EU-Badestelle Flughafensee - Badegewässerprofil

Der Inhalt eines Badegewässerprofils ist gemäß § 7 Berliner Badegewässerverordnung festgelegt.

Abb. 1: Übersicht des Badegewässers Flughafensee mit EU-Badestelle und Probenahmestelle.
Abb. 1: Übersicht des Badegewässers Flughafensee mit EU-Badestelle und Probenahmestelle
Bild: Quelle: FIS-Broker WMS-Service SenStadt Berlin: Digitale Topographische Karte 1:25.000 (DTK25)

Beschreibung des Badegewässers

Der Flughafensee liegt im Norden Berlins im Bezirk Reinickendorf. Der Flughafensee ist ein in den 1950er Jahren durch Kiesabbau entstandenes, künstliches Gewässer (Baggersee), das ursprünglich zur Rekultivierung vorgesehen war. Nach Ende der Abbautätigkeit entwickelte sich eine nicht vorgesehene, intensive Badenutzung. Ein Badeverbot war im damaligen Berlin (West) nicht umzusetzen. Aufgrund seiner günstigen Lage im Stadtgebiet, der guten Erreichbarkeit und der besonderen Voraussetzungen für einen Badesee (Sandstrände) erfreute sich der Flughafensee immer schon hoher Beliebtheit bei Badenden. In den 1980er Jahren wurden dann in einem Landschaftsplan Badebereiche ausgewiesen.

Mit einer Maximaltiefe von 34,3 m ist der Flughafensee das tiefste Gewässer in Berlin. Er ist etwa 30 ha groß und hat ein Wasservolumen von 3,61 Mio. m³.

Der Flughafensee befindet sich in der Wasserschutzgebietszone (Zone III B) des nahegelegenen Wasserwerks Tegel. Der Wasserstand im See wird vor allem durch den Niederschlag und den Grundwasserpegel beeinflusst. Regenabflüsse erreichen den Flughafensee überwiegend über den Hauptzufluss Schwarzer-Graben-Kanal, der das Regenwasser weiter Flächen (ca. 700 ha) im Süden von Reinickendorf aufnimmt. Bevor der Schwarze-Graben-Kanal den Flughafensee erreicht, passiert er ein Absetzbecken, in dem partikuläre Stoffe sedimentieren sollen. Zudem entwässern Teilflächen des Flugplatzes Tegel in den See (Einleitung), die jedoch mengenmäßig hinter dem Schwarzen-Graben-Kanal zurückstehen.

Der Flughafensee gliedert sich aufgrund seiner Tiefenverhältnisse in ein volumenstarkes Hauptbecken und ein Vorbecken, in dem je nach Wasserstand eine Maximaltiefe von etwas mehr als 14,5 m erreicht wird. Beide Teilbecken trennt eine sogenannte Algensperre, die den Eintrag von unerwünschten Stoffen (v.a. Nährstoffen) ins Hauptbecken begrenzen soll. Im Vorbecken sollen vorzugsweise Nährstoffe bereits in Biomasse (Algen) umgesetzt werden, um das Hauptbecken vor nährstoffreichen Einträgen zu schützen. Die seit 1986 installierte Tiefenwasserbelüftung unterstützt den biologischen Abbau im Vorbecken des Sees und hilft Sauerstoffschwund zu vermeiden.

Angrenzend an den Flughafen Tegel und im Nahbereich zum südwestlichen Ende des Badebereiches befindet sich ein Vogelschutzreservat, das vom Naturschutzbund e.V. betreut wird. Der Flughafensee und das Reservat liegen in dem Landschaftsschutzgebiet Jungfernheide.

