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Artenschutz

Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht


Federabdruck einer Ringeltaube; Foto: Klemens Steiof
Der Federabdruck einer Ringeltaube dokumentiert die Heftigkeit des Aufpralls

Viele technische Einrichtungen in der Stadt können Probleme für die Tierwelt bereiten. Glas und Licht sind zwei typisch städtische Faktoren, die sich erheblich auf die Biodiversität auswirken. Gleichzeitig aber haben wir die Möglichkeit, schädliche Auswirkungen zu minimieren.

Glas ist der menschlich bedingte Faktor, der am meisten Vögel tötet - mehr als Straßenverkehr, Jagd oder Tankerunfälle. Jede Glasscheibe hat ein Gefährdungspotenzial, aber die konkrete Gefahrensituation hängt vom Standort ab.

StreifenFoto: Klemens Steiof
Streifen machen die Scheibe sichtbar
Fotos: Klemens Steiof

Die Mechanismen, die zu Anflügen führen, sind schon lange bekannt: Transparenz oder Reflexion. Entweder sehen Vögel durch die Glasscheibe hindurch Bäume, Sträucher, den Himmel oder ein sonstiges Ziel und wollen dorthin fliegen. Oder sie sehen in der spiegelnden Scheibe ein vermeintliches Flugziel. In beiden Fällen prallen sie mit erheblicher Geschwindigkeit gegen das Glas. Die Folge sind meist starke Kopf- oder innere Verletzungen. Beleuchtung kann als verstärkender Faktor hinzukommen, wenn Zugvögel nachts vom Licht angelockt gegen die davor befindlichen Glasscheiben prallen.

Die seit langem angewandten Greifvogelsilhouetten sind leider völlig wirkungslos. Zwar fliegt kein Vogel gegen die Silhouette, aber schon wenige Zentimeter daneben gegen das Glas. Denn die Vögel sehen in dem Aufkleber keinen "Greifvogel", sondern nur das schwarze oder farbige Hindernis, dem sie ausweichen. Den gleichen Effekt hätte man mit einem beliebigen Aufkleber.

Zur Verhinderung von Vogelanflügen ist es meist erforderlich, das Glas für Vögel sichtbar zu machen. Dies kann auf verschiedene Weise geschehen, und die hier herunterladbare Broschüre der Schweizerischen Vogelwarte "Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht" bietet dafür zahlreiche Anregungen. Viele weitere Informationen erhält man auf der Seite www.vogelglas.info der Schweizerischen Vogelwarte.

Aber schon in der Planung kann man viele Fehler vermeiden. So sind Glasscheiben in direkter Nähe von Vegetation besonders gefährlich. Auch steigt meist mit der Scheibengröße das Tötungsrisiko. An Gebäuden sind die Ecken besonders gefährlich. Es lohnt sich, sich hier vor der Ausführung gründlich Gedanken zu machen, um später nicht aufwändig nachbessern zu müssen.

Licht kann unter bestimmten Umständen für Zugvögel kritisch sein, insbesondere wenn es nachts bei bestimmten Wetterlagen (Wolkendecke, Regen, Nebel) Zugvögel anlockt. In Kombination mit Hindernissen (z.B. Glasscheiben, Abspannungen) kann es hierbei zu Massenanflügen kommen. Darüber hinaus können sogenannte "Skybeamer", stark gebündelte Lichtstrahlen, zu Irritationen bei Zugvögeln führen, bis hin zum Absturz der Vögel.

Bekannter ist die Anlockwirkung von Licht auf Insekten. Vor allem in der Nähe von Stadtgrün und Gewässern kann hierbei die örtliche Artenvielfalt (Biodiversität) erheblich gemindert werden, wenn viele Insekten aus ihren Lebensräumen quasi herausgezogen werden. Denn sie umkreisen die Lichtquelle und verhungern dort oft. Diese Tiere gehen dann für den Populationserhalt verloren. Hieraus wird deutlich, dass man mit Licht in den Berliner Grüngebieten sehr bewusst umgehen muss.

Skybeamer; Foto: U.S. Air Force photo/Ke
Skybeamer können Zugvögel gefährden; Foto: U.S. Air Force photo/Ke

Handlungsmöglichkeiten hat fast jeder auch im privaten Bereich:
  • Möglichst wenig Licht verwenden, mit geringstmöglicher Helligkeit.
  • Leuchtkörper mit geringen blauen und UV-Anteilen verwenden, also eher gelbliches Licht. Auch warmweißes LED-Licht hat sich bisher als relativ insektenfreundlich erwiesen.
  • Beleuchtung niedrig anbringen und nur nach unten abstrahlen - keine Abstrahlung in die Landschaft. Weitere Anregungen liefert die herunterladbare Broschüre.


Eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte zum Thema "Naturfreundliches Bauen mit Glas und Licht" kann dem Rundschreiben SenStadtUm I E Nr. 1/2014 entnommen werden.


Kontakt


Klemens Steiof
Tel.: 030 9025-1036
E-Mail: klemens.steiof@senuvk.berlin.de

Johannes Schwarz
Tel.: 030 9025-1637
E-Mail: johannes.schwarz@senuvk.berlin.de



Information

Vogel­freund­liches Bauen mit Glas zur Vermeidung von Vogel­schlag
Beschluss des Sach­ver­ständigen­beirates für Natur­schutz und Landschafts­pflege vom 05.11.2018 mehr

Download

Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht (Titelblatt)
Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht
Hrsg.: Schweizerische Vogelwarte