Individuelles Lernen

Schülerinnen im Unterricht
Bild: SenBJW

Kinder verfügen über unterschiedliche Lernvoraussetzungen: Sie entwickeln sich unterschiedlich schnell, können und wissen unterschiedlich viel und lernen auf unterschiedliche Art und Weise. Individuelles Lernen heißt, dass jedes einzelne Kind im Mittelpunkt steht und entsprechend seiner Begabung und Fähigkeiten gefordert und gefördert wird.

Individuelles Lernen in der Grundschule

Juel 200 150
Bild: SenBJW

Der entscheidende Anspruch der Schule ist es, jede Schülerin und jeden Schüler bestmöglich individuell zu fördern. Deshalb haben sich die meisten Berliner Grundschulen für einen jahrgangsgemischten Unterricht in der Schulanfangsphase entschieden. Stärker als je zuvor wird der Fokus auf die unterschiedlichen Voraussetzungen und Befürfnisse jeder einzelnen Schülerin und jedes einzelnen Schülers gelegt.

Wie werden Kinder individuell gefördert?

Jahrgangsübergreifendes Lernen braucht einen differenzierten Unterricht mit dem Ziel, Kinder dort abzuholen, wo sie in ihrer Entwicklung stehen, und ihnen die Angebote zu machen, die sie für den nächsten Lernschritt benötigt.

Die Lehrerinnen ermitteln die „Lernausgangslage“ jedes Kindes. Das ist eine Art Bilanz seiner Fähigkeiten und Kenntnisse. Daraus entwickeln sie seine individuellen Lernziele und seinen speziellen Förderbedarf. Das bedeutet, dass sich der Unterricht auf jedes Kind mit seinen individuellen Voraussetzungen einstellt.

Hauptanliegen dabei ist, die Verschiedenheit der Kinder nicht als Hindernis für das gemeinsame Arbeiten anzusehen, sondern als Bereicherung und Chance für das gemeinsame Lernen. Eine klare Struktur des Unterrichts ist den Lehrerinnen und Erzieherinnen in jahrgangsübergreifenden Klassen daher besonders wichtig.

Leistungsdifferenziertes Lernen an den weiterführenden Schulen

Schüler in der Bibliothek
Bild: SenBJW

Schulen vermitteln heute nicht nur Wissen, sie bereiten auch auf das Leben vor. Der traditionelle Frontalunterricht ist ein Auslaufmodell, denn er orientiert sich zu sehr am Durchschnitt der Schülerschaft und berücksichtigt zu wenig die Verschiedenheit der einzelnen Schülerinnen und Schüler.

Moderne Unterrichtskonzepte stellen daher die Schüler in den Mittelpunkt, nicht die Fächer. Sie berücksichtigen unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten, Lernstile und Interessen und fördern selbstständiges, forschend-entdeckendes Lernen.

Auch in den weiterführenden Schulen erhalten alle Kinder die gleiche Chance zu erfolgreichem Lernen. Um leistungsstarke wie leistungsschwächere Schüler gleichermaßen fördern zu können, ist es erforderlich, dass sich die Schulen von der herkömmlichen Form des Unterrichts verabschieden, in dem alle Schüler den gleichen Stoff auf die gleiche Art und Weise zur gleichen Zeit lernen.

Individuelles Lernen in den Integrierten Sekundarschulen und den Gymnasien

Bunte Sammlung von Mensch Ärger Dich Nicht Figuren
Bild: Daniel Coulmann - Fotolia.com

Es gilt, differenzierte Unterrichtskonzepte zu entwickeln. Wie eine Sekundarschule ihren Unterricht leistungsdifferenziert und ihre Schülerinnen und Schüler bestmöglich individuell fördert, entscheidet sie selbst.

Leistungsstufen
Sie kann z. B. Kurse verschiedener Leistungsstufen – wie in der bisherigen Gesamtschule – einrichten, besondere Profile entwickeln, Klassen nach Neigungen bilden (z. B. Mathematikklassen, Musikklassen, Sprachklassen) oder die Schüler je nach Leistungsstand und Leistungsvermögen in unterschiedliche Kurse oder Lerngruppen einteilen, in denen Schüler mit unterschiedlichem Leistungsniveau gemeinsam lernen. An den Gymnasien erfolgt die Leistungsfifferenzierung hingegen meist innerhalb des Unterrichts.

