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Der Wald ist auf dem Vormarsch

Quelle: Lokaler Server
Formate: audio/mp3
Bildvergrößerung: Durch einen Birkenwald verläuft ein verlassenes Eisenbahngleis. Sonnenlicht flutet durch die grünen Baumkronen. Welkes Laub bedeckt den grauen Schotter und die verwitterten hölzernen Bahnschwellen. Einige bodendeckende Pflanzen recken ihre Blätter dem Licht entgegen. Zwischen den rostigen Schienen ragen mehrere grau-weiße Birkenstämme auf. Der dickste von ihnen wächst schräg aus dem Gleisbett heraus. Ein dünnerer Spross ist rechtwinklig abgeknickt, wächst ein Stück waagerecht und strebt mit einem weiteren Knick senkrecht nach oben.
Birken in Gleisen
Bild: Holger Koppatsch
Bildvergrößerung: Unter dichten, satt grünen Baumkronen hinweg führt ein unbefestigter Weg in den naturbelassenen Wald. Durch das Laub dringt Sonnenlicht auf den Pfad. Zu beiden Seiten wuchert niedriger Bewuchs, zwischen den Bäumen hat sich ein undurchdringbares Dickicht gebildet. Einige Stämme stehen schief und neigen sich über den Weg.
Urwüchsiger Wald
Bild: Ingo Kowarik

Im Natur-Park bietet sich die einzigartige Gelegenheit, die Waldentwicklung auf einer innerstädtischen Brache zu verfolgen. Bisher dominierten Gehölze wie Birken und Robinien, die sich bereits in der Pionierphase im Schotter angesiedelt haben. Entlang der Bahnstrecken wuchsen Apfelbäume auf, die man im Tälchenweg hier und da noch finden kann.

Bildvergrößerung: Mauerreste und Ziegelsteine bedecken den Boden. Sie sind mit grünen Mooskissen überzogen, auf denen Sonnenstrahlen flimmern. Vereinzelte dünne Bäumchen wachsen in die Höhe. Ein etwa armdicker Stamm ist abgebrochen. Weiter hinten bilden kleinere Büsche und Farnkrautwedel den Übergang zum Wald.
Moosgarten
Bild: Jacob Schmidt

Die Birke ist häufig die erste Baumart, die auf Brachflächen Fuß fasst. Ihre leichten Samen werden vom Wind weit verbreitet.

Auch die Robinie gehört zu den Pionierarten auf nährstoffarmen Standorten. Ihr hilft dabei eine Symbiose im Wurzelbereich, die sie mit Knöllchenbakterien eingeht. Diese Mikroorganismen sind in der Lage, Luftstickstoff zu binden und den Baum mit diesem Nährstoff zu versorgen. Der herbstliche Laubfall trägt unter anderem dazu bei, den Boden zu düngen.

Nährstoffliebende Bäume wie Linde, Spitzahorn und Stieleiche sind inzwischen hinzugekommen und werden die erste Baumgeneration ablösen. Der Wald verändert sich.

Der urwüchsige Wald übt eine besondere Faszination aus und soll sich weitgehend ungestört entwickeln. Kletterpflanzen wie Wilder Wein und Waldrebe überziehen Büsche und Bäume und bilden ein urwaldähnliches und undurchdringliches Dickicht.

Werden absterbende Bäume in der Nähe von Wegen jedoch zur Gefahr, müssen sie gefällt werden. Am Rand der Lichtungen werden einzelne Gehölze entfernt, um den Schattendruck zu verringern und die offene Fläche zu erhalten.

Bildvergrößerung: Mit geöffnetem Schnabel sitzt ein Zaunkönig auf einer Eibe. Seine gespreizten Beine umklammern zwei kleine Triebe mit weichen, grünen Nadeln. Der winzige Vogel hat einen kurzen, rundlichen Körper mit rötlich-braun gesprenkeltem Gefieder. Zwischen den Flügelspitzen ragt sein kurzer Schwanz fast senkrecht in die Höhe. Kehle und Brust sind grau-braun gefärbt, ebenso der schmale Überaugenstreif. Die Oberseite des spitzen, leicht nach unten gebogenen Schnabels ist schwarzbraun, die Unterseite gelb. Der nur neun Gramm leichte Zaunkönig schmettert in einer Lautstärke los, die wir ihm so nie zutrauen würden. Jede Gesangsstrophe besteht aus einer Kaskade hoher Töne und schneller Triller.
Zaunkönig
Bild: Josef Vorholt

Mehr als zwei Drittel der einst gehölzfreien Bahnbrache sind heute bewaldet. Davon profitieren Arten, die lichte Laubwälder besiedeln, wie der Fitis. Nachtigall, Mönchsgrasmücke und Rotkehlchen fühlen sich im Unterholz wohl. Im dichten Gebüsch hält sich der Zaunkönig verborgen, dessen schmetternder Gesang aus Trillern und Rollern überrascht, denn er ist mit einer Körperlänge von circa zehn Zentimeter der drittkleinste Vogel Europas.

