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Wiesenmahd

Bildvergrößerung: Auf einer Wiese mit hohen Gräsern wachsen Wildblumen. Zwischen kleinen gelben und rosa Blüten ragen viele wilden Margeriten auf. Die körbchenförmigen Blüten haben eine gelbe Mitte und sind von einem Kranz weißer Blütenblätter umgeben.
Artenreiche Wiese mit Wiesen-Margerite
Bild: Justus Meißner / Stiftung Naturschutz Berlin

Darf es etwas wilder sein?

Berlin ist eine grüne Metropole. Und das trägt ganz erheblich zur hohen Lebensqualität in der Hauptstadt bei. Einen großen Anteil des Berliner Stadtgrüns bilden die öffentlichen Grünanlagen. Um diese langfristig zu erhalten, bedarf es einer angepassten Pflege. Viele Grünanlagen müssen aufgrund ihrer Nutzung oder auch der historischen oder kulturellen Bedeutung intensiv gepflegt werden. Wo es jedoch möglich ist, versucht die Stadt Berlin auch in den öffentlichen Grünanlagen der Natur mehr Raum für ihre Entwicklung zu geben, natürliche Prozesse zuzulassen und damit die biologische Vielfalt in der Stadt zu fördern.

Durch eine artangepasste Mahd von Wiesen besteht die Möglichkeit den Artenreichtum in der Stadt auf einfache Weise zu erhöhen. Das bedeutet vor allem die Extensivierung, also die Reduzierung der Schnitte pro Jahr. Eine Regelmäßigkeit in der Mahd auf wechselnden Teilflächen ist wichtig, um genau die für Wiesen typischen Pflanzenarten zu fördern. Verzichtet man auf die Mahd, führt dies dazu, dass sich Hochstauden ausbreiten und andere Wiesenarten durch die Konkurrenzverhältnisse verdrängt werden. Auf wechselnden Teilflächen ist der zeitweise Verzicht auf eine Mahd sinnvoll, um für bestimmte Wiesenbewohner ein ausreichendes Blütenangebot, Lebensraumstrukturen und Überwinterungsmöglichkeiten zu erhalten.

Aus diesem Grund wird in den Gärten der Welt auf ausgewählten Wiesenflächen eine extensive Mahd zur Förderung des Artenspektrums durchgeführt.

Ohne Pflege keine Wiesen – die artverträgliche Mahd

Wiesen sind immer von Menschen gemacht. Sie sind aber trotzdem die Heimat für unzählige Pflanzen- und Tierarten. Ohne Pflege würde sich jede Wiese langfristig zurück über die Entwicklung von Hochstaudenfluren und Pioniergehölzen in einen Wald verwandeln. Dieser ganz besondere Lebensraum “Wiese” würde somit wieder verloren gehen.

Auch unvorsichtiges Mähen gefährdet die dort heimischen Tiere durch den Verlust ihrer Nahrungsquellen, Versteckmöglichkeiten, Nist- und Brutplätze sowie Überwinterungsstätten. Daher bedeutet eine angemessene Mahd die Rücksichtnahme sowohl auf die Pflanzenarten der Wiese selbst, als auch auf ihre großen und kleinen Bewohner. Sie sollte so durchgeführt werden, dass die wiesentypische biologische Vielfalt erhalten und gefördert wird.

Auf was ist zu achten bei einer naturverträglichen Mahd?

Folgende Regeln helfen, um die in einer Wiese lebenden Tiere so wenig wie möglich zu stören. Viele davon können auch Sie selbst in Ihrem Garten umsetzen:

  • Abschnittsweise Mahd:
    Die Wiese wird nicht vollständig gemäht, sondern nur auf Teilflächen, so dass ausreichend Deckung bleibt und Insekten weiterhin genügend Blüten als Nahrung finden. Erst wenn auf der gemähten Fläche wieder ausreichend Pflanzen nachgewachsen sind, werden die bislang ungemähten Bereiche geschnitten. Je nach Witterung und je nachdem, welche Tiere dort leben, kann das etwa vier bis sechs Wochen dauern.
  • Anpassung des Mahdzeitpunktes:
    Ist die Wiese ein Lebensraum für Vögel, die ihre Nester am Boden bauen, sollte der Mahdzeitpunkt entsprechend an die Brutzeit angepasst werden, d.h. in der Regel erst spät im Sommer gemäht werden. Der Wachtelkönig etwa benötigt eine ausreichend hohe, aber nicht zu dichte Vegetation für seine Brut. Er brütet von Mai bis ca. Anfang September. Wiesen im Wuhletal, die von ihm bewohnt werden können, sollten zum Schutz von Nachwuchs und Eltern daher erst spät gemäht werden.
  • Teilflächen gar nicht mähen:
    Viele Tierarten wie Schmetterlinge, Heuschrecken oder Spinnen überwintern in und an den Stängeln größerer Pflanzen. Daher sollte jede Wiese an den Rändern ungemähte Säume haben. Zwischen einem Viertel und einem Drittel der Wiese können jährlich wechselnd ungemäht bleiben, Teilflächen auch bis zu zwei Jahre.
  • Verwendung von Balkenmähern:
    Zur Schonung der Tiere sollten Messerschneidwerke wie Balkenmäher zum Einsatz kommen. Sie gefährden viel weniger Tiere als Rotationsmäher.
  • Langsames Mähen von innen nach außen:
    Um den kleinen Wiesenbewohnern die Flucht aus den zu mähenden Flächen zu ermöglichen, sollten diese möglichst von innen nach außen und möglichst langsam gemäht werden.
  • Gemähtes nicht sofort entfernen:
    Nach Möglichkeit sollte das frische Mahdgut einige Tage liegen bleiben und nicht gleich entfernt oder verwertet werden, damit die darin vorhandenen Tiere in die angrenzenden Flächen abwandern können.

Folgt man diesen einfachen Regeln, so erhält man auf der Wiese ein “Mosaik” aus verschieden hohen Pflanzen, das möglichst vielen Tieren einen guten Ort zum Leben ermöglicht. Je kleiner und vielfältiger die “Mosaiksteinchen” dabei sind und je näher die einzelnen Teilflächen beieinander liegen, desto glücklicher sind die Bewohner.

Bei einer solchen artverträglichen Mahd werden nicht nur die schon auf der Wiese lebenden Tierarten geschont. Sie fördert auch die Lebensraum- und die Artenvielfalt und damit auch die biologische Vielfalt.