Alternativmethoden (Tierschutz, Tierseuchenentschädigung, Tierarzneimittel)

3. Symposium Alternativen zu Tierversuchen am 30. September 2014 - Bericht

Das 3. Symposium des LAGeSo zu Alternativen zum Tierversuch hat reges Interesse gefunden. Fast 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern waren angemeldet. Damit wird deutlich, dass die Forderung Alternativen für Tierversuche zu finden, sehr ernst genommen wird.

Begrüßt wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom Präsidenten des LAGeSo Herrn Allert, der die Erfolge der ersten Veranstaltung hervorhob und als Erwartung an diese dritte Veranstaltung die Entwicklung weiterer konkreter Schritte für Berlin in den Raum stellte. Herr Professor Schönfelder hieß als Vertreter des BfR die Gäste willkommen und betonte die Aufgabe von ZEBET für Transparenz im Versuchstierbereich zu sorgen. Staatssekretärin Frau Toepfer-Kataw (SenJustV) forderte Kreativität beim Einsatz von Alternativmethoden in Forschung und Lehre ein, auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht auf Tierversuche verzichtet werden kann. Sie kündigte außerdem die Ausschreibung des Preises des Landes Berlin zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden für Tierversuche in Forschung und Lehre an. Dieser mit 15.000 € dotierte Preis gibt einen Anreiz sich dem The-ma zu stellen. Sie stellte in Aussicht, dass das Land Berlin sich beim nächsten Preis auch finanziell beteiligen wird. Frau Jenner, Sprecherin des Bündnis Tierschutzpolitik Berlin, kündigte an, dass vom Bündnis das Preisgeld um 5.000 € aufgestockt würde, wenn eine Ar-beit ausgezeichnet werden kann, die Tierversuche komplett ersetzt.

Erklärtes Ziel der Europäischen Union ist es Verfahren mit lebenden Tieren für wissenschaftliche Zwecke und Bildungszwecke vollständig zu ersetzen, sobald dies wissenschaftlich möglich ist. Die Weiterentwicklung alternativer Ansätze soll erleichtert und gefördert werden. In Berlin wurden 2013 insgesamt 422.175 Tiere zu wissenschaftlichen und Bildungszwecken eingesetzt. Das sind 13.988 Tiere weniger als 2012. Doch kann noch nicht von einer Trendwende gesprochen werden.

Mit dem jetzt zum dritten Mal durchgeführten Symposium für Alternativen zu Tierversuchen will das Landesamt für Gesundheit und Soziales auf Möglichkeiten der Reduktion von Tierversuchen aufmerksam machen. Das Symposium soll die Vernetzung fördern und Anschub für weitere Aktivitäten in der Entwicklung und Anwendung von Alternativen zum Tierversuch sein.

Es geht dabei nicht nur um den grundsätzlichen Ersatz von Tierversuchen. Auch die Reduktion der Tierzahl oder die Verringerung der Belastung der Tiere im Versuch sind angestrebte Ziele.

Um hier erfolgreich sein zu können, muss eine Vernetzung der Forschungsbereiche erfolgen, die einerseits wissenschaftlich mit Tieren arbeiten und andererseits Forschung auf tierfreier Basis betreiben. Außerdem muss der Bereich der Versuchstierkunde gestärkt werden, damit für die Versuchstiere, solange sie noch nicht ersetzt werden können, die bestmögliche Betreuung hinsichtlich der Belastungsreduktion gewährleistet werden kann.

Vorgestellt wurden Alternativen im Bereich der toxikologischen Prüfung von Substanzen. Frau Dr. Röhl (BfR) gab dazu einen Überblick über bereits anerkannte Methoden, aber auch über die Alternativmethoden in der Entwicklung. Es wurde deutlich, dass es ein langer und aufwendiger Weg ist, bis Ersatzmethoden den Weg in internationale Prüfregularien finden.

