Angebote für Schülerinnen und Schülern mit besonderen Begabungen

Schüler mit besonderer Begabung - Detail

In jedem Kind steckt eine Begabung. Eine zeitgemäße und umfassende Begabungsförderung dient dem Ziel, die Potentiale aller Kinder und Jugendlichen zu entdecken und bestmöglich zu fördern. Alle Begabungen bedürfen der Entwicklung, der Förderung und der Unterstützung, dies gilt für kognitive Begabung wie auch für sportliche, musische, künstlerische und soziale Begabungen.

Das Berliner Bildungssystem verfolgt das Ziel, jedes Kind entsprechend seiner Fähigkeiten zu fördern und zu fordern. Hierbei arbeiten Kitas, Schulen und Universitäten Hand in Hand.

Angebote der Kitas

Die Berliner Kitas sind bestrebt, Kinder mit besonderen Begabungen zu erkennen und bereits frühzeitig entsprechend zu fördern. In vielen Kitas werden den Kindern zusätzliche Angebote in Form von Musik oder Sprachspielen vorgeschlagen.

Auch unterhalten einige Kitas enge Kooperationen mit benachbarten Grundschulen, um die Kinder schon früh an Schul- und Lernsituationen heranzuführen und ihr Interesse zu wecken. Darüber hinaus ist „Hochbegabte Kinder in der Kindestagesbetreuung“ ein jährlich wiederkehrendes Thema der Fortbildung für pädagogische Fachkräfte.

Die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ engagiert sich für die naturwissenschaftliche, mathematische und technische Bildung von Mädchen und Jungen im Kita- und Grundschulalter. Fortbildungsangebote und Materialien stehen für die pädagogischen Fachkräfte zur Verfügung, um sie darin zu unterstützen, den Forschergeist von Mädchen und Jungen im Kita- und Grundschulalter zu wecken.

Angebote der Grundschulen

Kinder mit kognitiven Begabungen lernen oftmals deutlich schneller als gleichaltrige. Sie verfügen in der Regel bereits vor dem regulären Schuleintritt über ein größeres Wissen und ein höheres Maß an Fähigkeiten und Fertigkeiten. Deshalb kann es hilfreich sein, diese Kinder
frühzeitig einzuschulen.

Im Normalfall werden Kinder in dem Jahr schulpflichtig, indem sie das sechste Lebensjahr vollenden. Auf Antrag können aber auch Kinder, die erst im Januar, Februar oder März des darauffolgenden Jahres sechs Jahre alt werden, vorzeitig eingeschult werden, wenn kein Sprachförderbedarf für sie besteht. Dies ist im Schulgesetz in § 42 geregelt.

In der Grundschule gibt es neben den Fördermöglichkeiten im Unterricht die Möglichkeit, schneller die Schulanfangsphase zu absolvieren und weitere Klassenstufen zu überspringen. In einzelnen Fächern kann der Unterricht in höheren Klassen besucht werden. Dies ist in der Grundschulverordnung in den § 18 (1) und § 22 (2) und (5) geregelt. Zudem werden an einzelnen Grundschulen Zusatzkurse, die Begabtengruppen am Nachmittag angeboten.

Auch das Schulportal der Humboldt-Universität zu Berlin bietet u. a. mit dem Grundschul-Mathetreff und der Humboldt Kinder-Uni Wettbewerbe und Spiele für Jungforscherinnen und Jungforscher an.

Netzwerk Begabungsförderung der Grundschulen

Einige Grundschulen haben sich zum “Netzwerk begabungsfördernder Grundschulen” zusammengeschlossen. In regelmäßigen Fortbildungen werden die Lehrkräfte dafür geschult.

Wie sieht die Förderung in der Grundschule aus?

Kinder mit besonderen Begabungen und hohen kognitiven Fähigkeiten haben ein im Berliner Schulgesetz verankertes Recht, herausfordernde Lernangebote zu erhalten, die ihren Fähigkeiten entsprechen, ihre Begabungen zur Entfaltung bringen und zielgerichtet weiter entwickeln.

Förderstunden

Insbesondere der binnendifferenzierte Unterricht bietet Möglichkeiten, Kinder mit besonderen Begabungen vor intellektuelle Herausforderungen zu stellen. Jeder Klasse stehen in Ergänzung der Stunden gemäß Stundentafel zwei reguläre Förderstunden zur Verfügung, die nicht nur für die Förderung von Kindern mit Lernschwierigkeiten, sondern auch für die Förderung von Kindern mit besonderen Begabungen genutzt werden können.

Gleichfalls können Stunden aus dem Teilungsstundenpool für zusätzliche Fördermaßnahmen verwendet werden. Da auch kognitiv hochbegabte Kinder in bestimmten Bereichen besondere Unterstützung benötigen, sind für diese Schülerinnen und Schüler eine individuelle Förderplanung und gezielte Fördermaßnahmen unerlässlich, um ihnen einen erfolgreichen Lernweg zu sichern.

Klasse überspringen

Darüber hinaus können Kinder der 3. bis 6. Jahrgangsstufe in bis zu zwei Fächern am Unterricht in einer höheren Jahrgangsstufe teilnehmen oder vorzeitig in eine nächst höhere Jahrgangsstufe aufrücken.

Wie werden begabte Kinder in der Schulanfangsphase gefördert?

Besonders begabte Kinder haben die Möglichkeit, die flexible Schulanfangsphase in nur einem Jahr zu durchlaufen.

Emotionale Belastungen, die beim Überspringen einer Jahrgangsstufe durch Eintreten in ein kaum vertrautes Klassenumfeld zu bewältigen waren, entfallen, wenn die Schule die flexible Schulanfangsphase übergreifend organisiert. Dann wechseln andere Kinder aus der vertrauten Gruppe gleichfalls mit dem vorzeitig aufrückenden Kind die Klasse.

