Umwelt  

 

Bodenschutz / Altlasten

Gaswerk Ernst-Thälmann-Park


Nutzungsgeschichte

Haupteingang des Gaswerks Dimitroffstraße in den 1970er Jahren
Haupteingang des Gaswerks Dimitroffstraße in den 1970er Jahren
aus Broschüre "Ernst-Thälmann-Park 1983-1986";
Baudirektion Hauptstadt Berlin des Ministeriums für Bauwesen der DDR

Im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg befindet sich der etwa 24 ha große Ernst-Thälmann-Park.

1872 entstand hier das fünfte Berliner Städtische Gaswerk. Neben Gas wurden Koks und die üblichen Nebenprodukte wie Teer, Schwefel und Ammoniak hergestellt. Das Produktionsprofil erweiterte sich durch die 1915 gebaute Benzolanlage, welche durchgängig hohe Mengenumsätze erwirtschaftete.

Im Verlauf der Jahrzehnte folgten zahlreiche Um- und Anbauten am Gebäude- und Anlagenbestand. Im Ergebnis des Zweiten Weltkrieges war ein beträchtlicher Teil des Geländes beschädigt oder zerstört. Aufgrund des immer desolateren Zustandes der Anlagentechnik ließ sich die Produktion nicht mehr aufrechterhalten.

Mit dem politischen Beschluss, hier ein Wohngebiet zu errichten, begann 1982 der schrittweise Abriss. Die technisch aufwändigen Baumaßnahmen vollzogen sich unter starken zeitlichen Druck. Das aus Wohngebäuden, öffentlichen Grünflächen, Sport- und Freizeitanlagen angelegte Wohngebiet wurde 1986 eingeweiht.

 

Schadenssituation

Ausschnitt durchgeführter Erkundungsmaßnahmen von 1991 bis 2011
Ausschnitt durchgeführter Erkundungsmaßnahmen
von 1991 bis 2011; ©RAUCH CONSULT

Es ist davon auszugehen, dass vor allem in der Betriebszeit des Gaswerkes große Mengen an Schadstoffen in den Untergrund gelangten. Im Fokus der Betrachtungen steht die ehemalige Benzolanlage im südlichen Teil des Geländes. Zu anderen gefahrenträchtigen Anlagenkomponenten gehörten die Gasgeneratorenanlage, die Teerbecken, die Ofenblöcke und die Gasometer. Die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg sowie der unsachgemäße Umgang mit Schadstoffen im Produktionsprozess und beim Abriss haben zu einer hohen Kontaminierung beigetragen.

Nachdem beim Gesundheitsamt zu Beginn der 1990er Jahre vermehrt Klagen der Anwohner über gesundheitliche Beeinträchtigungen eingingen, begann 1991 ein umfangreiches Untersuchungsprogramm, welches fortwährend bis in die Gegenwart durch die verschiedensten Erkundungstechniken erweitert wurde. Die Untersuchungen erbrachten sehr hohe Schadstoffkonzentrationen im Boden und Grundwasser an Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW), Monoaromatische Kohlenwasserstoffen (BTEX), Phenolen, Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffen (PAK) und Cyaniden. Zudem war die Bodenluft durch leicht flüchtige Stoffgruppen wie BTEX und Naphthalin kontaminiert. Der Schwerpunkt der Belastungen lag in Tiefen bis etwa 4 m unter Gelände. Das gut lösliche Benzol breitete sich jedoch deutlich weit reichender über eine Fahnenlänge von mehr als 250 m und eine Tiefe von bis zu 40 m unter Gelände aus.

 

Sanierungsmaßnahmen zur Gefahrenabwehr

Auf Forderung der Bodenschutz- Altlastenbehörde und mit Finanzmitteln des Landes Berlin wurden zwischen 1991 und 1994 drei Bodenluftabsauganlagen betrieben, eine weitere Anlage dieser Art bis 2009, zwischen 1994 und 1996 folgte der Bodenaustausch auf einer Grundfläche von 2.000 m2 bis in die Tiefe von 4 m. Durch die technisch anspruchsvolle Bodensanierung, die ein hohes Maß an Arbeits- und Emissionsschutz erforderte, wurden 7.100 t hoch belasteter Boden, 110 t Bauschutt/Öl, 4.000 l Teeröl aus Absetzbecken, diverse mit Schadstoffen gefüllte Rohrleitungen, Schächte und Fundamente sowie 68 t abgepumpte Flüssigkeiten entfernt.

