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Grün macht Schule

Der Spielplatz der Reinhardswald-Grundschule im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist von grünen Büschen, Bäumen und Sträuchern umgeben. Inmitten einer Sandfläche ragt ein Kletterturm mit rotgestrichener Spitze in die Höhe. Eine Röhrenrutsche aus Edelstahl windet sich von dem eckigen Spielhaus zu Boden. Links stehen zwei Natursteinblöcke im hellgelben Pudersand.
Reinhardswald-Grundschule in Berlin-Kreuzberg.
Bild: Grün macht Schule

In Berlin gibt es 776 allgemeinbildende Schulen und an die 2.600 Kindertagesstätten. Es sind Orte, die Kinder und Jugendliche prägen. Schon deshalb sollten ihre Außenanlagen pädagogisch und nachhaltig gestaltet sein. Hinzu kommt: In der Summe bergen diese Flächen ein nicht zu unterschätzendes Potenzial für die Stadtnatur.

„Grün macht Schule“ liefert Anregungen, wie man sie gestaltet. Die Beratungsstelle ist ein Kooperationsprojekt der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und des Vereins Freilandlabor Britz. Seit 1983 hat sie viele hundert Schulen betreut – und die Nachfrage hält an. 2012 kam das Förderprogramm „Grün macht Schule –KinderGARTEN“ hinzu. Träger dieses Programms ist seit 2018 das Freilandlabor Britz, gefördert wird es von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Allein in den letzten drei Jahren wurden dadurch die Gärten von 150 Kitas naturnah umgestaltet. Die Unterstützung reichte vom partizipativen Entwickeln individueller Gartenkonzepte bis zu konkreten Umbaumaßnahmen.

Was macht Schulen und Kitas grün und lebendig?

In der jahrzehntelangen Erfahrung von „Grün macht Schule“ haben sich Kriterien und Standards für grüne und lebendige Lernorte herauskristallisiert. Elementar ist: Die Freiflächen müssen zu Bewegung und kreativem Spiel einladen und dabei multifunktional sein. Für die Kleinsten sind Spiel- und Aufenthaltsbereiche wichtig, die dazu inspirieren, die Umwelt mit allen Sinnen zu erleben und die Natur zu erforschen. Am Anfang der meisten Projekte steht die Frage: Müssen die Flächen so stark versiegelt sein oder lassen sich Teile in grüne Oasen verwandeln, die die Biodiversität stärken? In einzelnen Fällen wurden so bis zu 40 Prozent der Flächen entsiegelt. Natur regt an und ist erholsam. Das spricht für biologisch vielfältige Freiflächen. Die dafür entwickelten Pflanzlisten fokussieren auf heimische Pflanzen und Nährgehölze für Tiere. Was dann noch fehlt, ist ein Garten mit Obststräuchern, Kräutern und Erdbeeren, in dem Kinder und Jugendliche viel über Ernährung und Nachhaltigkeit lernen. Wenn sie aktiv in die Umgestaltung einbezogen sind und selbst Hand anlegen, wächst ihr Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt. Deshalb sind die Kinder und Jugendlichen schon bei der Bestandsaufnahme dabei, um gemeinsam Vorschläge zu entwickeln und zu realisieren.

Qualitätskriterien-Kartenset „Lebensraum Schulhof“

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Qualitätsstandards für Kitas

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Vom grauen Beton zur grünen Oase

Bildvergrößerung: Das Foto zeigt den Zustand des Außenbereichs der Katharina-Heinroth-Grundschule vor der Umgestaltung im Winter. Eine große betonierte Fläche erstreckt sich fast über den gesamten Schulhof. Hinten ist ein Bereich ausgespart und mit Sand gefüllt. Auch ein Streifen vor dem hellgrauen Schulgebäude am rechen Bildrand ist unbefestigt und stellenweise laubbedeckt. In regelmäßigen Abständen sind hier Basketball-Körbe entlang des Streifens aufgereiht. Am Rand des Schulhofs wachsen kahlen Bäume.
Vor der Umgestaltung.
Bild: Grün macht Schule

Welche Kraft eine solche Umgestaltung entfaltet, macht die Katharina-Heinroth-Grundschule in Berlin-Wilmersdorf deutlich. Wo zuvor eine weite Betonfläche langweilte, entstand 2017 mit „Grün macht Schule“ ein lebendiger Hof für Kinder mit reich strukturierten Lebensräumen für Pflanzen und Tiere.

Bildvergrößerung: Eine Aufnahme nach der Umgestaltung im Sommer. Die versiegelte Betonfläche ist verschwunden und dichte grüne Büsche unterteilen die neuangelegten Bereiche des Schulhofs. So steht jetzt in einem kreisrunden Sandkasten vorne links ein Holzgerüst mit Reifenschaukeln. Weiter hinten führen drei Treppenstufen in einem Halbrund zu einem anderen Bereich, der von Sträuchern verdeckt wird. Über die Fassade der Katharina-Heinroth-Grundschule ranken sich grüne Pflanzen.
Nach der Umgestaltung.
Bild: Grün macht Schule

Die Ideen und Wünsche der Schülerinnen und Schüler flossen in die Planung ein. Das Ergebnis: Weite Teile des Hofs sind entsiegelt; Beete mit Sträuchern und Stauden gliedern ihn in Spiel- und Rückzugsorte. Obstbäume, ein Schulgarten und ein Freilandlabor sind grüne Lernorte.

Ein Kita-Garten auch für die Tierwelt

Mehr Biodiversität war ein Kernanliegen, als die Pankower Kita Dreikäsehoch 2020 ihren Garten in der Mandelstraße neu gestaltete. Heute bereichern Haselnüsse das Nahrungsangebot für Säugetieren und Insekten. Genau wie die neu gepflanzten Weiden bieten sie zudem Vögeln Rückzugs- und Nistmöglichkeiten. Bestäubende Insekten profitieren von kleinen Beeten, in denen Wiesenblumen wie Lichtnelke, Flockenblume und Margerite wachsen. Das gebietseigene Saatgut dafür wurde auf den Standort Innenstadt abgestimmt. Und auch die neue Matschfläche kommt Kindern wie Tieren zugute.