Infrastruktur

Abb. 2: Infrastrukturkarte Flughafensee
Abb. 2: Infrastrukturkarte Flughafensee
Bild: Quelle: FIS-Broker WMS-Service SenStadt Berlin: Digitale farbige Orthophotos 2009 (DOP 10-C)

Die Badebereiche am Flughafensee befinden sich in einem Waldgebiet und sind daher am besten mit dem Fahrrad oder zu Fuß erreichbar. Im gesamten Badebereich sind Fahrradständer aufgestellt. Parkplätze für Autos sind an der Seidelstraße eingerichtet. Weitere Parkmöglichkeiten sind in den Straßen der angrenzenden Wohngebiete im Nordwesten des Sees vorhanden.
Die nächsten U-Bahnstationen sind Otis- und Holzhauser Straße (Linie U6).

Am Flughafensee handelt es sich um eine unbewirtschaftete Badestelle. Es gibt keine Restauration in der Nähe. Es sind jedoch Picknickmöglichkeiten entlang der Strandbereiche eingerichtet. Ein Toilettencontainer ist vorhanden, Umkleidekabinen, Duschen sowie Spiel- und Sportmöglichkeiten jedoch nicht.
Am Flughafensee gibt es keine Wasserrettungsstelle. Die Badestellen sind nicht überwacht, an den Badestellen sind Rettungsringe angebracht.

Der Flughafensee wird neben der Badenutzung auch als Angelgewässer genutzt. Der ansässige Anglerverein AV Flughafensee e.V. hat am nordwestlichen Seeufer einen abgetrennten Uferbereich mit einem Steg und einigen Booten.

Aufgrund seiner relativ hohen Sichttiefe wird er zeitweilig als Tauchgewässer genutzt.

Überwachung der Badegewässerqualität

Die Badegewässerqualität des Flughafensees wird an der Badestelle am Steilufer vom LAGeSo auf Grundlage der Badegewässerverordnung von April bis September überwacht.

In den näher zum Zufluss gelegenen Bereichen des Flughafensees kann es zu erhöhten bakteriologischen Belastungen kommen.

Aktuelle Messergebnisse finden Sie hier.

Auf Grundlage der Messdaten aus den letzten 4 Jahren ist eine Einstufung des Flughafensees als Badegewässer mit „ausgezeichneter Qualität“ erfolgt.
Trotz der „ausgezeichneten Badegewässerqualität“ sind im Flughafensee in besonderen Situationen, z.B. nach Starkregenereignissen mikrobiologische Verschmutzungen nicht ausgeschlossen.

Hinweis:
Bitte gehen Sie an der überwachten Badestelle baden und schützen damit die Ufer. Im Badebereich besteht Mitnahmeverbot für Hunde.

Verschmutzungsquellen und -potentiale

Unter einer Verschmutzung wird das Vorliegen einer mikrobiologischen Verunreinigung sowie das Vorhandensein von anderen Organismen oder Abfall, welche die Gesundheit der Badenden gefährden könnten, verstanden. Nährstoffeinträge, die ein massenhaftes Auftreten von Phytoplanktonn, insbesondere von Blaualgen (Cyanobakterien) zur Folge haben können, werden ebenfalls als Verschmutzung gewertet. Allgemein können solche Verschmutzungen aus Zuflüssen oder Einleitungen (z.B. aus der Regenkanalisation) resultieren. Sie können auch aus sogenannten diffusen Quellen wie Abschwemmungen von verunreinigten Flächen (z.B. Hundekot, insbesondere nach Starkregenereignissen) stammen oder durch die Badenutzung selbst verursacht werden. Verschmutzungen können zum einen über den Zufluss Schwarzer-Graben-Kanal (Regenabflüsse) in den Flughafensee eingetragen werden. Dieser Pfad ist schon allein wegen seiner hydraulischen Dominanz als wesentliche Belastungsquelle einzustufen. Die vielfältigen Verschmutzungen hochverdichteter innerstädtischer Verkehrs-, Industrie- und Siedlungsflächen bergen ein erhebliches Verschmutzungspotential für ein Badegewässer. Als spezifische Belastungsschwerpunkte kommen innerhalb der Einzugsgebiete der Regenkanalisation folgende Faktoren in Betracht:
  • Das Pumpwerk Scharnweberstraße für die stark befahrenen Abschnitte der Bundesautobahn und
  • Notauslasstätigkeit im seltenen Fall von Versagen der Schmutzwasserpumpwerke im Einzugsgebiet der Regenkanalisation des Flughafensees.

