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Radschnellverbindungen im Berliner Stadtgebiet



Karte zu Radschnellverbindungen im Berliner Stadtgebiet - Prioritäten, Stand: 2018

In Berlin sollen in den nächsten Jahren insgesamt 100 Kilometer Radschnellverbindungen entstehen, dies ist mitunter auch so in dem bald in Kraft tretenden Berliner Mobilitätsgesetz verankert. Radschnellverbindungen werden dabei Anreize schaffen, das Fahrrad in Berlin insgesamt häufiger zu benutzen. Die infrastrukturelle Qualität von Radschnellverbindungen ist sehr hoch. Sie besitzen breite, meist separate Wege für die Radfahrenden, sind gut beleuchtet, bequem und bis auf wenige Ausnahmen ohne Stopp zu befahren. Sie machen das Radfahren somit sicherer und schneller - insbesondere auf Wegstrecken, die länger als fünf Kilometer sind. Diese besonderen Radverkehrsanlagen werden für die Berlinerinnen und Berliner somit neue Möglichkeiten schaffen, sich im Beruf oder in der Freizeit mit dem Rad oder Pedelec umweltbewusst und gesundheitsfördernd fortzubewegen.

Was bisher geschah?

In der Debatte um Radschnellverbindungen in Berlin wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Trassenkorridore diskutiert. Im Auftrag der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz wurden dann 30 dieser potenziellen Trassenkorridore genauer untersucht. Dabei wurden für die Trassenkorridore verschiedene Kriterien für die Bewertung herangezogen. Neben der grundlegenden Potenzialbewertung wurden zusätzlich Themen, wie Realisierbarkeit, Infrastruktur sowie grob auch die Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Trassenkorridore betrachtet.

Als Ergebnis dieser Untersuchung haben sich zunächst zwölf Trassenkorridore für Radschnellverbindungen herauskristallisiert, die mit Blick auf die Potenziale und die Umsetzungschancen, die besten Voraussetzungen aufweisen. Für jeden dieser zwölf Trassenkorridore wurden dann erste beispielhafte verkehrsplanerische Empfehlungen formuliert und mit Kostenschätzungen versehen. Die Ergebnisse der Bewertungskriterien der jeweiligen Trassenkorridore wurden dann verglichen und eingestuft.

Die 12 Trassenkorridore wurden anschließend wie folgt zusammengefasst:
  1. Y-Trasse (drei Trassenkorridore zusammengefasst aus dem Betriebsweg entlang der A113, dem Betriebsweg entlang der A100 und dem Trassenkorridor zwischen Südstern und Rungiusstraße in Britz)
  2. Trasse Mitte-Tegel-Spandau (zusammengefasst aus zwei vorgeschlagenen Trassenkorridoren)
  3. Trasse Königsweg-Kronprinzessinnenweg
  4. Panke-Trail (zusammengefasst aus zwei vorgeschlagenen Trassenkorridoren)
  5. West-Route (in Verbindung mit Radverkehrsanlagen entlang der B5)
  6. Teltowkanal-Route (in Verbindung mit dem Radfernweg Berlin-Leipzig)
  7. Trasse Spandauer Damm - Freiheit
  8. Trasse Nonnendammallee - Falkenseer Chaussee

Was passiert jetzt und demnächst?

Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz lässt derzeit durch die landeseigene infraVelo GmbH für alle der oben genannten Trassenkorridore weiterführende Untersuchungen ausschreiben. Die Aufgabenstellung der Ausschreibung sieht dabei für die jeweiligen Trassenkorridore grundlegende Machbarkeitsuntersuchungen sowie die Durchführung von ersten bauvorbereitenden Planungsleistungen nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) vor.

Die Ausschreibungen der Machbarkeitsuntersuchungen und bauvorbereitenden planerischen Leistungen erfolgen in drei sogenannten Losen. Dabei werden jeweils mehrere Trassenkorridore, in der Regel in Bezug auf die örtliche Lage, als Untersuchungsgegenstand in die einzelnen Ausschreibungs-Lose einbezogen. Ziel der jeweiligen Ausschreibung ist es, entsprechende Entwurfsvorschläge für rechtlich, planrechtlich und verkehrstechnisch machbare Routenverläufe von Radschnellverbindungen in den jeweiligen Trassenkorridoren darzustellen und damit belastbare Handlungsempfehlungen für das weitere Vorgehen auszuarbeiten.

