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Fragen und Antworten

Waldwirtschaft / Waldbewirtschaftung


Foto Waldwirtschaft und Waldbewirtschaftung; Quelle / Fotograf: Berliner Forsten / Thorsten Wiehle
Foto: Berliner Forsten / Th. Wiehle

Was bedeutet naturnahe Waldwirtschaft?

Die Berliner Forsten pflegen den Wald so, dass er die Vielfalt seiner Leistungen nachhaltig erbringen kann. Naturgemäße Waldbewirtschaftung bedeutet bei den Berliner Forsten vor allem:
  • keine Kahlschläge,
  • die natürliche Aussaat von Bäumen und Sträuchern hat Priorität,
  • kein Einsatz von Pestiziden und Pflanzenschutzmitteln,
  • bodenschonende Arbeitsverfahren, zum Beispiel durch den Einsatz von Rückepferden,
  • Erhalt von Tot- und Biotopholz (das heißt auch Erntereste verbleiben als Nährstoffquelle nach einer Durchforstung an Ort und Stelle, um als Grundlage für die weitere Bodenbildung zu dienen,
  • Förderung heimischer Baum- und Straucharten,
  • Entwicklung von Mischwäldern,
  • waldverträgliche Wildtierbestände werden angestrebt,
  • stabilitäts-, vitalitäts- und qualitätsorientierte Pflege der Waldbestände.
    Seit 2002 garantiert die Zertifizierung durch den Forest Stewardship Council (FSC) und den Naturland-Verband die nachhaltige, ökologische Bewirtschaftung der Berliner Wälder. Die Einhaltung der Zertifizierungsstandards wird jährlich durch unabhängige Gutachter/innen überprüft.

Holzernte - Wieso werden Bäume gefällt?

Holz ist ein Multitalent. Es findet überall Verwendung:
  • im Bauwesen,
  • in der Möbelproduktion,
  • in der Papierherstellung.
Aufgrund seiner Eigenschaften (bei gleicher Tragfähigkeit ist es leichter als Stahl, es hat annähernd die gleiche Druckfestigkeit wie Beton, es kann zusätzlich Zugkräfte aufnehmen und ist ein sehr guter Isolator) ist Holz aus unserem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken.
Als regionales Produkt ist Holz weit umweltverträglicher als aus fernem Plantagenanbau oder aus unkontrollierten/illegalen Rodungen importierte Rohstoffe. Bei heimischem Holz wird eine nachhaltige Nutzung garantiert. Zusätzlich ist das einzelstammweise und eben nicht flächige Fällen von Bäumen wesentlich für die Entwicklung stabiler und vielfältiger Wälder. Durch die planmäßige und zielorientierte Holzernte wachsen stabile Mischwälder heran, die der Erholungsnutzung dienen und weitere wertvolle Leistungen für die Stadt erbringen (etwa nutzbares Trinkwasser).

Wie verhalte ich mich bei Fällungen?

Die Berliner Forsten bitten Waldbesucherinnen und -besucher um Verständnis, falls es in ihrem Umfeld durch Baumfällungen oder Durchforstungen zu Einschränkungen kommt. Aus Sicherheitsgründen müssen während der Baumfällarbeiten zeitweise Wege oder Waldabschnitte gesperrt werden. Bitte meiden Sie die Orte, an denen wir den Wald von morgen für Sie gestalten und gleichzeitig den nachwachsenden Rohstoff Holz ernten, weiträumig. Es besteht Lebensgefahr.

Was geschieht mit Waldwegen nach einer Durchforstung?

Unmittelbar nach Erntemaßnahmen sind Schäden an Waldwegen - insbesondere bei milden Temperaturen und regnerischem Wetter - möglich.
Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass durch gute Planung und geeignete Arbeitsverfahren Schäden am Wald und den darin arbeitenden oder sich erholenden Menschen auf ein Minimum reduziert werden können. Nach einer Durchforstung und anschließenden Abfuhr des geernteten Holzes werden die beanspruchten Waldwege durch die Mitarbeitenden der Berliner Forsten so schnell wie möglich für die Erholungsnutzung wiederhergestellt.

Warum sieht der Wald so "unordentlich" aus?

Nach der Durchforstung bietet sich den Erholungssuchenden tatsächlich oft der Eindruck eines "verwüsteten" und unaufgeräumten Waldes. Holzstapel, Kronenmaterial und frische Schnittstellen an den Baumstubben fallen ins Auge.
In den bearbeiteten Waldflächen verbleiben Baumkronen und andere Resthölzer im Interesse des Nährstoffkreislaufs und als wichtiges Lebensraumangebot für Kleinstlebewesen am Waldboden liegen.
Durch diese "Unordnung" wird die Biodiversität unserer Wälder gefördert. Biotopbäume und Totholz leisten einen wichtigen Beitrag zur Förderung und Sicherung von Vorkommen gefährdeter Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. Die Anzahl von Biotopbäumen sowie der Anteil an stehendem und liegendem Totholz – insbesondere stärkerer Dimensionen – soll deshalb weiter erhöht werden und Baumkronen und andere Resthölzer verbleiben im Wald.

