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Lebensraumkomplexe

Um einen besseren Überblick über die unterschiedlichen Ansprüche der Zielarten zu bekommen und auf gesamtstädtischer Ebene Maßnahmen verorten zu können, wurden die Arten nach Biotopansprüchen in 5 Gruppen unter Berücksichtigung des Berliner Biotoptypenschlüssel zusammengefasst.

  • Feldflure (Äcker, Brachen, Wiesen und Weiden)
  • Ruderalflure (Bahnböschungen, Straßenränder inkl. Trockenrasen u. Heiden)
  • Wälder (Geschlossene Waldgebiete inkl. Offenflächen im Wald)
  • Parks/Grünanlagen (inkl. Stadtwäldern etc.)
  • Gewässerränder (Feuchte/ nasse Standorte inkl. Nasswälder und Brachen einschl. trockene Grabenböschungen)

Die Zuordnung der Zielarten zu diesen 5 Lebensraumkomplexen ist in den meisten Fällen nicht eindeutig. Viele Tier- und Pflanzenarten sind in einer Reihe unterschiedlicher Lebensräume anzutreffen. Etliche Arten durchlaufen verschiedene Lebensphasen, in denen sie unterschiedliche Lebensräume besiedeln (z. B. Sommer- und Winterlebensräume bei Amphibien). Andere Arten wie z. B. der Feldhase sind flexibel in ihren Ansprüchen. So besiedelt er in Berlin auch lichte Baumbestände und ist zu einem “Waldhasen” geworden.
Die Zielarten nutzen im Biotopverbund auch weitere Biotoptypen, z. B. als Verbindungsstrukturen. So sind in der Karte zu dem Lebensraumkomplex Ruderale Standorte auch große Teile der Berliner Wälder dargestellt.
Das Ergebnis vermittelt eine Übersicht über die Lage und Größe der Verbundflächen eines Lebensraumkomplexes im Land Berlin, den Grad der Zersplitterung und die Isolation dieser Flächen. Die Karten können dem Planer eine Orientierungshilfe geben, welche Zielartengruppe des Biotopverbunds auf der zu beplanenden Fläche zu berücksichtigen ist.

Zuordnung der Zielarten zu Lebensraumkomplexen

  • Zielart

    Zuordnung

  • 01 Gemeine Grasnelke

    • Ruderalflure
    • Wälder
    • Grünanlagen
  • 02 Schwanenblume

    • Gewässerränder
  • 03 Sumpf-Dotterblume

    • Gewässerränder
  • 04 Berg-Platterbse

    • Ruderalflure
    • Wälder
  • 05 Gemeine Goldrute

    • Ruderalflure
    • Wälder
  • 06 Wald-Ziest

    • Wälder
    • Gewässerränder
  • 07 Gelbe Wiesenraute

    • Gewässerränder
  • 08 Biber

    • Gewässerränder
  • 09 Feldhase

    • Feldflure
    • Ruderalflure
    • Wälder
    • Parks/Grünanlagen
  • 10 Quappe

    • Gewässerränder
  • 11 Steinbeißer

    • Gewässerränder
  • 12 Knoblauchkröte

    • Feldflure
    • Ruderalflure
    • Parks/Grünanlagen
    • Gewässerränder
  • 13 Moorfrosch

    • Parks/Grünanlagen
    • Gewässerränder
  • 14 Rotbauchunke

    • Feldflure
    • Ruderalflure
  • 15 Zauneidechse

    • Ruderalflure
    • Wälder
    • Parks/Grünanlagen
  • 16 Schöngesichtige Zwergdeckelschnecke

    • Gewässerränder
  • 17 Große Erbsenmuschel

    • Gewässerränder
  • 18 Gebänderte Prachtlibelle

    • Feldflure
    • Ruderalflure
    • Gewässerränder
  • 19 Glänzende Binsenjungfer

    • Feldflure
    • Ruderalflure
    • Gewässerränder
  • 20 Weiden-Sandbiene

    • Ruderalflure
    • Gewässerränder
  • 21 “Marderartige” Mauerbiene

    • Ruderalflure
    • Parks/Grünanlagen
  • 22 Schwalbenschwanz

    • Feldflure
    • Ruderalflure
    • Parks/Grünanlagen
  • 23 Gemeines Blutströpfchen

