Umwelt  

 

Luftreinhalteplan Berlin 2011-2017

Die wichtigsten Ergebnisse
Situationsanalyse


Die Immissionsbelastung der Luft in Berlin wird durch kontinuierliche Messungen der Schadstoffe an ortsfesten Stationen des BLUME-Messnetzes überwacht, die verteilt an Hauptverkehrstraßen, in städtischen Wohngebieten und am Stadtrand Berlins stehen. Die aktuellen Messergebnisse werden im Internet in der Rubrik BLUME-Messnetz veröffentlicht. Bewertungen der Luftqualität werden in Monats- und Jahresübersicht und sowie unter der Rubrik langfristige Entwicklung der Luftqualität dargestellt.

Das BLUME-Messnetz wird durch das RUBIS-Messnetz durch 30 kleine Probenahmegeräte ergänzt. Diese sind überwiegend an Hauptverkehrsstraßen angebracht. Die Geräte enthalten jeweils einen Ruß-, Benzol- Immissions- Sammler (RUBIS) sowie einen Passivsammler für NO2, mit denen die Schadstoffkonzentrationen als Mittelwert über 2 Wochen mit einem vereinfachten Messverfahren bestimmt werden.

Das Bild zeigt die BLUME und die RUBIS - Messstationen mit den dort festgestellten Jahresmittelwerten für NO2 für das Jahr 2010. Alle verkehrsnahen Stationen zwischen Spandau und Köpenick weisen Jahresmittelwerte von über 50 µg/m³ bis maximal 67 µg/m³ an der Leipziger Straße auf, die Messwerte in den Wohngebieten in Schöneberg, Neukölln, Mitte und Karlshorst liegen zwischen 22 und 30 µg/m³ und in den Stadtrandgebieten zwischen 13 und 17 µg/m³
Jahresmittelwert der NO2-Konzentration µg/m³ (2010)

Die beiden obenstehenden Grafiken zeigen die Messstationen mit der Anzahl der Überschreitungstage für Feinstaub PM10 und den Überschreitungen des Jahresmittelwertes für Stickstoffdioxid (NO2) im Jahr 2010. Der Jahresmittelwert für Feinstaub PM10 (40 µg/m³) wird seit über 5 Jahren in Berlin eingehalten. Der 24-Stunden-Grenzwert für Feinstaub PM10, nach dem der Tagesmittelwert von 50 µg/m³ nicht häufiger als 35 mal im Jahr überschritten werden darf, wird in Berlin seit 2009 nicht mehr eingehalten. Auch der Jahresmittelgrenzwert für Stickstoffdioxid NO2 (40 µg/m³) wird an vielen Messstationen an Hauptverkehrstraßen immer wieder in unterschiedlicher Höhe überschritten.

Messungen sind aufwändig und teuer und können daher nicht an jeder Straße durchgeführt werden. Um flächendeckende Aussagen über die Luftqualität zu erhalten werden daher zusätzlich Modellrechnungen durchgeführt. In solche Modelle fließen die aktuellsten Verkehrszahlen und Emissionen aus unterschiedlichen Quellen sowie die meteorologischen Durchschnittswerte für Berlin ein. Damit können z.B. die Luftbelastungen in städtischen Wohngebieten oder die verkehrsbedingte Schadstoffbelastung für das gesamte Berliner Hauptstraßenverkehrsnetz ermittelt werden. Die Berechnungen an Straßen basieren für die Auspuffemissionen auf dem aktuellen Handbuch für Emissionsfaktoren des Umweltbundesamtes und für die Emissionen durch Abrieb und Aufwirbelungen auf den Ergebnissen diverser Forschungsprojekte. Die berechneten Schadstoffkonzentrationen werden mit den Messergebnissen aus dem BLUME-Messnetz verglichen.

Das Bild zeigt die modellierten PM10 - Jahresmittelwerte an den Hauptverkehrsstraßen in Berlin für das Jahr 2009. Werte von über 28 µg/m³ werden innerhalb des S-Bahnringes an allen großen Verkehrsadern simuliert. Außerhalb des S-Bahnringes werden vor allem an Hauptverkehrsstraßen in Spandau, an der Steglitzer Schlossstraße, im Bereich des Tempelhofer Damms und des Mariendorfer Damms, des Britzer Damms und im Norden entlang der Müllerstraße und der Badstraße simuliert. Überschreitungen des 24 Stunden Grenzwertes sind ab ca. 30 µg/m³ zu erwarten.
Jahresmittelwert PM10 in µg/m³ entlang der Hauptverkehrsstraßen in Berlin