Durch die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen, insbesondere durch den Bodenaushub und die Bodenluftabsaugung, kann eine Gefährdung für die sensiblen Nutzungen des Ernst-Thälmann-Parks als Wohngebiet ausgeschlossen werden. Kontinuierliche Messungen der Bodenluft und der obersten Bodenschicht dokumentieren diese Bewertung.

 

Sicherungsmaßnahmen

Grundwasserreinigungsanlage
Grundwasserreinigungsanlage; ©RAUCH CONSULT

Nach Beendigung der Gefahrenabwehr im Jahr 1996 folgten verschiedene Phasen der Erfolgskontrolle. Dabei war festzustellen, dass die Schadstoffbelastungen nach Entfernung der Eintragsquelle um eine Potenz zurückgingen. Dennoch sind die Kontaminierungen in den tieferen Boden- und Grundwasserschichten, also tiefer als 10 m unter Gelände, so erheblich, dass eine Sicherung des Grundwassers geplant werden musste. Nach Vorversuchen und Erstellung eines hydraulischen Modells wurde die technische Anlage konzipiert und auf dem Parkgelände aufgestellt. An vier Brunnenstandorten wird das Grundwasser aus den relevanten Teufen abgepumpt, in einer Wasserreinigungsanlage gereinigt und nachfolgend wieder in den Untergrund infiltriert. Die Reinigung erfolgt durch einen mikrobiologischen Schadstoffabbau in vier Festbettreaktoren und einen Ionenaustauscher für die Cyanidreinigung. Nach der Entkeimung durch ein Elektrolyseverfahren kann das gereinigte Wasser wieder in den Untergrund gegeben werden. Die Grundwasserreinigungsanlage ist seit Herbst 2004 in Betrieb. Sie wurde 2011 in nördliche Richtung verschoben, um den Schadensquellbereich freizuhalten. Im halbjährlichen Rhythmus findet ein Grundwassermonitoring statt. Bis zum Ende des Jahres 2013 wurden 15 t Schadstoffe ausgetragen.

 

aktuelle Beurteilung

Grundwassersicherungprinzip mit Ausblick auf die Erweiterungen ab 2014
Grundwassersicherungprinzip mit Ausblick auf die Erweiterungen ab 2014; ©IGB Ingenieurbüro für Grundwasser und Boden GmbH

In den Jahren 2009 bis 2013 folgten zur abschließenden Bewertung der Schadenssituation und zur Erarbeitung der Gesamtstrategie weitere umfangreiche Untersuchungen. Aus den Ergebnissen ist zu bilanzieren, dass eine Quellensanierung des Bodens zur Unterstützung der hydraulischen Sanierung ab einer Tiefe von mehr als 10 m unter Gelände technisch sehr schwierig und finanziell unverhältnismäßig ist.

Aus diesem Grund besteht die Vorzugsvariante aus einer hydraulischen Sicherung an der Grundstücksgrenze zur Danziger Straße. Diese Vorzugsvariante wird im Verlauf des Jahres 2014 durch die Errichtung zusätzlicher Brunnen im Bereich der Danziger Straße weiter modifiziert.

Auch in Zukunft sind in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Grundwasser- und Anlagenüberwachung Anpassungen an den jeweiligen Stand der Technik notwendig, um die Durchführung der Gesamtmaßnahme so effizient wie möglich zu gestalten.

Anwohnerinformation
Zu den Sanierungsmaßnahmen im Ernst-Thälmann-Park fand am 21.03.2013 eine Informationsveranstaltung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt statt. Eine Zusammenfassung steht nachfolgend zur Verfügung:

Kosten

Für die Ersterkundung und die akuten Gefahrenabwehrmaßnahmen mittels Bodenaushub wurden bis zur Mitte der 1990er Jahre über 9 Mio. € aufgewendet. Die seit 2004 anfallenden Kosten für die Grundwassersicherung, für Erweiterungen und sanierungsvorbereitende Untersuchungen belaufen sich derzeit auf ca. 3,3 Mio. €.