Verkehr  
 

Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur

Straßenbäume und Radwege


Wir arbeiten gezielt daran, dass Berlin fahrradfreundlicher wird. Neue Radverkehrsanlagen, geschützte Radfahrstreifen und Radschnellverbindungen werden perspektivisch in der Stadt umgesetzt.

Dafür sind mitunter umfangreiche Baumaßnahmen notwendig, manchmal wird aber auch im Rahmen einer anderen Maßnahme die Radverkehrsanlage saniert oder ausgebaut. In diesem Zusammenhang kommt es auch immer wieder zur Fällung von Bäumen.

Die folgenden Fragen und Antworten sollen helfen, die Debatte darüber zu versachlichen.

Warum bauen wir Radwege, Busspuren, Gehwege oder neue Leitungen?
Die Stadt lebt und wächst, sie atmet und gedeiht mit ihren zahlreichen Nutzungen.

Ziel der Planung und Sortierung der öffentlichen Infrastruktur ist, wie im Mobilitätsgesetz beschrieben:
“Die Bewahrung und Weiterentwicklung eines auf die Mobilitätsbedürfnisse in Stadt und Umland ausgerichteten und dabei stadt-, umwelt- sowie klimaverträglich ausgestalteten, sicheren, barrierefreien Verkehrssystems als Beitrag zur individuellen Lebensgestaltung und zur inklusiven Lebensraumgestaltung sowie als unverzichtbarer Bestandteil einer funktionierenden zukunftsfähigen Metropolregion. Damit soll für alle Personen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben abgesichert werden.”

Mobilität gilt für alle.
Müssen wegen Radwegen Bäume gefällt werden?
Die Fällung gesunder Bäume ist grundsätzlich die letzte Möglichkeit im Rahmen der Radwegesanierung oder der Neuanlagen von Radverkehrsanlagen. Wenn Fällungen doch unvermeidlich sind, werden den jeweiligen Bezirksämtern selbstverständlich adäquate Ersatzpflanzungen finanziert. Meist geht es dabei nicht um ganze Baumreihen, sondern um ein oder zwei Einzelbäume, die besonders ungünstig stehen. Zweistellige Zahlen sind bei Fällungen für Radverkehrsmaßnahmen die absolute Ausnahme.

Wenn Bäume gesund und erhaltenswert sind, wird grundsätzlich nur in seltenen Ausnahmefällen eine Lösung gewählt, die deren Fällung erfordert. Dafür sorgen schon die Bezirksämter, die Baumfällungen nur nach sehr gründlicher Prüfung zustimmen. An vielen Straßen scheiden Radwegelösungen wegen schützenswerter Baumreihen aus; hier werden auch künftig die erhaltenswerten Bäume Vorrang vor der Schaffung einer Radverkehrsanlage im Seitenraum haben müssen.

Für die Markierung von Radfahr- und Schutzstreifen, die Einrichtung von Geschützten Radfahrstreifen und die neu geplante Grün-Markierung von Radfahr- und Schutzstreifen müssen keine Bäume gefällt werden.

Ausnahmen kann es vereinzelt bei komplexeren Maßnahmen dieser Art geben, wenn punktuell an Knotenpunkten Fahrbahnaufweitungen erforderlich werden und dabei einzelne Bäume im Wege sind. Diese Fälle sind aber sehr selten und betreffen meist nur ein oder zwei Bäume.

In den Fällen, wenn bauliche Radwege neu angelegt, verbreitert oder saniert werden und Bäume betroffen sind, müssen zunächst einmal in enger Abstimmung mit dem betroffenen Straßen- und Grünflächenamt alle Möglichkeiten geprüft werden, um die Bäume zu schützen und zu erhalten. Zunächst wird versucht, durch Abrücken der Radwege von den Bäumen oder auch durch Wahl einer anderen Führungsform (zum Beispiel Radfahrstreifen statt Radweg) den Interessen des Baumschutzes und des Radverkehrs gerecht zu werden. Leider ist das wegen der oft beengten örtlichen Verhältnisse nicht immer möglich.

