Beobachtung und Vorsorge durch das Lageso
Das West-Nil-Virus (WNV) ist eine von Stechmücken übertragene Infektionskrankheit, die sich in den letzten Jahren zunehmend auch in Deutschland ausbreitet, insbesondere in Berlin. Obwohl die meisten Infektionen mild verlaufen, kann es in seltenen Fällen zu schweren Erkrankungen des Nervensystems kommen. Um das Virus frühzeitig zu erkennen, seine Ausbreitung besser zu verstehen und Risiken für die Bevölkerung zu minimieren, engagiert sich das Lageso mit gezielter Überwachung und Forschung.
Dabei geht die Fachgruppe für Surveillance und Epidemiologie von Infektionskrankheiten am Lageso engagiert gegen die lokale Verbreitung des West-Nil-Virus vor. Mithilfe einer strukturierten Fallanalyse sowie gezielter Mücken- und Seroprävalenzuntersuchungen (Tests, die messen, wie viele Menschen bereits Antikörper gegen eine Krankheit haben) trägt das Lageso maßgeblich dazu bei, Risiken zu erkennen und den Schutz der Bevölkerung zu stärken.
Was ist das West-Nil-Virus?
Das Virus wird hauptsächlich von heimischen Stechmücken der Art Culex pipiens übertragen. Es zirkuliert vor allem zwischen Mücken und Vögeln und wurde durch Zugvögel in die lokale Vogelpopulation eingetragen. Menschen und Pferde können sich ebenfalls anstecken, sind aber sogenannte „Fehlwirte“: Sie geben das Virus nicht weiter, erkranken aber. Die Symptome reichen von Fieber und Abgeschlagenheit bis hin zu einer seltenen, aber schweren Nervenerkrankung (West Nile Virus Neuroinvasive Disease, WNND). Besonders ältere Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen sind stärker gefährdet.
Aktive Überwachung durch das Lageso
Seit 2021 kooperiert das Lageso mit dem Institut für Virologie der Charité, um die Ausbreitung dieses neuen Erregers in Berlin systematisch zu erfassen. Die Fachgruppe befragt erkrankte Personen gezielt nach deren Aufenthaltsorten, Symptomen und möglichen Risikofaktoren. Ergeben sich Hinweise auf eine lokale Ansteckung – etwa in einer Kleingartenanlage oder an einem beruflichen Einsatzort – setzt das Lageso kurzfristig Mückenfallen ein. Die gefangenen Stechmücken untersucht die Charité anschließend auf das Virus. Wird das Virus nachgewiesen, nehmen die Wissenschaftlerinnen eine genaue genetische Analyse vor, um die Herkunft und Entwicklung des Virusstammes zu klären.