Bildvergrößerung: Ein Fitis, auch Fitislaubsänger genannt, sitzt auf einem Zweig mit roten Früchten. Der unscheinbare Vogel ist etwas kleiner als ein Sperling und hat einen kurzen schmalen Schwanz. Sein Gefieder ist grau bis olivgrün, Kehle und Brust sind gelblich gefärbt, der Bauch ist weiß. Über den schwarzen Augen verläuft ein gelber Querstreifen, der den Fitis von dem ähnlich aussehenden Zilpzalp deutlich unterscheidet. Unverwechselbar sind auch die graugelben Beine des Fitis. Der Gesang des Fitis klingt wie eine weiche, sanft abfallende Melodie aus hellen Tönen, während der Zilpzalp bekannterweise seinen eigenen Namen ruft.
Fitis
Bild: Josef Vorholt
Bildvergrößerung: Das Foto zeigt ein Mönchsgrasmücken-Männchen von der Seite. Es sitzt auf dem Zweig einer Brombeerpflanze. Die meisten Früchte sind noch rot oder violett. Die grünen Blätter und weitere Zweige sind verschwommen. Der kleine Vogel mit aufgeplustertem Gefieder wird bis zu 15 Zentimeter lang. Bauch, Hals und Gesicht sind hellgrau, der Rücken ist graubraun gefärbt. Über den kleinen schwarzen Augen ist die Kopfplatte arttypisch schwarz. Auffallend ist der wohltönende Gesang der Mönchsgrasmücke.
Mönchsgrasmücke
Bild: Josef Vorholt
Bildvergrößerung: Leicht verdeckt hinter Blättern und gelben Blüten sitzt ein Weibchen der Dorngrasmücke auf einem Zweig. Mit 13 bis 15 Zentimetern ist sie fast so lang wie ein Sperling, hat einen gedrungenen Körper und einen vergleichsweise langen Schwanz. Auf der Oberseite trägt der Singvogel ein graubraunes Federkleid mit hellbraunen Flanken und weißlich gefärbter Unterseite. Die Kehle ist weiß. Die schwarzen Flügelfedern sind rostrot gesäumt. Das Weibchen hat eine hellbeige Brust, während die des Männchens rosa gefärbt ist.
Dorngrasmücke
Bild: Josef Vorholt

Rotfuchs und Eichhörnchen sind hier regelmäßig anzutreffen. Sie haben als Kulturfolger im gesamten innerstädtischen Siedlungsraum ein gutes Auskommen gefunden. Auch das Vorkommen der Punktierten Zartschrecke zeigt, dass der Wald auf dem Vormarsch ist. Aber nicht alle Arten profitieren davon. Der Bestand der Arten, die das Offenland bewohnen – wie zum Beispiel die Dorngrasmücke, nimmt ab.

Bildvergrößerung: Das Bild zeigt den Kopf eines Rotfuchses von der Seite. Er fixiert etwas mit seinen bernsteinfarbenen Augen. In einem kräftigen Rotbraun zieht sich sein Fell vom Nacken über die Oberseite des spitzen Kopfes bis über den Nasenrücken mit der kleinen, schwarz glänzenden Nase. Die lange Schnauze und die Kehle dagegen sind weißlich grau. Die spitzen Ohren des Fuchses sind außen schwarz gefärbt und innen dicht behaart. Sie verleihen ihm eine markante, dreieckige Gesichtskontur.
Der Rotfuchs ist sehr anpassungsfähig und besiedelt mittlerweile den gesamten innerstädtischen Siedlungsraum.
Bild: Josef Vorholt
Bildvergrößerung: Ein rotbraunes Eichhörnchen lugt hinter einem Baumstamm hervor. Aufmerksam blickt es mit seinen schwarzen runden Augen zum Betrachter. Das Tier hat einen rundlichen Kopf mit einer spitz zulaufenden Nase. Über den Augen sowie von der Nasenspitze und den Wangen stehen lange Tasthaare ab. Die steil aufgerichteten Ohren sind klein und rund. Auffallend ist ein dichter Haarwuchs an den oberen Enden der Ohren. Sie werden deshalb auch „Pinselohren“ genannt.
Eichhörnchen sind als Kulturfolger häufig in Parks und Gärten anzutreffen. Ihr ursprünglicher Lebensraum sind Wälder.
Bild: Josef Vorholt