    • Feldflure
    • Ruderalflure
    • Parks/Grünanlagen
    • Gewässerränder
  • 24 Kiesbank-Grashüpfer

    • Ruderalflure
    • Wälder
  • 25 Kurzflügelige Schwertschrecke

    • Gewässerränder
  • 26 Blauflügelige Ödlandschrecke

    • Feldflure
    • Ruderalflure
  • 27 Heldbock

    • Wälder
    • Parks/Grünanlagen
  • 28 Feuerschmied

    • Wälder
    • Parks/Grünanlagen
  • 29 Beulenkopfbock

    • Wälder
    • Parks/Grünanlagen
  • 30 Flussufer-Ahlenläufer

    • Gewässerränder
  • 31 Goldschmied

    • Feldflure
    • Ruderalflure
    • Parks/Grünanlagen
  • 32 Schmal-Tauchkäfer

    • Feldflure
    • Ruderalflure
    • Wälder
    • Parks/Grünanlagen
    • Gewässerränder
  • 33 Schwarzer Kolbenwasserkäfer

    • Gewässerränder
  • 34 Springspinne

    • Ruderalflure

Lebensraumkomplex Feldflure

Der Biotoptypenkomplex Feldflur beinhaltet Äcker, Brachen, Wiesen und Weiden der offenen Kulturlandschaft. Großberlin entstand aus der Eingemeindung einer Vielzahl einzelner Dörfer und der Bebauung der umgebenden Felder. Im heutigen Landesgebiet nimmt die landwirtschaftliche Fläche noch etwa fünf Prozent ein. Die verbliebenen Reste der früheren Agrarlandschaft konzentrieren sich im Nordosten in der Lübarser, Blankenfelder, Malchower, Wartenberger und Falkenberger Feldflur und im geringeren Maß im Westen in der Gatower und Kladower Feldflur. Der Rückgang der landwirtschaftlich genutzten Fläche und damit ausgedehnter Offenlandschaften hat zu einer Gefährdung der auf diesen Lebensraum angewiesenen Tierarten geführt. Neun Zielarten des Biotopverbunds leben vorwiegend oder zum Teil in den Biotoptypen der Agrarlandschaft.

Übersichtskarte der Zielarten des Lebensraumkomplexes Feldflure
Übersichtskarte der Zielarten des Lebensraumkomplexes Feldflure
Bild: SenUVK

Übersichtskarte der Zielarten des Lebensraumkomplexes Feldflure

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Lebensraumkomplex Ruderalflure

Der Biotoptypenkomplex Ruderalfluren umfasst ruderale Standorte einschließlich Bahnböschungen und Straßenränder, aber auch die in Berlin meist nur kleinflächig ausgebildeten Trockenrasen und Heiden. Es sind in dieser Gruppe also offene, vorwiegend trockene Lebensräume mit überwiegend krautiger Spontanvegetation zusammengefasst. So kommen hier 17 der 34 Zielarten des Biotopverbunds vor, die meisten jedoch nur im Nebenvorkommen. Als charakteristische Arten der Ruderalfluren sind die Zauneidechse, die Blauflügelige Ödlandschrecke und die “Marderartige” Mauerbiene zu nennen. Exemplarisch für die Flora und Fauna der Trockenrasen und Heiden stehen die Gemeine Grasnelke, der Kiesbank-Grashüpfer und die Springspinne Pellenes nigrociliatus. Die Knoblauchkröte nutzt sandige offene Freiflächen als terrestrischen Sommerlebensraum, die Rotbauchunke benötigt flache Temporärgewässer in offenen Ruderalfluren und Rohböden zur Fortpflanzung.

Trockene Offenflächen in der Großstadt beherbergen eine artenreiche Fauna und Flora, die von den besonderen Temperaturbedingungen der Stadt profitiert. Im Vergleich mit anderen Biotoptypen sind die Möglichkeiten zur Neuschaffung bzw. Wiederherstellbarkeit dieser Lebensräume als günstig zu bewerten. Andererseits liegt auf diesen Flächen ein hoher Nutzungsdruck, deshalb bedarf es eines gezielten Managements, um vernetzbare Strukturen zu erhalten. Heiden und Trockenrasen zählen zu den nach § 26a NatSchGBln besonders geschützten Biotoptypen. Größere Heideflächen entstehen durch lang anhaltende Nutzung. Mit dem Wegfall traditioneller Nutzungsformen gingen die Heiden in Berlin stark zurück. Eine Vielzahl charakteristischer Insektenarten ist auf Heidekraut spezialisiert, viele Arten sind durch den Rückgang der Heiden stark bedroht oder bereits erloschen.

