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Urbanität und Vielfalt

Auf dem begrünten Flachdach der Oberflächenwasseraufbereitungsanlage (OWA) Tegel arbeiten neun Freiwillige, darunter auch ein Junge. In geduckter Haltung oder auf den Knien bepflanzen die meisten von ihnen die weitläufige Freifläche an markierten Stellen. Dazu ist in Bodennähe eine orangefarbene Leine zwischen senkrechten Hölzern gespannt. Alle tragen Winterjacken in gedeckten Farben. Nur eine rothaarige Frau im Vordergrund ist bunt gekleidet.
Pflanzaktion von Urbanität und Vielfalt auf dem Dach der OWA Tegel.
Bild: Anika Dreilich

Das Projekt Urbanität und Vielfalt siedelt seit 2016 ausgewählte Wildpflanzenarten wieder an. Getragen wird es von Botanischen Anlagen in ganz Deutschland und vielen engagierten Menschen. Der Botanische Garten der Universität Potsdam, das Späth-Arboretum der Humboldt-Universität zu Berlin, der Botanische Garten der Philipps-Universität Marburg und die Gärtnerei des Umweltzentrums Dresden ziehen Jungpflanzen vor, die dann alle Interessierten im eigenen Garten oder Balkonkasten pflanzen kann. Das dort gewonnene Saatgut wird für die Anzucht neuer Jungpflanzen verwendet. An anderen Orten gibt es gemeinsame Pflanzaktionen. Exkursionen und Veranstaltungen vertiefen zudem das Wissen um Naturschutz und biologische Vielfalt. Das im Bundesprogramm zur Biologischen Vielfalt geförderte Projekt wurde 2020 für zwei weitere Jahre verlängert.

34 Wildpflanzenarten für Berlin

Bildvergrößerung: Eine Knotenwespe der Gattung Cerceris trinkt Nektar von einer Grasnelke vor unscharfem beige-braunem Hintergrund. Die hellgelben Segmente ihres schlanken Körpers setzen sich deutlich von den schwarzen ab. Etwa in der Mitte ist ihr Hinterleib eingeschnürt. Die halbkugeligen Blütenstände der Grasnelke bestehen aus hellvioletten kleinen Einzelblüten. Im Hintergrund verschwommen drei weitere Blütenköpfe und ein anderes Insekt im Anflug.
Eine Knotenwespe der Gattung Cerceris trinkt Nektar von einer Grasnelke auf der Düne Wedding.
Bild: Ronald Kroth

Für die Region Berlin/Potsdam haben die Projektverantwortlichen mit der Koordinierungsstelle Florenschutz 34 Arten der heimischen Trockenrasen ausgewählt. Diese Arten werden seit 2018 bei Pflanzaktionen mit Freiwilligen und den eigens gegründeten Arbeitskreisen an vielen Orten wieder angesiedelt: zum Beispiel auf dem Gelände der OWA Tegel, im Schmetterlingshof der Märkischen Scholle in Tempelhof, auf der Düne Wedding (Berlins einziger innerstädtischen Düne) oder in der Dünenlandschaft Püttberge in Köpenick. Auch Kleingartenanlagen sind beteiligt.

Archefläche IGA Berlin

2017 wurde zur IGA Berlin im Jelena-Šantić-Friedenspark eine Archefläche mit 900 Kleinbeeten angelegt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von „Urbanität und Vielfalt“ betreuen die Anlage; Bürgerinnen und Bürger können Patenschaften für die Kleinbeete übernehmen. Heute ist die Archefläche ein Reservoir für die Nachzucht der 34 Wildpflanzenarten, die hier geerntet und auf andere Standorte ausgebracht werden können. Regelmäßige Veranstaltungen haben den Ort zum familienfreundlichen Treffpunkt gemacht.

Mitmachen!

Helfen Sie bei der Nachzucht seltener Wildpflanzen! Informationen zu aktuellen Veranstaltungen gibt es auf der Webseite urbanitaetundvielfalt.de. Wenn 2022 die Bundesförderung endet, will eine Arbeitsgruppe des Botanischen Vereins von Berlin und Brandenburg das Projekt ehrenamtlich weiterführen.