lässt, können als Sekundärbrennstoffe (Ersatzbrennstoffe) der energetischen Nutzung und thermischen Behandlung zugeführt werden. So können Ressourcen geschont und Primärenergieträger (Stein- und Braunkohle, Heizöl) eingespart werden.

Relevante Sekundärbrennstoffe, die in Berlin anfallen, sind Altöle, Dachpappen, (kontaminiertes) Holz, Lösemittel und Ölschlämme.

Holz

Die Altholzverordnung (Verordnung über die Anforderungen an die Verwertung und Beseitigung von Altholz – AltholzV) unterscheidet in Abhängigkeit von der Schadstoffbelastung vier verschiedene Altholzkategorien (A I bis A IV) sowie PCB-Altholz. Für eine schadlose stoffliche Verwertung dürfen je nach Verwertungsverfahren nur bestimmte Althölzer mit bestimmten Schadstoffbelastungen eingesetzt werden. Altholz, das diese Anforderungen nicht erfüllt, ist durch Verbrennung zu beseitigen.

Das Berliner Biomasseheizkraftwerk in Rudow besitzt eine Verbrennungskapazität von 240.000 Mg Holz pro Jahr (kontaminierte Hölzer sowie Frischholz aus Shredder- und Holzaufbereitungsanlagen). Es versorgt die rund 50.000 Einwohner der Gropiusstadt mit umweltfreundlicher Wärme. Der Einsatz von Holz führt seit 2003 zu einer jährlichen CO2-Minderung um ca. 235.000 t/a gegenüber der vorherigen Versorgung auf Kohlebasis. Damit leistet das Holzheizkraftwerk einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Bildvergrößerung: Holzenergieverwertungskonzept im Biomasse-Heizkraftwerk Berlin-Rudow
Holzenergieverwertungskonzept im Biomasse-Heizkraftwerk Berlin-Rudow
Bild: RWE InnogyCogen GmbH

Dachpappen

Dachpappe fällt als gefährlicher und nicht gefährlicher Abfall überwiegend bei Sanierungsarbeiten und Abbrüchen von Gebäuden als gebrauchter Baustoff an. Aufgrund ihres hohen Heizwertes werden die Berliner gefährlichen Abfälle (teerhaltige Dachpappen ca. 12.500 Mg/a) und nicht gefährliche Dachpappen (ca. 10.000 Mg/a) direkt oder in einem Brennstoffmix mit Gewerbeabfällen (Kunststoff, Papier und Pappe, Textilabfälle etc.) und Hausmüll in Zementwerken verbrannt.

Berliner Bürger*innen können ihre Dachpappe, Dachpappenrollen, Dachschindeln oder Dachziegel aus Dachpappe bei drei Schadstoffsammelstellen der BSR abgeben.

Altöle und Lösungsmittel

Durch das Verbrennen von Altölen mit einem geringen Schadstoffgehalt oder hochkalorische Lösemittel und verunreinigte Betriebsmittel, kann Heizöl substituiert werden. Dies geschieht in der Regel in Sonderabfallverbrennungsanlagen (SAV) in Drehrohröfen mit Nachbrennkammer. In Berlin fallen jährlich Altöle in der Größenordnung von 7.000 bis 8.000 Mg an. Diese werden in Sonderverbrennungsanlagen in Brandenburg behandelt. Eine Liste stationärer Behandlungsanlagen in Brandenburg/Berlin für ausgewählte flüssige ölhaltige Sonderabfälle findet sich auf den Seiten der Sonderabfallgesellschaft Berlin/Brandenburg.

Bildvergrößerung: Beispiel für eine Sonderabfallverbrennungsanlage: Anlagenprinzip der SAV-Schöneiche (Schaubild)
Beispiel für eine Sonderabfallverbrennungsanlage: Anlagenprinzip der SAV-Schöneiche
Bild: MEAB mbH

Bei der Entsorgung der gefährlichen Abfälle kooperiert das Land Berlin eng mit dem Land Brandenburg. Die Zentrale Stelle für die Steuerung der Entsorgung gefährlicher Abfälle in beiden Ländern ist die SBB Sonderabfallgesellschaft Brandenburg/Berlin mbH (SBB).