Shigellose
Shigellose
Bild: LAGeSo I C 1
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Was sind Shigellen?
Shigellen sind Bakterien, die weltweit vorkommen und eine der Hauptursachen für bakterielle Durchfallerkrankungen. Es gibt vier Serogruppen von Shigella: Shigella dysenteriae, Shigella flexneri, Shigella boydii und Shigella sonnei. In Berlin treten hauptsächlich Infektionen durch Shigella sonnei (Anteil im Jahr 2024 etwa 70 %) und Shigella flexneri (etwa 20 %) auf.
Seit 2022 werden international größere Ausbrüche von Shigellose beobachtet, die insbesondere MSM betreffen. Die in diesen Ausbrüchen nachgewiesenen Shigellen sind häufig resistent gegen viele der gängigen Antibiotika, die normalerweise zur Behandlung eingesetzt werden. Auch in Berlin beobachten wir seit 2023 ein vermehrtes Auftreten dieser hochresistenten Shigellen, insbesondere unter Männern.
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Wie ist aktuell die Situation bei Shigellose in Berlin?
Stand: 22.07.2026
Seit Anfang 2023 ist die Anzahl der Shigellose-Fälle in Berlin deutlich angestiegen. Nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) wurde bereits für 2022 eine europaweite Häufung von Shigellose-Fällen bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), berichtet.
In den Jahren 2024 und 2025 wurden dem Lageso insgesamt 212 bzw. 430 Shigellose-Fälle übermittelt. Damit lagen die Fallzahlen in beiden Jahren deutlich über dem Median der vorpandemischen Jahre 2015–2019 von 97 Fällen pro Jahr. Der Anteil männlicher Personen betrug 2024 88 % und 2025 81 %. Das mediane Alter der männlichen Fälle lag bei 37 bzw. 39 Jahren. Im Jahr 2024 wurden 27 Personen mit Shigellose (13 %) stationär behandelt, im Jahr 2025 waren es 43 Personen (10 %).
Auch im ersten Halbjahr 2026 blieb die Fallzahl in Berlin erhöht. Mit 140 übermittelten Shigellose-Fällen lag sie deutlich über dem Median der entsprechenden Zeiträume der vorpandemischen Jahre 2015–2019 (n = 39), jedoch unter der Fallzahl des ersten Halbjahres 2025 (n = 200). 77 % der Fälle betrafen Männer mit einem medianen Alter von 39 Jahren. 15 Personen (11 %) wurden stationär behandelt.
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Wie steckt man sich an?
Die Infektion erfolgt fäkal oral und kann sowohl durch kontaminierte Lebensmittel oder Wasser, aber auch durch direkten Kontakt (Schmierinfektionen) von Person zu Person übertragen werden. Bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), erfolgt die Übertragung häufig sexuell durch:
• Direkten sexuellen Kontakt: Anal- oder Oralsex oder anales Spiel (Rimming, Fingern) oder andere Praktiken wie Scatophilie.
• Indirekten sexuellen Kontakt: gemeinsames Benutzen von Sexspielzeug, Kondomen, Materialien zum Spülen (Douching). -
Was sind die Symptome einer Shigellose?
Die Zeit zwischen der Ansteckung mit Shigellen und dem Auftreten erster Symptome (Inkubationszeit) beträgt in der Regel 12 bis 96 Stunden. Die Erkrankung selbst dauert meist drei bis sieben Tage, kann jedoch durch eine gezielte Antibiotikabehandlung (siehe unter Behandlung) verkürzt werden.
Meist beginnt die Shigellose mit Fieber, Kopfschmerzen, einem ausgeprägten Krankheitsgefühl und krampfartigen Bauchschmerzen. Im Anschluss treten Durchfälle auf, häufig mit blutig-schleimigen Ausscheidungen, die länger als 48 Stunden anhalten können.
Die Ansteckungsfähigkeit besteht während der akuten Erkrankung und auch im Anschluss solange der Erreger mit dem Stuhl ausgeschieden wird. Dies kann auch noch ein bis vier Wochen nach Abklingen der akuten Symptome der Fall sein.
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Was mache ich, wenn ich mich angesteckt habe oder Kontakt zu einer infizierten Person hatte?
Die folgenden Maßnahmen sollten ergriffen werden, wenn man an Shigellose erkrankt ist oder den Verdacht hat sich angesteckt zu haben:
• Es wird empfohlen, bei gastrointestinalen Beschwerden eine Ärztin, einen Arzt oder eine sexualmedizinische Beratungsstelle aufzusuchen, um sich testen zu lassen.
• Die Hände sollten regelmäßig gründlich gewaschen werden, insbesondere nach dem Toilettengang, vor der Zubereitung von Speisen und vor jeder Mahlzeit.
• Sexuelle Aktivität sollte bis mindestens 7 Tage nach Abklingen der Symptome vermieden werden.
• Fäkal-oraler Kontakt beim Sex sollte bis zu vier Wochen nach Symptomen vermieden werden (aufgrund möglicher anhaltender Erregerausscheidung).
• Erkrankte sowie Ausscheider sollten auch im privaten Umfeld auf die Zubereitung von Speisen für andere Personen verzichten.
• Bei Tätigkeiten mit Kontakt zu Lebensmitteln oder Patient*innen ist eine Wiederaufnahme nur möglich, wenn negative Befunde aus bakteriologischen Stuhluntersuchungen und eine Zustimmung vom Gesundheitsamt vorliegen.
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Wie können Infektionen vermieden werden?
• Testung auf gastrointestinale Erreger und kein Sex bei Auftreten von Magen-Darm-Symptomen.
• Die Hände gründlich waschen, insbesondere nach dem Toilettengang, vor der Zubereitung von Speisen und vor jeder Mahlzeit.
• Gründliches Waschen der Genital- und Analbereiche sowie der Hände vor und nach dem Sex.
• Verwendung von Latexhandschuhen beim Fingern oder Fisten.
• Wechsel von Kondomen zwischen analem und oralem Sex.
• Nutzung von Lecktüchern beim Oral-Anal-Kontakt.
• Kein Teilen von Sexspielzeug; gründliche Reinigung und Desinfektion nach Gebrauch und zwischen Partnern.
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Wie erfolgt die Behandlung?
In Abhängigkeit von den Ergebnissen der Resistenztestung sollte eine spezifische antimikrobielle Therapie durchgeführt werden, da dadurch die Bakterienausscheidung reduziert und die Krankheitsdauer verkürzt wird. Alternativ können die Symptome (z. B. Fieber und Schmerzen) mit ausreichendem Flüssigkeitsersatz und einer fiebersenkenden Therapie behandelt werden.
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