Das Ergebnis der verkehrsnahen Schadstoffbelastung aus dem Jahre 2009 ist in den obigen Grafiken dargestellt. Laut Modellrechnungen waren im Jahre 2009, für das die vollständigen Emissions- und Verkehrsdaten zur Verfügung standen, über 47.700 Berliner und Berlinerinnen entlang von ca. 58 km Straßenzügen zu hohen NO2-Belastungen und über 29.800 Anwohner an 25,5 km zu hohen PM10-Belastungen oberhalb der jeweiligen Grenzwerte ausgesetzt. Die meisten Straßenzüge mit zu hohen Schadstoffkonzentrationen befinden sich im Berliner Innenstadtbereich.
Ergebnisse für die einzelnen Hauptverkehrsstraßen können dem Umweltatlas entnommen werden.

Es werden zwei Europakarten gezeigt. Auf dem linken Bild werden Städte mit Überschreitungen des PM10-Jahresmittelwertes von 40 µg/m³ in 2009 hervorgehoben. Vor allem norditalienische Städte, südpolnische Städte, Städte in der Türkei, Bulgarien und Makedonien überschreiten diesen Grenzwert. Auf dem rechten Bild werden Städte mit Überschreitungen des NO2-Jahresmittelgrenzwertes von 40 µg/m³ für das Jahr 2009 hervorgehoben. Vor allem Städte in Italien, Österreich, Deutschland, Frankreich und England weisen höhere NO2-Konzentrationen auf. Neben Lissabon, Porto in Portugal, Madrid und Barcellona in Spanien werden aber auch in skandinavischen Städten NO2-Werte von über 40 µg/m³ im Jahresmittel gemessen. Quelle: EEA (2011): Technical report, Nr 12/2011: Air quality in Europe - 2011 report, Europäische Umweltagentur, Kopenhagen
Luftgütestädtevergleich; Quelle: EEA (2011): Technical report, Nr 12/2011: Air quality in Europe - 2011 report, Europäische Umweltagentur, Kopenhagen

Die Europakarten zeigen, dass für Berlin genauso wie für viele deutsche und europäische Großstädte die Einhaltung des EU-Grenzwertes für den NO2-Jahresmittelwert eine große Herausforderung ist. Auch PM10-Überschreitungen gibt es europaweit.

Berlin hat bereits erfolgreich Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität umgesetzt. Dadurch kann Berlin heute die Grenzwerte bei Schwefeldioxid und Kohlenmonoxid um ein Vielfaches unterschreiten. Auch die Benzolbelastung im Berliner Hauptverkehrsstraßennetz ist auf ein Viertel der Werte von Anfang der 90er Jahre gesunken, sodass seit 2003 der ab 2010 einzuhaltende Benzolgrenzwert in allen Hauptverkehrsstraßen unterschritten wird.

Auf die Überschreitungen der Zielwerte für Ozon im Sommer wird im Luftreinhalteplan nicht eingegangen. Um die Ozonkonzentration zu verringern, müssen zuerst die Emissionen der Vorläufersubstanzen Stickoxide NOx und flüchtige organische Verbindungen NMVOC reduziert werden, aus denen sich Ozon bei hoher Sonneneinstrahlung in der bodennahen Atmosphäre bildet. Zudem werden die Vorläufersubstanzen über weite Strecken transportiert, sodass sich das Ozon nicht an den ursprünglich Quellorten bildet. Hierfür sind überregionale, grenzüberschreitende Maßnahmen erforderlich, für deren Entwicklung die Bundesregierung zuständig ist.

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gelten unter den organischen Verbindungen als krebserregend. Als Leitkomponente für diese Verbindungen wird Benzo[a]pyren (BaP) verwendet. Diese Stoffe entstehen überwiegend bei der unvollständigen Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Brennstoffen wie Öl, Kohle oder Holz. Ab 2013 soll ein Zielwert von 1 ng/m³ im Jahresmittel eingehalten werden. Sowohl an der städtischen Wohngebietsmessstelle in Neukölln als auch an einzelnen Straßenstationen wird der Zielwert in einzelnen Jahren noch überschritten, sodass bis 2013 noch Handlungsbedarf besteht, um die Einhaltung des Zielwertes sicher zu erreichen. Verglichen mit Werten in den 90er Jahren mit Konzentrationen von etwa 5 ng/m³ ist die Belastung durch BaP jedoch schon um etwa den Faktor 5 zurückgegangen. Ursächlich hierfür ist der weitgehende Ersatz von Kohleheizungen durch andere Heizarten, insbesondere durch Gas und Fernwärme.