Gemeinschaftsschule

Schülerinnen Gemeinschaftsschule
Bild: SenBJW

Die Gemeinschaftsschule als Pilotprojekt wurde im Schuljahr 2008/2009 eingerichtet. Sie hat das Ziel, mehr Chancengleichheit und -gerechtigkeit durch längeres gemeinsames Lernen und eine optimale Förderung der individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten aller Schülerinnen und Schüler zu schaffen.

Eine maximale Lern- und Leistungsentwicklung wird durch differenzierende Lernangebote und den Ganztagsbetrieb ermöglicht. Die Gemeinschaftsschulen führen zu allen Schulabschlüssen.

Lerngemeinschaft von der Einschulung bis zum Schulabschluss

Schüler mit Daumen hoch
Bild: SenBJW

Mit Beginn des Schuljahres 2008/2009 startete die Pilotphase der Gemeinschaftsschule, an der nunmehr 26 Berliner Schulen und Schulverbünde, davon einer in privater Trägerschaft, teilnehmen. Das Modellprojekt Gemeinschaftsschule wird fortgesetzt und ausgebaut.

In der Gemeinschaftsschule ist das längere gemeinsame und individuelle Lernen von Klasse 1 bis 10 und sogar bis Klasse 13 fest verankert.

Gemeinschaftsschulen ohne eigenen Grundschulteil oder ohne eigene gymnasiale Oberstufe haben verbindliche Kooperationen mit Grundschulen oder Schulen mit gymnasialer Oberstufe. So erfolgen die Übergänge zwischen den Klassenstufen sicher und reibungslos.

Die Gemeinschaftsschüler wechseln automatisch in die 7. Jahrgangsstufe ihrer Schule, wenn die Schülerinnen und Eltern dies wünschen. Ebenso werden Schüler von Grundschulen mit denen verbindliche Kooperationen bestehen, vorrangig aufgenommen.

Grundlegende Ziele der Gemeinschaftsschule

Gemeinschaftsschüler im Klassenraum
Bild: SenBJW
  • Die Gemeinschaftsschule soll zu mehr Chancengleichheit und -gerechtigkeit, unabhängig von den Voraussetzungen der Kinder und Jugendlichen, führen.
  • Die Fähigkeiten und Fertigkeiten aller Schüler sollen durch individuelle Förderung besser entwickelt und gefördert werden: Durch selbstständiges Lernen und die Unterstützung individueller Lernwege soll eine maximale Leistungsentwicklung ermöglicht werden.
  • Die Gemeinschaftsschule verzichtet auf die äußere Fachleistungsdifferenzierung als Organisationsprinzip.
  • Durch enge Zusammenarbeit der Lehrkräfte, schulischen Mitarbeiter, Schülerinnen und Schüler, Eltern und außerschulischen Partner entwickelt sich die Gemeinschaftsschule zum demokratischen Lern- und Lebensraum.
  • In der Gemeinschaftsschule ist die gegenseitige Anerkennung und Respektierung aller ein wichtiges Leitziel.

Individuelles Lernen stärkt individuelle Kompetenzen

Lehrerin hilft Schüler
Bild: SenBJW

Die an der Pilotphase der Gemeinschaftsschule beteiligten Schulen haben bereits erfolgreich ein vielfältiges Lern-, Förder- und Profilierungsangebot entwickelt: Mit diesen Angeboten werden die Gemeinschaftsschüler nicht nur in ihren individuellen Lernwegen und beim selbständigen Lernen gestärkt, sondern können so auch individuelle Kompetenzen entfalten.

Das spiegelt sich beispielsweise in einem breiten Kanon an Basis- und Wahlpflichtkursen wider oder in Projekt-, Werkstatt- und Wochenplanarbeit, Arbeit im Lernbüro und im offenen Lernen.

Regelmäßige individuelle Lern- und Leistungsrückmeldungen ergänzen das halbjährliche Notenzeugnis oder können dieses auch bis zur Jahrgangsstufe 8 ersetzen. In der Gemeinschaftsschule können alle Abschlüsse bei entsprechenden Leistungen erworben werden.