Übersichtskarte der Zielarten des Lebensraumkomplexes Ruderalflure
Übersichtskarte der Zielarten des Lebensraumkomplexes Ruderalflure
Bild: SenUVK

Übersichtskarte der Zielarten des Lebensraumkomplexes Ruderalflure

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Lebensraumkomplex Wälder

Durch eine vorausschauende Politik des Waldkaufs bereits zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts verfügt Berlin über eine für eine Millionenstadt wohl einmalige Ausstattung mit Waldgebieten. Zur Zeit nehmen Wälder rund 18 Prozent der Landesfläche ein. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden große Teile der Berliner Wälder durch die Alliierten abgeholzt. Infolgedessen gingen viele wertvolle Altholzbestände verloren. In den nachfolgenden Aufforstungen wurde als Hauptbaumart Kiefer gepflanzt. Der Charakter der Berliner Wälder hat sich damit verändert. Auch die Nutzung der Wälder hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Sie sind inzwischen zu stark frequentierten Naherholungsgebieten geworden.

Ausgedehnte Waldbiete liegen am südwestlichen, nordwestlichen und südöstlichen Stadtrand. Allein im waldreichen Bezirk Treptow-Köpenick befinden sich 41 Prozent der Berliner Waldfläche. Untereinander sind diese Gebiete kaum miteinander verbunden. Die Anbindung an Waldgebiete im Umland ist ebenfalls nicht überall gegeben und durch die Zersiedlung im so genannten “Speckgürtel” um Berlin weiter im Rückgang.

Von den Zielarten des Biotopverbunds treten 10 im Lebensraumkomplex Wälder auf. Darunter befinden sich Arten des Offenlands wie die Zauneidechse, der Feldhase oder die Gemeine Grasnelke, die auch Waldsäume und lichte Waldbereiche besiedeln. Auch der Kiesbank-Grashüpfer ist in Berlin nur noch mit wenigen Vorkommen auf Offenstellen in den Forsten vertreten, vermutlich als Relikt einer anderen Waldwirtschaftsform. Andere Arten wie die Berg-Platterbse und die Gemeine Goldrute kommen überwiegend im Wald vor, bevorzugen aber ebenfalls weniger beschattete Plätze an Waldwegen und in aufgelichteten Baumbeständen. Die drei Käferarten dagegen sind holzbewohnende Arten, also direkt auf Bäume als Lebensgrundlage angewiesen.

Als typisch für waldbewohnende Arten wird eine Anpassung an eine sich nur langsam ändernde Umwelt und als Folge eine geringe Ausbreitungsfähigkeit angesehen. Beispiele für dieses Phänomen unter den Zielarten des Biotopverbunds sind der Heldbock und der Kiesbank-Grashüpfer.

Übersichtskarte der Zielarten des Lebensraumkomplexes Wälder
Übersichtskarte der Zielarten des Lebensraumkomplexes Wälder
Bild: SenUVK

Übersichtskarte der Zielarten des Lebensraumkomplexes Wälder

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Lebensraumkomplex Parks/Grünanlagen

Öffentliche Grünanlagen dienen der Versorgung der Bevölkerung mit wohnungs- und siedlungsnahen Freiräumen, bieten zugleich aber auch Lebensräume für die im Stadtgebiet verbreitete Tier- und Pflanzenwelt. Je nach Flächengröße, Ausstattung und Lage sowie Nutzungs- und Pflegeintensität können die Grünanlagen diese Funktionen in unterschiedlichem Maße erfüllen.

Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang besonders die ausgedehnten historischen Parkanlagen wie z. B. der Große Tiergarten, die Wuhlheide, der Treptower Park oder der Volkspark Jungfernheide. Aber auch neu geschaffene Anlagen wie z. B. der Britzer Garten oder der Naturpark Schöneberger Südgelände können zu den für den Biotopverbund wertvollen Anlagen gezählt werden. Zu den Grünanlagenbiotopen gehören weiterhin viele Friedhöfe und Kleingärten sowie auch die für die Biotopvernetzung bedeutsamen linearen Grünverbindungen. Im Lebensraumkomplex Grünanlagenbiotope treten 12 Zielarten des Biotopverbundes auf. Keine der Arten ist ausschließlich an diesen Lebensraumkomplex gebunden. Die meisten der hier zugeordneten Arten kommen auch in Wäldern oder an Feucht- und Nassstandorten vor. Dies ist bedingt durch die häufig waldartige und mit Kleingewässern ausgestattete Biotopstruktur der meisten größeren und älteren Parkanlagen.

