Umwelt  

 

Wasser und Geologie

FAQ zur vorläufigen Sicherung von Überschwemmungsgebieten in Berlin


Allgemein


1. Warum werden Überschwemmungsgebiete ausgewiesen?

Die Ausweisung von Überschwemmungsgebieten ist ein wesentliches Instrument der Hochwasservorsorge und des Hochwasserschutzes. Die Ausweisung und Bekanntmachung soll das Bewusstsein für mögliche Hochwassergefahren fördern. In Überschwemmungsgebieten gelten eine Reihe besonderer Schutzvorschriften und Restriktionen, die u.a. gewährleisten sollen, dass das Schadenspotential beispielsweise durch die Errichtung neuer Gebäude nicht erhöht wird, das Was-ser frei abfließen kann und Retentionsraum nicht verloren geht.

Der Gesetzgeber hat die Länder im Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) vom 31. Juli 2009 zur Ausweisung von Überschwemmungsgebieten verpflichtet. Das WHG schreibt vor, innerhalb der Risikogebiete die Gebiete als Überschwemmungsgebiet festzusetzen, in denen ein Hochwasserereignis statistisch einmal in 100 Jahren (100-jährliches Ereignis) zu erwarten ist.

2. Warum werden Überschwemmungsgebiete vorläufig gesichert?
Nach § 76 Absatz 3 des Wasserhaushaltsgesetzes sind noch nicht festgesetzte Überschwemmungsgebiete vorläufig zu sichern. Die im Land Berlin gelegenen Überschwemmungsgebiete wurden durch Verfügung vom 11.01.2013 vorläufig gesichert (siehe vorläufig gesicherte Überschwemmungsgebiete).
3. Wie ist der Ablauf bis zur Festsetzung der Überschwemmungsgebiete?
Die Festsetzung der Überschwemmungsgebiete ist ein mehrstufiges Verfahren, welches folgende Schritte beinhaltet:
4. Welche Überschwemmungsgebiete wurden vorläufig gesichert?
Gebiete der Erpe, Müggelspree mit Gosener Wiesen, Panke, des Tegeler Fließes, der Unteren Havel mit Tiefwerder Wiesen und Breitehorn wurden als Überschwemmungsgebiete ermittelt und vorläufig gesichert (siehe vorläufige Sicherung der Überschwemmungsgebiete in Berlin)
6. Welchen Anteil haben die vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebiete am gesamten Berliner Stadtgebiet?
In Berlin ist eine Fläche von insgesamt 7,9 km² als Überschwemmungsgebiet vorläufig gesichert. Dies entspricht etwa einem Anteil von 1 % der Gesamtfläche Berlins. Die Nutzung dieser Flächen teilt sich folgendermaßen auf:
  • Zusammenhängende Wiesen, Wälder und Landwirtschaftliche Flächen: 71 % (bezogen auf Fläche der Überschwemmungsgebiete)
  • Kleingartenanlagen, Naherholungsgebiete: 5 %
  • Wohngebiete, Gewerbegebiete, Mischgebiete: 24 %
(je nach Berechnungsansatz sind Abweichungen möglich)
7. Kann es überhaupt Hochwasser in Berlin geben?

Ja. In der Vergangenheit sind Ausuferungen auch in Siedlungsgebieten aufgetreten. So wurde beispielsweise am 09.01.1975 ein Wasserstand von 32,730 NHN+m am Pegel Köpenick gemessen (Mittelwasserstand 32,388 NHN+m). Dieses Hochwasserereignis führte zu dokumentierten Schäden u.a. in Neu Venedig und Hessenwinkel. Ein aktuelleres Hochwasserereignis mit Schäden ereignete sich am 30.07.2011 an der Erpe in Berlin-Köpenick. Auch in anderen Gebieten sind reale Hochwasserschäden aufgetreten. Sofern in Teilgebieten noch keine Hochwasserereignisse dokumentiert sind, ist dies kein Beleg für eine Unbedenklichkeit.