Darf ich im Wald (Kamin)holz sammeln? Wenn ja wieviel?

Brennholz oder Kaminholz ist ein nachgefragtes und beliebtes Produkt. Da Wälder in Deutschland stets im Besitz von Ländern, Gemeinden oder anderer Körperschaften sind, zu einem erheblichen Teil aber auch Privatpersonen gehören, ist die Nutzung des Rohstoffes Holz nicht kostenlos und nur mit Genehmigung möglich. In Berlin sind die 28 Revierförstereien der Berliner Forsten Ansprechpartner/innen, wenn es um Brennholz geht. Dort bekommen Sie auch für 5–10 € den sogenannten Raff- und Leseholzschein. Dieser berechtigt Sie dann, einen Monat lang, in dem von dem Revierförster oder von der Revierförsterin zugewiesenen Gebiet Reisig und Zweige bis maximal 7 cm Durchmesser zu sammeln.

Gilt die Genehmigung auch für das Fällen von Bäumen?
Ein Raff- und Leseholzschein erlaubt nur das Sammeln von Holz. Selbst Bäume zu fällen, ist dagegen nicht zulässig, da dafür ein geschulter Umgang mit der Motorsäge unabdingbar ist. Wenn Bäume gefällt werden müssen, übernehmen Forstwirtinnen und Forstwirte diese Aufgabe daher meist selbst.

Möchten Sie selbst zur Motorsäge greifen, um im Wald Baumkronen und liegende Baumstämme zu Brennholz zu verarbeiten, brauchen Sie eine weitere Genehmigung. Diese bekommen Sie ebenfalls bei der Revierförsterei, wenn Sie folgende Voraussetzungen erfüllen:
  • Sie müssen mindestens 18 Jahre alt sein.
  • Sie müssen an einem zertifizierten Motorsägenkurs teilgenommen haben.

Eine Übersicht von Anbietern und Terminen für diese Kurse finden Sie unter:
www.motorsaegenkurs.de

Der Motorsägenführerschein kann alternativ durch den Nachweis einer entsprechenden forstwirtschaftlichen Ausbildung oder einer langjährigen Tätigkeit in der Holzernte ersetzt werden. Da die Nachfrage nach Brennholz groß ist, wenden Sie sich bitte rechtzeitig an die zuständige Revierförsterei. Es besteht auch die Möglichkeit, Brennholz aus den FSC und Naturland zertifizierten Wäldern Berlins zu kaufen (1 m lang und noch nicht getrocknet!). Sie erreichen die zuständigen Revierförsterinnen und –förster zu den Sprechzeiten jeweils dienstags von 14 bis 18 Uhr.

Darf ich Blumen und Grün aus dem Wald mitnehmen?

Rechtlich gilt die sogenannte "Handstraußregelung". Das Sammeln von Pilzen, Beeren und anderen Früchten ist in geringer Menge für den eigenen Bedarf gestattet.
In Berlin aber kommen schnell Tausende von Naturliebhabern auf diese Idee und spätestens dann wird es zum Problem für den Wald. Unsere Bitte daher: Lassen Sie Blüten und Zweige im Wald und genießen Sie sie dort.
Fragen Sie in den Berliner Revierförstereien nach legalen Möglichkeiten, Waldgrün, das bei der Waldpflege anfällt, zu beziehen.

Wer kümmert sich um Müll im Wald?

Bitte helfen Sie im Interesse Aller, unseren Wald als Erholungsort sauber zu halten. Bitte nehmen Sie Ihre Abfälle zur nächsten Mülltonne am Waldrand oder an der Straße mit. Wildtiere werden durch intensiven Essensgeruch von Abfällen schnell angezogen und durchwühlen den Müll. Hierbei kann es bei den Tieren zu Schnittverletzungen an scharfkantigen Gegenständen kommen.
Seit 2015 gibt es eine Zusammenarbeit mit den Berliner Stadtreinigungsbetrieben (BSR), die sich an ausgewählten, stark frequentierten Waldgebieten um die Müllentsorgung kümmern. Die Entsorgung von Gartenabfällen im Wald ist verboten und wird mit Verwarnungs- oder Bußgeldern bis zu einer Höhe von 10.000 € geahndet. Pflanzliche Abfälle können im eigenen Garten oder durch entsprechende Entsorgungsunternehmen kompostiert werden.