Wenn es bei baulichen Radwegen im Einzelfall zu Fällungen kommen muss, soll die Bevölkerung frühzeitig und transparent durch die Straßen- und Grünflächenämter von den Planungen informiert und mit einbezogen werden. Es muss hier stets ein grundlegender Abwägungsprozess erfolgen. Es muss hier geprüft werden, ob und wo nachgepflanzt bzw. neugepflanzt werden kann. Die Finanzierung der Neupflanzungen erfolgt dann im Rahmen der Maßnahmefinanzierung aus Radverkehrsmitteln.

Nicht nur bei Neubaumaßnahmen, auch bei Folge-Bauabschnitten (wie in der Stahlheimer Straße in Pankow) und bei Sanierungen müssen AnwohnerInnen frühzeitig, sowohl online als auch vor Ort, informiert werden.

Beispiel: Heerstraße


Im Bezirk Spandau stehen an der Heerstraße zwischen Freybrücke und Stößenseebrücke Sanierungsarbeiten der beschädigten Geh- und Radwege und der barrierefreie Ausbau von Bushaltestellen an. In diesem Zuge wird der Radweg von 1 m auf 1,60 m verbreitert. Zukünftig wird ein durchgängiger Grünstreifen die Wege begleiten und es werden zusätzliche Nistmöglichkeiten im verbleibenden Gehölzbestand geschaffen.

Weil durch die Sanierung die Statik im Wurzelraum der Bäume stark beeinträchtigt wird, werden bis Ende Februar 2018 Baumfällungen durchgeführt. Betroffen sind 61 Straßenbäume, vorwiegend Platanen.

Da vor Ort zu wenig Platz für neue Straßenbäume ist, ist eine Neupflanzung von 92 Bäumen entlang des Bullengrabens vorgesehen und wird im Frühjahr 2018 erfolgen.
Sind die Radwege bei Straßenerneuerungen immer der Grund Bäume zu fällen?
Beschädigungen und Fällungen auf Grund von Leitungsarbeiten, Straßensanierungen, der Erhalt von Parkplätzen, Umbauten im Zusammenhang mit Anpassungen von Ampeln, Einbauten von U-Bahnaufzügen oder Errichtung von Querungshilfen für Fußgänger sind oft der eigentliche Grund für die Baumfällungen, auch wenn gleichzeitig mit diesen umfassenden Umbaumaßnahmen auch Radverkehrsanlagen geschaffen oder verändert werden.

Straßensanierungen sind in der Regel sehr komplex. Alte Straßen haben alte Leitungen, die bei Straßensanierungen in den meisten Fällen mit saniert werden. Wenn dabei auch Regenwasser- und/oder Abwasserkanäle erneuert oder gar neu gebaut werden müssen, weil sie noch gar nicht vorhanden sind, werden die Straßen etwa 1,5 m tief ausgeschachtet. Diese tiefen Grabungen finden im Wurzelbereich der Bäume statt. Wurzeln müssen gekappt werden, die Bäume verlieren dadurch ihre Standfestigkeit.

Auch Arbeiten näher an der Oberfläche können Bäume so schädigen, dass sie nicht mehr erhalten werden können.

Beispiel: Kastanienallee, Rosenthal


Im Bezirk Pankow wird der Bezirk die Kastanienallee in Rosentthal sanieren und sie wieder in einen funktionstüchtigen und verkehrssicheren Zustand zu versetzen. Im Zuge der Sanierung wird unter anderem der fehlende Regenwasserkanal neu gebaut. Der Straßenbaumbestand (Kastanien, Robinien, Linden, Weiden) ist stark geschädigt. Die Kastanien sind lt. Baumkataster in der Nachkriegszeit gepflanzt worden. Infolge der unterschiedlichen Schnittmaßnahmen weisen die Bäume Einfaulungen im Stamm- und Kronenbereich auf.
Um den Anforderungen an eine verkehrssichere Verkehrsanlage gerecht zu werden, wird der Knotenpunkt Kastanienallee/Schönhauser Straße im Zuge der Erneuerung der Kastanienallee barrierefrei ausgebaut, indem Querungshilfen (Mittelinseln) für den Fußgängerverkehr in den einmündenden Straßen angelegt werden. Nach der Sanierung soll ein von AnwohnerInnen lang geforderter beidseitiger Radfahrstreifen angelegt werden.