Durch mögliche Klimaveränderungen sind zunehmende Hochwassergefahren nicht auszuschließen.

8. Warum ist mein Grundstück betroffen, das Nachbargrundstück jedoch nicht?
Zur Ermittlung der Überschwemmungsgebiete wurde durch Ausspiegelung der Wasserspiegellage eine Wasseroberfläche abgeleitet und anschließend mit dem aktuellen Digitalen Geländemodell (ATKIS DGM2) verschnitten (vgl. Fragen 11 bis 13). Hieraus erhält man als Ergebnis die Grenzen des Überschwemmungsgebietes. Durch topografische Gegebenheiten können einzelne Flächen Teil des Überschwemmungsgebietes sein, angrenzende Bereiche nicht, da sie entsprechend des Geländemodells höher gelegen sind.
9. Wie können die Karten der Überschwemmungsgebiete eingesehen werden, wenn kein Internetzugang vorhanden ist?

Während der öffentlichen Auslegung können die Unterlagen in der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Abteilung II, Zimmer 2.021, Brückenstraße 6, 10179 Berlin, während der Dienststunden Montag bis Donnerstag von 9 bis 15 Uhr und Freitag von 9 bis 14 Uhr eingesehen werden.

Ansonsten können die Verfügung und die Karten bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in der Brückenstraße 6, 10179 Berlin nach Vereinbarung eingesehen werden. Kontakt: Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, II B 2, Brückenstraße 6, 10179 Berlin Geologie (Tel.: 030/9025-2047 oder Tel.: 030/9025-2040).

10. Auf welcher rechtlichen Grundlage werden Überschwemmungsgebiete in Berlin vorläufig gesichert und festgesetzt?
Nach § 76 Absatz 2 Wasserhaushaltsgesetz sind innerhalb der Gebiete mit Hochwasserrisiko mindestens die Bereiche, in denen ein Hochwasserereignis statisch einmal in 100 Jahren zu erwarten ist und die der Hochwasserentlastung und Rückhaltung dienen, durch Rechtsverordnung als Überschwemmungsgebiete festzusetzen. Bis zur o.g. Festsetzung durch Rechtsverordnung sind nach § 76 Absatz 3 Wasserhaushaltsgesetz die betroffenen Bereiche zu ermitteln, in Kartenform darzustellen und vorläufig zu sichern.

Methodisches Vorgehen


11. Wie wurden die Überschwemmungsgebiete ermittelt?

Das WHG schreibt vor, innerhalb der Risikogebiete die Gebiete als Überschwemmungsgebiet festzusetzen, in denen ein Hochwasserereignis statistisch einmal in 100 Jahren (100-jährliches Ereignis) zu erwarten ist. In Berlin wurden zunächst Gebiete mit potenziell signifikantem Hochwasserrisiko nach § 73 Abs. 1 WHG als Risikogebiete festgelegt. Für diese Risikogebiete wurden gemäß § 74 WHG Hochwassergefahren- und -risikokarten abgeleitet. Die Hochwassergefahrenkarten stellen die Grundlage für die Ausweisung von Überschwemmungsgebiete (§76 WHG) dar. Auch Flächen, die der Hochwasserentlastung und der Hochwasserrückhaltung dienen, sind als Überschwemmungsgebiete zu erhalten bzw. wieder herzustellen.