Gewässerinterne Prozesse: Das Tiefenwasser des Flughafensees ist über weite Teile des Jahres von Sauerstoffarmut bzw. -leere geprägt. Unterhalb von 5 m Wassertiefe ist der 35 m tiefe See im Sommer bereits jetzt häufig sauerstoffleer. Dieser Zustand ist als deutliches Zeichen des Eutrophierungsprozesses zu werten. Es kommt zur Bildung von Schwefelwasserstoff und zur Freisetzung von Phosphat aus den Sedimenten. Der Flughafensee weist dennoch zurzeit noch mittlere sommerliche Sichttiefen im Bereich von 2–3 m auf.
Ohne relevante externe Belastungen hätte der Flughafensee allerdings aufgrund seines geringen Alters beste Voraussetzungen für einen schwach mesotrophen (wenig nährstoffreichen) See mit deutlich höheren Sichttiefen.

Die im Einzugsgebiet gelegenen Kleingewässer mit der Funktion als Rückhaltebecken (Seidelbecken, Lienemannbecken) müssen ebenfalls als Verunreinigungsquelle gewertet werden. Die hier abgelagerten Stoffe können bei stärkeren Regenereignissen ausgespült und über das Kanalsystem dem Flughafensee zugeführt werden. Beim Seidelbecken kommt hinzu, dass die Umgebungsfläche als Hundeauslaufgebiet genutzt wird und sich Hundekot entsprechend auf den Grünflächen konzentriert. Zudem sind dort ständig Wasservögel anzutreffen. Das Lienemannbecken ist seit einiger Zeit umzäunt und damit zumindest für Hunde unzugänglich.

Ein spezifischer Belastungsschwerpunkt im Einzugsgebiet des Schwarzen-Graben-Kanals ist die Einleitung des Regenpumpwerks Scharnweber Straße. Das Pumpwerk Scharnweber Straße ist 1979 in Betrieb gegangen und weist ein Speichervolumen von bis zu 6.000 m³ auf. Es speichert die Regenabflüsse eines stark befahrenen Teilabschnittes der Bundesautobahn BAB 111 Berlin-Hamburg und vom BAB-Abzweig Wedding A 105.

Als weitere Verschmutzungsquelle muss der Badebetrieb selbst eingeordnet werden. Insbesondere an Tagen mit hohen Badegastzahlen steigt dieses Verunreinigungsrisiko.

Verschmutzungsquellen und -potentiale

potentielle Verschmutzungsquelle Bewertung Bemerkung
Zuflüsse relevant Der Schwarze-Graben-Kanal fließt nach Passage des Absetzbeckens in den Flughafensee. Er belastet den Flughafensee durch Keimeinträge, Nährstoffe und sauerstoffzehrende Stoffe. Das Absetzbecken stellt keine angemessene Reinigungsanlage dar.
Einleitungen relevant An der Einleitungsstelle (Nähe Flugplatz Tegel) wurden erhöhte Keimgehalte festgestellt. In sehr seltenen Fällen können auch Notauslässe von Pumpwerken den Flughafensee erreichen. Dann kann unbehandeltes Abwasser in den See gelangen.
Verunreinigungen am Ufer (Abfall, Fäkalien) relevant Durch Abschwemmungen von menschlichen oder tierischen Fäkalien oder Abfall vom Ufer sind lokale Verschmutzungen möglich (diffuse Quellen).

Bewertung des Risikos einer Massenvermehrung von Blaualgen

Bei einer massenhaften Vermehrung von Blaualgen (sog. Cyanobakterien) können giftige Stoffe (Toxine) gebildet werden. Nach Auswertung der Befunde des LAGeSo für die vergangenen fünf Jahre konnte bei den analysierten Cyanobakterienarten kein massenhaftes Vorkommen festgestellt werden.
Im Vergleich zu anderen Seen zeigt aktuell der Flughafensee kein Risiko für eine Blaualgenmassenentwicklung. Eine anhaltende externe Belastung über den Zufluss Schwarzer-Graben-Kanal fördert die Eutrophierung und erhöht damit das Risiko für zukünftige Massenentwicklungen von Cyanobakterien. Die Dichte des Phytoplanktons steigt mit der Eutrophierung des Sees und senkt die Sichttiefe.