Im Rahmen der umfangreichen Leitungsarbeiten müssen 90 Bäume gefällt werden, hiervon 60 Kastanien und 30 andere Bäume (Robinien, Linden, Weiden). Im Zuge der Straßensanierung werden 52 Kastanien gepflanzt.
Was sind weitere Gründe für Fällungen von Straßenbäumen?
Ein Straßenbaum ist ein Lebewesen. Jedoch hat ein Straßenbaum eine deutlich reduzierte Lebensdauer aufgrund der Lebensbedingungen in der Stadt: Was den Baum in seiner Entfaltung in der Stadt einschränkt sind unter anderem zu kleine Baumscheiben, viele Baumaßnahmen (U-Bahn-Sanierung, Bau von Busspuren und Gehwegen) während der letzten Jahrzehnte oder der winterliche Salz-Einsatz. Auch Alter, Sturmschäden oder Krankheiten wie Fäulnis beeinträchtigen die Standfestigkeit und lassen den Baum nicht mehr verkehrssicher stehen.

Beispiel: Weigandufer Neukölln


Hier kam es zu Fällungen von überaus großen Bäumen mit Stammumfängen von teilweise fast 3 m. Die Fällungen waren zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit notwendig. Im Zusammenhang mit den Sturmereignissen im letzten Herbst waren nämlich in dem Bereich bereits 2 gleichartige Bäume umgefallen, die dann mit extrem hohem Aufwand aus dem Neuköllner Schifffahrtskanal geborgen werden mussten. Bei der anschließenden Kontrolle der nun gefällten Bäume hat sich herausgestellt, dass diesean Stockfäule erkrankt waren. Auch wenn es wirklich sehr schade um diese Bäume ist, mussten sie gefällt werden, um insbesondere zu verhindern, dass Menschen zu Schaden kommen.
Was tun wir, um Straßenbäume nachzupflanzen?
Werden bei Radverkehrsmaßnahmen Bäume gefällt, werden Nachpflanzungen an geeigneter Stelle in der Regel im Rahmen des Bauvorhabens aus Radverkehrsmitteln finanziert, wobei oft auch mehr Bäume neu gepflanzt werden als gefällt werden mussten. Zudem stehen Mittel zur nachhaltigen Stärkung des Berliner Baumbestandes in Höhe von jeweils 3 Mio. Euro für die Jahre 2018 /2019 zur Verfügung, insgesamt also 6 Mio. Euro. Wir stehen in engem Austausch mit den Bezirken (Straßen- und Grünflächenämter), um sicherzustellen, dass die Mittel entsprechend verteilt werden und abfließen. Diese Mittel sollen eingesetzt werden für die Finanzierung gesamtstädtisch bedeutsame Maßnahmen zur nachhaltigen Stärkung des Baumbestandes vor dem Hintergrund der durch den Klimawandel bedingten Witterungsereignisse. Die Ausgaben sind insbesondere für folgende Maßnahmen vorgesehen:
  • Nachpflanzung von Bäumen, die aufgrund klimawandelbedingter Einflüsse abgängig sind
  • Pflegemaßnahmen zur Verbesserung des Baumbestandes
  • Sanierung von Baumstandorten (Bodenaustausch und -verbesserung)
Darüber hinaus stehen Mittel in Höhe von rd. 2,2 Mio. Euro pro Jahr für die Stadtbaumkampagne im Rahmen der Strategie Stadtlandschaft zur Verfügung. Die Mittel der Strategie Stadtlandschaft wurden im Zuge der Verhandlungen über den Doppelhaushalt erheblich aufgestockt.

Die Stadtbaumkampagne


Seit Beginn der Stadtbaumkampagne wurden in den Bezirken über 7.500 Bäume gepflanzt, weit über 900.000 € an Spenden sind für die Kampagne eingegangen, rd. 10 Mio. € wurden seit 2012 aus Landesmitteln dafür verwendet.

Die derzeitige Projektvereinbarung zwischen der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und den 12 Bezirken gilt bis zum Jahr 2021.

Die Steuerung der Stadtbaumkampagne erfolgt durch eine Projektgruppe, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und der Bezirke. Die Bezirke benennen jeweils die Standorte und die Baumarten. Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz beauftragt die ausführenden Firmen, den / die Landschaftsarchitekten/- architektin und den/die Baumsachverständigen/-sachverständige. Interessierte Spendende können auf einer interaktiven Karte oder anhand von Listen auswählen, für welchen Standort sie spenden möchten.

 

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