Derzeit läuft die erste Ausschreibung zu Los 1, darin sind die drei südlichen Trassenkorridore (Nr. 1, 3 und 6) enthalten. Der Zuschlag für einen Auftragnehmer beziehungsweise für ein Bieterkonsortium soll für dieses Los voraussichtlich bis Ende Juli des Jahres erfolgen. Die Arbeiten werden dann durch den Auftragnehmer unverzüglich aufgenommen.

Das Ausschreibungs-Los 2, das voraussichtlich alle westlichen Trassenkorridore (Nr. 2, 5, 7, 8) beinhalten wird und das Ausschreibungs-Los 3, das die nördliche und voraussichtlich auch einen zusätzlichen Trassenkorridor (Nr. 4 + X, siehe unten) enthalten wird, werden ebenfalls noch in diesem Jahr separat ausgeschrieben.

Was kommt noch hinzu?

Die in der Potenzialuntersuchung zu den Berliner Radschnellverbindungen in Richtung Osten verlaufenden Trassenkorridore sind allesamt nicht in die Auswahl für die weitergehenden Detailuntersuchungen und Ausschreibungen gekommen. Dies begründet sich vor allem über die im Vergleich zu den ausgewählten 12 Trassenkorridoren deutlich schlechtere Bewertung der Wirtschaftlichkeit. Somit ist die Lücke im Berliner Osten entstanden.

Damit diese Lücke geschlossen und die politischen und verkehrsplanerischen Zielstellungen, zukünftig insgesamt 100 Kilometer Radschnellverbindungen in Berlin zu realisieren, eingehalten werden können, müssen zwangsläufig weitere Trassenkorridore identifiziert werden. Dabei werden die bei der Top-12-Auswahl herausgefallenen Trassenkorridore im Osten Berlins wieder in Betracht gezogen. Es wird zeitnah ein Trassenkorridor im Berliner Osten ausgewählt, der in eine der beiden geplanten Ausschreibungen noch aufgenommen wird.

Zusätzlich werden die Planungen für die Radschnellverbindung im Zuge der "Tangentialen Verbindung Ost (TVO)" zwischen der B1/B5 im Bezirk Marzahn-Hellersdorf im Norden und der Straße An der Wuhlheide im Bezirk Treptow-Köpenick im Süden weiter vorangetrieben.

Was ist mit der Anbindung ans Umland?
Die Trassenkorridore, die die Innenstadt mit den äußeren Bezirken verbinden (radiale Korridore), bieten sich für eine Weiterführung in das Umland an. Im Rahmen der Machbarkeitsuntersuchung soll auch ein Anschluss an die Radverkehrsanlagen der Umlandgemeinden in Brandenburg und an Fernradwege sichergestellt werden. Erste Gespräche mit den Zuständigen aus Brandenburg laufen bereits.
Was wird aus der Stammbahn-Trasse?
Für den Trassenkorridor, der auf den stillgelegten Gleisen der Potsdamer Stammbahn verlaufen soll, wurde nach Auftrag des Abgeordnetenhauses -unabhängig von der Potenzialbewertung- die Machbarkeit einer Radschnellverbindung untersucht.

Das Ergebnis dieser Untersuchung zeigt deutlich, dass die Radschnellverbindung auf dieser Trasse nicht wirtschaftlich ist. Dies begründet sich darüber, dass bei der Bewertung davon ausgegangen werden musste, dass die Trasse nach dem heutigen Stand nach einem bis zu fünf Jahre andauernden Planungs- und Umsetzungszeitraum lediglich für zehn Jahre für den Radverkehr zur Verfügung stehen würde. Danach müsste diese dann wieder zurück gebaut werden, um dann die Maßnahmen für die Wiederinbetriebnahme des Bahnverkehrs vorbereiten und einleiten zu können. Eine Amortisierung der Kosten der Radverkehrsanlage innerhalb des Trassenkorridors Potsdamer Stammbahn ist somit nicht möglich.