Letztlich sind anthropogene Grünanlagen immer Sekundärlebensraum für Tiere und Pflanzen, die ursprünglich aus anderen Biotopen stammen. Um so bemerkenswerter ist es, dass historische Parkanlagen mittlerweile für europaweit gefährdete Insekten wie den Heldbock zu einem Refugium geworden sind und auch von vielen anderen seltenen Arten besiedelt werden.

Übersichtskarte der Zielarten des Lebensraumkomplexes Parks/Grünanlagen
Übersichtskarte der Zielarten des Lebensraumkomplexes Parks/Grünanlagen
Bild: SenUVK

Übersichtskarte der Zielarten des Lebensraumkomplexes Parks/Grünanlagen

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Lebensraumkomplex Gewässerränder

Der Biotoptypenkomplex Feuchtstandorte umfasst alle Seen und Fließgewässer und ihre Ufer einschließlich kanalisierter Abschnitte, Kanäle und Gräben, Kleingewässer (auch die periodisch trockenfallenden) sowie Feuchtwiesen und Moore.

In diesem Lebensraumkomplex sind mit insgesamt 20 Arten die meisten der 34 Zielarten des Berliner Biotopverbundes vertreten. Besonders charakteristische Arten für den Lebensraumkomplex, die nur hier vorkommen, sind die Schwanenblume (Butomus umbellatus), die Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris), die Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum), der Biber (Castor fiber), die Quappe (Lota lota), der Steinbeißer (Cobitis taenia), die Schöngesichtige Zwergdeckelschnecke (Marstoniopsis scholtzi), die Große Erbsenmuschel (Pisidium amnicum), die Kurzflügelige Schwertschrecke (Conocephalus dorsalis), der Flussufer-Ahlenläufer (Bembidion litorale), Paykulls Schmal-Tauchkäfer (Colymbetes paykulli) und der Schwarze Kolbenwasserkäfer (Hydrophilus aterrimus).
Die verbleibenden Arten sind Amphibien und Libellen, die einerseits für die Fortpflanzung und Entwicklung auf Gewässer angewiesen sind, andererseits als Jagd- und Überwinterungslebensräume trockenere Biotope nutzen. Die Sandbiene Andrena nycthemera benötigt Ufer vor allem wegen der hier wachsenden Weiden, deren Pollen ihre Nahrungsquelle bilden, Zugleich nutzt sie offene, sandige Uferstellen zur Anlage der Nester, kann aber auch in weiter entfernten Trockenrasen nisten.

Generell sind Fließgewässer, Kanäle und Gräben als lineare Landschaftsstrukturen von großer Bedeutung für den Biotopverbund. Viele Tierarten nutzen diese Strukturen zur Ausbreitung, auch solche, die nicht an Ufern oder in Feuchtgebieten leben. Flußauen sind zusätzlich klimatisch begünstigt. Ihre Funktion bei der Ausbreitung von Tier- und Pflanzenarten ist seit langem bekannt. Im Berliner Raum sind Feuchtgebiete, insbesondere Flußauen und Moore, stark anthropogen überformt oder bereits vernichtet. Als Folge des Klimawandels sind Feuchtgebiete zunehmend von Austrocknung bedroht.

Die meisten der Feuchtgebiete sind nach § 26a NatSchGBln geschützte Biotope: Moore, Sümpfe, Röhrichte, Seggen- und binsenreiche Nasswiesen, Quellbereiche, naturnahe und unverbaute Bach- und Flussabschnitte, Verlandungsbereiche stehender Gewässer, Bruch-, Sumpf- und Auenwälder sowie Feuchtwiesen.

Übersichtskarte der Zielarten des Lebensraumkomplexes Gewässerränder
Übersichtskarte der Zielarten des Lebensraumkomplexes Gewässerränder
Bild: SenUVK

Übersichtskarte der Zielarten des Lebensraumkomplexes Gewässerränder

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