Ein vorzeitiges Aufrücken in die Jahrgangsstufe 3 ist wie beim Aufrücken ab Jahrgangsstufe 3 nur dann möglich, wenn die Leistungsentwicklung erkennen lässt, dass die Teilnahme am Unterricht der nächst höheren Jahrgangsstufe erfolgreich möglich sein wird.

Eine Entscheidung, die Schulanfangsphase schneller zu durchlaufen, ist bis zum 1. März des zweiten Schulbesuchsjahres möglich. Sie ist von den Lehrkräften und Eltern gemeinsam vorzubereiten.

Welche gesetzlichen Grundlagen gibt es?

Der Anspruch auf Förderung ist für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Begabungen und hohen kognitiven Fähigkeiten im in § 4 Abs. 3 des Berliner Schulgesetzes verankert.

Wer entscheidet über die Konzepte der Förderung?

Aus den gesetzlichen Regelungen können Sie den Anspruch individueller Förderung für Ihr Kind ableiten – gleichermaßen für ein Kind mit Lernschwierigkeiten wie für ein Kind mit besonderen Begabungen.

Die Entscheidung darüber, in welcher Form und mit welchen Methoden diese Förderung erfolgt – ob im Rahmen einer Binnendifferenzierung, parallel oder ergänzend zum Unterricht, ob klassenintern, klassenübergreifend oder jahrgangsübergreifend -, liegt in der pädagogischen Verantwortung der Schule.

Die inhaltliche Ausgestaltung der individuellen Förderpläne ist Aufgabe der Lehrkräfte (auf Grundlage der Lernausgangslage, der Rahmenlehrpläne und der schulinternen Curricula).

Gibt es Grundschulen mit speziellen begabungsfördernden Angeboten?

An einigen Schulen werden für besonders begabte und kognitiv hochbegabte Kinder ergänzend zum regulären Unterricht zusätzliche Fördermaßnahmen angeboten. Individuelle Lernangebote können auch integriert in den Schulalltag erfolgen.

Diese Schulen gehören zum Netzwerk Begabungsförderung der Grundschulen und haben die Aufgabe übernommen, regionale Netzwerke zu verstetigen, um Erfahrungen und Konzepte im Bereich der inklusiven Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Begabungen auszutauschen.

Grundschulen mit Hochbegabtenförderung

Darüber hinaus gibt es weitere Grundschulen, die besondere Konzepte begabungsfördernden Unterrichts umsetzen. Informationen hierüber erhalten Sie bei der regionalen Schulaufsicht Ihres Bezirks.

Welche Fortbildungsangebote gibt es für Lehrkräfte?

Seit dem Schuljahr 2006/2007 wurde ein Beratungsnetzwerk aufgebaut. Eine Lehrkraft aus jedem Bezirk wird als Multiplikator für Begabungsförderung in der Grundschule fortgebildet. Sie leitet die regionale Fachkonferenz ihres Bezirks, an der eine für Begabungsförderung verantwortliche Lehrkraft jeder Grundschule teilnimmt.

Die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wurden u. a. auch in Zusammenarbeit mit der Karg-Stiftung weiterqualifiziert. Die Methode des „Impulskreises“ wird zur schulinternen Fortbildung eingesetzt. Es werden weiterhin regionale Fortbildungsangebote im Bereich der Begabungsförderung in Kooperation mit den Schulpsychologischen Beratungszentren realisiert.

Der Berliner Begabungskoffer

In jedem Schulpsychologischen und Inklusionspädagogischen Beratungs- und Unterstützungszentrum (SIBUZ) steht ein Begabungskoffer mit verschiedenartigen Materialien für Lehrkräfte zur Verfügung. Eingesetzt werden diese in regionalen Fachkonferenzen oder schulinternen Fortbildungen.
Der Inhalt des Koffers ist nach fünf Schwerpunkten geordnet:

  1. Literatur für Lehrpersonen
  2. Knobeln – Denken – Rechnen
  3. Sprache – Sprachspiele
  4. Mensch und Umwelt/Natur und Technik
  5. Eine Reise ins Land des Denkens: Philosophisches, Angebote zum Nachdenken, Kreatives

Der Koffer enthält außerdem weiterführende Informationen wie Internetadressen, ein Verzeichnis außerschulischer Lernorte, Kontaktadressen und vieles mehr; er konnte mit Unterstützung zahlreicher Verlage, der Karg-Stiftung und der JVA Berlin-Charlottenburg mit Materialien ausgestattet werden. Der Begabungskoffer wird fortlaufend aktualisiert und ergänzt.

Angebote der weiterführenden Schulen

Der Übergang von der Grund- auf die weiterführende Schule erfolgt in der Regel nach der sechsten Klasse. Aber auch ein Umstieg nach Klasse 4 auf ein sogenanntes grundständiges Gymnasium oder eine grundständige ISS, das oder die mit der 5. Jahrgangsstufe beginnt, ist möglich.

Diese Schulen haben besondere Profile, beispielsweise eine altsprachliche Ausrichtung, die einen früheren Beginn sinnvoll machen. Manche Schulen haben sich darüber hinaus auf die Förderung besonderer Begabungen spezialisiert, andere bieten Klassen für vielseitig Begabte an.

Mit Jahrgangsstufe 5 beginnen:

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Schulen mit ihren Profilen und besonderen Schwerpunkten sind im Online-Schulverzeichnis oder bei den Bilingualen Schulen abrufbar. Hier können Sie nach verschiedenen Kriterien und Angeboten recherchieren.

Angebote der Universitäten - Frühstudium

Weitere Informationen