Individuelles Lernen hält immer mehr Einzug in die Unterrichtsplanung – es bedeutet: Jeder lernt für sich individuell und mit anderen gemeinsam – alle lernen unterschiedlich im Hinblick auf Interesse, Motivation, Tempo, Vorkenntnisse und Leistungsvermögen.

Dies bedeutet aber nicht, dass Chaos im Klassenzimmer herrscht und jeder lernt, was er will. Es wird auch weiterhin feste Vorgaben für alle Fächer geben, sodass am Ende eines Schuljahres sich alle Schüler mit den für die jeweilige Jahrgangsstufe vorgesehenen Themenfeldern entsprechend ihrem Leistungsvermögen intensiv beschäftigt haben.

Individuelle Lernentwicklung
Unterschiedlich ist also nicht, was die Schüler lernen, sondern die Art und Weise, wie sie lernen und welche Kompetenzen (grundlegende, erweiterte oder vertiefende Kompetenzen) sie erworben haben. Dies geschieht beispielsweise durch individuelle Wochenpläne, Lernentwicklungspläne, Gruppen- und Projektarbeit, Förderkurse usw. Die Lernfortschritte werden auch weiterhin regelmäßig geprüft, um sicher zu stellen, dass die grundlegenden Kompetenzen vorhanden sind.

Unabhängig vom individuellen Leistungsvermögen können an Integrierten Sekundarschulen alle Schüler zum Schuljahresende in die nächst höhere Klassenstufe aufrücken, um in den vertrauten Zusammenhängen weiterhin an ihren Lernfortschritten zu arbeiten.
Leistungsstarke Schüler benötigen herausfordernde Aufgaben, um zu weiteren Spitzenleistungen angespornt zu werden. Dabei kann – durch die Teilnahme an Wettbewerben, wie zum Beispiel Jugend forscht oder die Zusammenarbeit mit Hochschulen – die Neugierde und das Interesse dieser Schülergruppe gestärkt werden.

Individualisiertes Lernen fördert und fordert eigenständiges Denken und Arbeiten und spornt jedes Kind an, so dass es weder überfordert noch unterfordert ist.

Auch Lehrerinnen und Lehrer lernen

Neue Formen des Unterrichts stellen auch neue Anforderungen an die Rolle des Lehrers. Schon lange geht es nicht mehr nur darum, Fachwissen zu vermitteln – verstärkt werden Pädagoginnen und Pädagogen Moderationsqualitäten abverlangt, die Lehrerinnen und Lehrer vermitteln Kompetenzen wie Präsentationstechniken, Gruppenarbeit und die Fähigkeit zum selbstständigen Arbeiten.

Dabei wird der Lehrer vom Einzelkämpfer zum Teamplayer, denn ohne die verstärkte Zusammenarbeit aller Pädagogen lässt sich individualisiertes, fachübergreifendes Lernen kaum effektiv vorbereiten und organisieren.

Den Lehrerinnen und Lehrern sowie den Schulleitungen wird einiges abverlangt, aber sie werden mit ihrem Engagement nicht allein gelassen: Ihnen stehen Fortbildungsangebote in den Bezirken und des Landesinstituts für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) im Rahmen eines umfangreichen Qualifizierungs- und Unterstützungsprogramms zur Verfügung.

Link zu: Broschüre individuelles Lernen
Bild: SenBJW

Handreichung für Schulen

Die Broschüre “Individuelles Lernen” widmet sich dem zentralen Feld der Unterrichtsentwicklung an Integrierten Sekundarschulen und Gemeinschaftsschulen, dem Umgang mit Heterogenität. Hier liegen besonders an integrierten Schulformen die großen Herausforderungen, an deren Bewältigung auch die neue Schulform in Berlin gemessen wird.
Durch ein breit angelegtes Begleit- und Qualifizierungsprogramm wird den Schulen dabei Unterstützung angeboten, was aber eigene Anstrengungen und Lösungswege nicht ersetzt, wie die vielfältigen Beispiele in diesem Heft anschaulich belegen.