Organisation, Unterricht und Aufnahmeregelungen der Gemeinschaftsschule

Alle Rahmenbedingungen der Gemeinschaftsschule sind in einem Schreiben vom 18. Februar 2015 zusammengefasst. In einem weiteren Schreiben vom 9. Oktober 2015 sind Änderungen bei der Aufnahme in die Gemeinschaftsschule beschrieben.

Beteiligung an der Pilotphase der Gemeinschaftsschule

Auch zum Schuljahr 2016/2017 besteht für Schulen die Möglichkeit, gemäß § 17a des Schulgesetzes, in die Pilotphase einzusteigen. Bewerbungen für die Pilotphase Gemeinschaftsschule erfordern eine Zustimmung der Schulkonferenz mit 2/3 Mehrheit, eine Stellungnahme der zuständigen regionalen Schulaufsicht und die Zustimmung des Schulträgers.

Interessierte Schulen wenden sich bitte an die Gesamtkoordinatorin der Pilotphase der Gemeinschaftsschule per E-Mail.

Wissenschaftliche Begleitung der Pilotphase

Abschlussbericht

Der vorgelegte Abschlussbericht zur wissenschaftlichen Begleitung der Pilotphase beinhaltet die Teilstudien:

  • Unterrichtsgestaltung und Unterrichtsentwicklung sowie
  • Lernstandsentwicklung (Kohortenvergleich eines zweimaligen Durchlaufes der Lernstandstests in den Klassenstufen 7 und 9).

Die Ergebnisse zeigen, dass die Entwicklung der Gemeinschaftsschulen hin zu einer Schule für alle Schülerinnen und Schüler von Fortschritten und der Verfestigung des Erreichten gekennzeichnet ist. Den Schulen gelingt es, die Schüler individuell zu fördern. Damit können die schwächeren Schülerinnen und Schüler an die Mitte herangeführt und die Leistungsstärkeren zu weiteren Lernfortschritten motiviert werden.

Die Gemeinschaftsschulen erreichen eines ihrer wesentlichen Ziele, nämlich die Trennung von Lernerfolg und sozialer Herkunft. Schülerinnen und Schüler mit einem sozial belasteten Hintergrund erreichen vielfach ähnlich gute Lernfortschritte, wie diejenigen aus weniger sozial belasteten Elternhäusern.

Auch dem Anspruch einer inklusiven Schule werden die Gemeinschaftsschulen weitgehend gerecht. Die Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf haben beachtliche Lernzuwächse erreicht, während sich im Vergleich von Klassen mit und ohne Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf keinerlei Nachteile des gemeinsamen Lernens feststellen lassen. Teilweise waren die Lernfortschritte in „inklusiven“ Klassen sogar besonders hoch.

Zielsetzung für die wissenschaftliche Begleitung war die prozessorientierte Evaluation der Entwicklung und Implementierung der Pilotphase Gemeinschaftsschule. Das bedeutet, die Schulen wurden im gesamten Qualifizierungsprozess begleitet und erhielten Hilfe bei der Entwicklung und kontinuierlichen Überprüfung ihrer Ziele und Qualitätskriterien.

Insgesamt bezogen sich die wissenschaftlichen Fragestellungen auf acht Themen:

1. Rahmenbedingungen
2. Entwicklung schulformbezogener Angebote
3. Entwicklung von Schulwahlmotiven und Entscheidungspräferenzen der Eltern
4. Management und Organisation der Schulen
5. Schulische Leistungen (u.a. Lernstandserhebungen in vier Fächern)
6. Schulklima
7. Gestaltung von Lernen und Unterricht
8. Transfereffekte.

Die Beauftragung zur wissenschaftlichen Begleitung erfolgte nach einer europaweiten Ausschreibung: Das Konsortium, besteht aus Rambøll-Management, der Arbeitsstelle für Schulentwicklung und Schulentwicklungsforschung der Universität Hamburg und den Schulentwicklungsexperten Ulrich Vieluf und Professor Dr. Johannes Bastian.

Die Zwischenberichte von 2008 bis 2013 finden sie hier:

Dokumente zur Gemeinschaftsschule

Gemeinschaftsschule gestalten: Ein Praxisleitfaden

PDF-Dokument (7.8 MB)

Gemeinschaftsschule gestalten: Materialsammlung

PDF-Dokument (21.2 MB)