Die Ermittlung des Wasserstandes für ein Hochwasser, das im statistischen Mittel einmal alle 100 Jahre auftritt, erfolgt über folgende Verfahren:

  • Pegelstatistik (Unterhavel)
  • Niederschlag-Abfluss-Modell (Hydrologisches Modell) gekoppelt mit numerisch-hydraulischem Modell (Panke, Tegeler Fließ und Erpe)
  • Hydrodynamische Modellierung (Müggelspree und Gosener Wiesen)
Zur Ermittlung der Überschwemmungsgebiete wurde durch Ausspiegelung der modellierten Wasserspiegellage eine Wassersoberfläche abgeleitet und anschließend mit dem Digitalen Geländemodell (ATKIS DGM2) verschnitten. Hieraus erhält man als Ergebnis die Grenzen der Überflutungsflächen. Diese werden in Karten mit klar erkennbaren Grundstücksgrenzen überlagert.
12. Was ist das Digitale Geländemodell (ATKIS DGM) und wie wurde es erstellt?
Als Grundlage zur Ermittlung der Überschwemmungsgebiete wurde das Digitale Geländemodell (ATKIS DGM) mit einer Auflösung von 2 Metern verwendet. Eine detaillierte Beschreibung des Digitale Geländemodell und der Erstellung finden Sie unter: Digitale Geländemodelle – ATKIS DGM. Das aktuelle Digitale Geländemodell (ATKIS DGM) wird im FIS Broker bereitgestellt.
13. Welche Unsicherheiten gibt es bei der Ermittlung von Überschwemmungsgebieten und wie wird damit umgegangen?
Im Berechnungsverfahren und in der Erfassung und Modellierung der Geländeoberfläche bestehen nicht vermeidbare Toleranzen. Zu berücksichtigen sind mögliche Abweichungen bei der Modellierung der Geländeoberflächen von ± 20 cm. Bei der Bestimmung der Wasserstände für ein 100-jährliches Hochwasser können ebenfalls Unsicherheiten in beide Richtungen auftreten, die nicht quantifiziert werden können. Es wird aber kein Sicherheitszuschlag für die Festsetzung der Hoch-wasserstände vorgenommen. Im Rahmen der vom Gesetzgeber geforderten regelmäßigen Fortschreibung und Überprüfung der Überschwemmungsgebietsausdehnung, sind auch methodische Verbesserungen - soweit verfügbar - für die Berechnungsverfahren vorzunehmen.
14. Welche Einschränkungen sind mit der Lage im Überschwemmungsgebiet verbunden?
In Überschwemmungsgebieten gelten eine Reihe besonderer Schutzvorschriften und Restriktionen, die u.a. gewährleisten sollen, dass das Schadenspotential beispielsweise durch die Errichtung neuer Gebäude nicht erhöht wird, das Wasser frei abfließen kann oder Retentionsraum nicht verloren geht. Die genauen Schutzvorschriften regelt die entsprechende Verordnung.
15. Was ist, wenn nur ein Teil des Grundstücks als Überschwemmungsgebiet vorläufig gesichert/festgesetzt wurde?

Betrifft das Überschwemmungsgebiet nur einen Teil des Grundstücks gelten die besonderen Schutzvorschriften für Überschwemmungsgebiete nur für die als solche markierten Flächen. Nicht betroffene Teilflächen können nach geltendem Baurecht bebaut werden.

Für angrenzende Gebiete mit nur geringfügigen Höhenunterschieden können aufgrund extremerer Hochwasserereignisse und auch aufgrund von grundsätzlichen Unsicherheiten bei der Ermittlung von Überschwemmungsgebieten Überflutungen nicht ausgeschlossen werden. Daher wird auch für diese Gebiete die private Hochwasservorsorge, wie beispielsweise hochwasserangepasstes Bauen, empfohlen.

16. Wie ist bei einem beabsichtigten Bauvorhaben in einem vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebiet vorzugehen?

Es ist eine Ausnahmegenehmigung bei der Wasserbehörde zu beantragen (Beantragung siehe Hinweisblatt "Vorhaben in vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebieten - Hinweisblatt -"). Bei Erfüllung verschiedener Kriterien kann durch die Wasserbehörde die Errichtung oder Erweiterung einer baulichen Anlage oder anderen unter § 78 Absatz 1 Wasserhaushaltsgesetz genannten Maßnahmen im Einzelfall genehmigt werden (vgl. § 78 Absatz 3 des Wasserhaushaltsgesetzes).