Herr Dr. Beekes vom RKI erläuterte welche Möglichkeiten es in der Prionenforschung gibt, die Infektiosität von Prionen auch ohne Einsatz von Versuchstieren feststellen zu können. Das bereits vielfältig in der Forschung eingesetzt humane Hautmodell wurde von Frau Professor Schäfer-Korting (FU-Berlin) als Krankheitsmodell für topische Dermatitis und Hautkrebserkrankungen vorgestellt. Durch Ausschaltung von Genen oder durch Kokultur mit Tumorzelllinien können so Arzneimittel getestet werden, die sonst im Tier untersucht werden müssten. Ein Beispiel für Refinement brachte Frau Dr. Hoffmann vom IGB. Umweltschadstoffe in Gewässern können danach an Krallenfröschen getestet werden, ohne diese töten zu müssen, indem man die Auswirkung der hier hormonell wirksamen Schadstoffe auf das Werberufverhalten der Frösche untersucht.

Professor Niendorf vom MDC machte in seinem Vortrag zur Nutzung des MRT im Versuchstierbereich deutlich, dass durch die Anwendung dieser Methode nicht nur weniger Tiere eingesetzt werden, sondern Versuche auch weniger belastend sein können, da frühere Versuchsendpunkte gefunden werden können.

Einen Beitrag zur Reduzierung der benötigten Versuchstiere stellte dann das Team um Professor Luy vor. Das Projekt AniMatch will eine Plattform für Nutzer von Versuchstieren sein und zwischen den Forschergruppen vermitteln. So sollen Tiere, die für wissenschaftliche Zwecke getötet werden, von mehreren Gruppen genutzt werden können. Die entsprechende Datenbank ist seit dem 30.09.2014 freigeschaltet.

Herr Professor Schönfelder (BfR) sprach schließlich das Thema Transparenz und Information der Öffentlichkeit an. Von jedem genehmigten Tierversuchsvorhaben muss eine Zusammenfassung veröffentlicht werden. Dazu hat das BfR eine Datenbank eingerichtet, die ab 1. November 2014 einzusehen sein wird. Informiert wird über Ziele der Versuche, eingesetzte Tierart und Anzahl der genehmigten Tiere, erwarteter Nutzen und voraussichtliche Belastungen für die Tiere.

Wie können in Berlin gezielt Alternativmethoden gefördert werden? Wie kann sich Berlin zur Forschungshauptstadt für Alternativmethoden zu Tierversuchen entwickeln? Diesen Fragen stellten sich im Anschluss an die Vorträge Persönlichkeiten aus Politik und Forschung. Frau Professor Schäfer-Korting (FU-Berlin, Vizepräsidentin), Frau Toepfer-Kataw (Staatssekretärin der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz), Professor Spielmann (FU- Berlin, Landestierschutzbeauftragter Berlin) und Professor Schönfelder (BfR, Leiter Abtl. 9 Toxi-kologie und ZEBET).

Im Ergebnis zeigte sich, dass es schon sehr viele Aktivitäten im Hinblick auf die Etablierung von Alternativmethoden und die dafür erforderliche Vernetzung von wissenschaftlichen Einrichtungen gibt. Ein besonderes Beispiel dafür schilderte Frau Professor Schäfer-Korting. Das Projekt BB3R verbindet Forschung und Lehre in vorbildlicher Weise http://www.bb3r.de/ . Auf politischer Ebene werden die Bemühungen verstärkt, Alternativen mehr in die Lehre zu integrieren und entsprechende Ansätze zu unterstützen. Herr Professor Spielmann hob hervor, dass im Zusammenhang mit der Entwicklung von transgenen Tieren verstärkt darauf hingewirkt werden muss, moderne Methoden einzusetzen, die weniger Tiere erfordern.

Das BfR will den Dialog mit der Forschung besonders im Bereich der Grundlagenwissenschaft verstärken, um Alternativmethoden publik zu machen. Als Fazit wurde festgestellt, dass die Forschung auf einem guten Weg ist, auch wenn dieser lang sei. Die Anregungen des Symposiums haben das Bewusstsein für Alternativmethoden weiter gestärkt. Das sei eine der wichtigsten Triebkräfte für die Weiterentwicklung in diesem Bereich. Herr Professor Schönfelder empfahl Botschafter ins Leben zu rufen, die den Gedanken der 3R (Replace, Reduce, Refine) in die Universitäten hineintragen und damit Multiplikatoren für das 3R-Prinzip in der Grundlagenforschung würden.