Umwelt  

 

Bodenschutz / Altlasten

Sicherung des Wasserwerks Johannisthal

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Betriebsgebäude des Wasserwerks Johannisthal  
Betriebsgebäude
des Wasserwerks Johannisthal
Foto: BWB

Nutzungsgeschichte

Die Wasserläufe Spree und Dahme sowie der Britzer Zweigkanal und der Teltowkanal umrahmen das Einzugsgebiet des Wasserwerkes Johannisthal. Im Jahre 1901 wurde das Wasserwerk mit 26 Förderbrunnen und zwei Heberleitungen schrittweise in Betrieb genommen. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts waren weit als 100 Förderbrunnen, primär Heberleitungsbrunnen in Betrieb. Für das Wasserwerk wurde ein Grundwasservorrat (Q365) von 65.000 m³ pro Tag bilanziert. Diese Wassermenge ist ausreichend, um über 300.000 Einwohner Berlins mit Trinkwasser zu versorgen. Auf Grund sinkenden Wasserbedarfs verringerte sich die Grundwasserförderung der Wasserwerksgalerien in den Nachwendejahren deutlich.

 

2001 wurde die Trinkwassergewinnung vorübergehend eingestellt. Der Zeitpunkt der Wiederaufnahme der Trinkwassergewinnung ist gegenwärtig nicht vorhersehbar. Bis zum Wasserwerksneubau, einschließlich der technischen Infrastruktur (Brunnen, Leitungen) erfolgt die Grundwasserförderung unter der Zielsetzung der Altlastensanierung und der Gewährleistung eines umwelt- und siedlungsverträglichen Grundwasserstandes.

Dabei werden ca. 25.000 m³ Grundwasser pro Tag durch ca. 18 eigenbewirtschaftete Brunnen sowie 5 Abwehrbrunnen gefördert und das gereinigte Wasser in die Vorflut abgeleitet (Stand 2015). Gesetzliche Grundlage hierfür ist das Wasserhaushaltsgesetz, das Bundes-Bodenschutzgesetz und die "Grundwassersteuerungsverordnung" des Landes Berlin.


Schadenssituation

Im Einzugsgebiet des Wasserwerks stellen im Wesentlichen die Einträge von Arsen, Cyaniden sowie LCKW aus Altlastengrundstücken und Pflanzenschutzmitteln aus dem Uferfiltrat des Teltowkanals eine akute Gefahr für die Rohwassergüte der Förderbrunnen dar. Erstmals wurde 1991 im Reinwasser des Wasserwerks eine erhebliche Verunreinigung mit LCKW festgestellt.


anströmende Schadstofffahnen aus Altlasten-Standortenanströmende Schadstofffahnen aus Altlasten-Standorten
Standort des Wasserwerks Johannisthal, anströmende Schadstofffahnen aus Altlasten-Standorten und Abwehrbrunnen zur Fahnensanierung

Der Schadstofftransfer zur Fördergalerie "Neue Königsheide" (NKH) erfolgt ausgehend von einem Standort ehemaliger Farbenproduktion sowie einem Standort zur Herstellung technischer Gase. Die Belastungen erstrecken sich im Hauptgrundwasserleiter über eine Mächtigkeit von mehr als 30 m. Quelle für die Schadstofffahne zum nördlichen Teil der Galerie „Alte Königsheide“ (AKH) sind primär Betriebe der metallverarbeitenden Industrie. Nutzungstypisch gelangten chlorierte Kohlenwasserstoffe ins Grundwasser und strömten den Förderbrunnen lateral zu. Der östliche Anstrom zum Wasserwerk Johannisthal ist ebenfalls durch das Auftreten chlorierter Lösemittelverbindungen im Grundwasserleiter geprägt. Verantwortlich für die LCKW-Einträge sind 3 Hauptemittenten des Motoren- und Kühlaggregatebaus, der Medizintechnik und ein Bahnreparaturwerk. Das östliche Transfergebiet weist das mit Abstand höchste Schadstoffpotential aus. Das in der horizontalen Ausdehnung deutlich größere kontaminierte Transfergebiet weist in Wasserwerksnähe fast ausschließlich die biotischen Abbauprodukte cis-1,2-Dichlorethen und Vinylchlorid auf. Der Teltowkanal ist hydraulisch an den genutzten Aquifer des Wasserwerks angebunden. Im Sediment lagernde Organochlorpestizideund ihre Metabolite wurden sukzessive mit dem Uferfiltrat in Richtung der Teltowkanalgalerie transportiert. Westlich des Wasserwerkes, ca. 300 m südlich des Zusammenflusses von Teltowkanal und Britzer Zweigkanal befindet sich ein LCKW-Schaden (Bodenfilter, BAB 113), der sich jedoch nur mit geringen Konzentrationen an VC dem Transfergebiet des Wasserwerkes mitteilt.

Seit 1993 werden am Standort seitens der für die Umwelt zuständigen Senatsverwaltung Gefahrenabwehrmaßnahmen durchgeführt mit dem Ziel der Minimierung der Schadstoffpotentiale, die sich im direkten Anstrom auf das Wasserwerk Johannisthal befinden.

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