Risiko der Massenvermehrung von Blaualgen

Parameter Feststellung Bemerkung
Potential zukünftiger Massenentwicklungen von Cyanobakterien ja Aktuell zeigt der Flughafensee kein Risiko für eine Blaualgenmassenentwicklung. Bei anhaltender externer Überlastung über den Zufluss Schwarzer-Graben-Kanal wird der Eutrophierungsprozess beschleunigt. Das Risiko für die Massenentwicklung von Cyanobakterien steigt.
An der Badestelle beobachtete Massenvorkommen von Cyanobakterien innerhalb der letzten vier Jahre nein

Gesamtbewertung

Der Flughafensee ist ein außergewöhnlich empfindliches Gewässer in der Berliner Gewässerlandschaft. Die hohe Sensibilität ist auf seine morphologischen Besonderheiten (große Tiefe), die nutzungsbedingt hohen Anforderungen an eine gute Wasserqualität sowie seine Lage in der Wasserschutzgebietszone des Wasserwerkes Tegel im Kontakt zum Grundwasserleiter zurückzuführen.

Die stofflichen und mikrobiologischen Belastungen aus dem Zufluss Schwarzer-Graben-Kanal sowie die Einleitung aus dem Bereich des Flugplatzes Tegel stellen relevante und erhebliche Verschmutzungsquellen für das Gewässer dar. Die seit den 1960er Jahren anhaltende Einleitung aus der Regenentwässerung hat im Flughafensee einen Eutrophierungsprozess ausgelöst.

Aufgrund der morphologischen Besonderheiten (große Tiefe) ist der Flughafensee als ein Gewässer einzuschätzen, das schädliche Auswirkungen der Eutrophierung derzeit noch kompensieren kann. Algenmassenentwicklungen konnten bisher bei den Überwachungsmessungen nur sporadisch festgestellt werden und bei Cyanobakterien waren bisher keine Auffälligkeiten zu beobachten. Massenentwicklungen von Phytoplankton oder Cyanobakterien sind wirksam und nachhaltig durch eine Begrenzung des Nährstoffregimes zu verhindern. Die weit über das Jahr anhaltenden Phasen der Anaerobie im Tiefenwasser des Hauptbeckens müssen in diesem Zusammenhang als äußerst kritisch gewertet werden. Aufgrund seiner morphologischen Besonderheiten muss der Flughafensee als „durch interne Maßnahmen kaum sanierbar“ eingeschätzt werden.

Der Flughafensee ist mit „ausgezeichneter Badegewässerqualität“ eingestuft. In dem näher zum Zufluss gelegenen Badebereich muss mit schlechteren Befunden gerechnet werden.

Überprüfung und Aktualisierung des Badegewässerprofils

Überprüfung und Aktualisierung des Badegewässerprofils

Profil erstellt 2011, 2014 zuletzt aktualisiert
Verantwortlich für das Profil: Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) / Fachgruppe Wasserhygiene / Turmstr. 21, 10559 Berlin /
Nächste Überprüfung: Überprüfung in Abhängigkeit von der Einstufung

Die nächste Überprüfung und ggf. Aktualisierung wird abhängig von der Einstufung wie folgt festgelegt

Die nächste Überprüfung und ggf. Aktualisierung wird abhängig von der Einstufung wie folgt festgelegt

Einstufung Überprüfungshäufigkeit
ausgezeichnet Überprüfung nur bei Änderung der Einstufung
gut Überprüfung mindestens alle 4 Jahre
ausreichend Überprüfung mindestens alle 3 Jahre
mangelhaft Überprüfung mindestens alle 2 Jahre