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Wissenschaftliche Untersuchungen an Berliner Schulen

Symbolbild eines Kopfes mit einem Fragezeichen in der Mitte. Der Kopf ist umgeben von einem Labyrinth

Sie planen ein wissenschaftliches Projekt, in dem Daten in Berliner Schulen erhoben werden sollen? Dann benötigen Sie eine Genehmigung durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.

Genehmigung erforderlich
Größere Forschungsvorhaben sind genehmigungsbedürftig, aber auch kleinere empirische Studien im Rahmen von universitären Abschlussarbeiten (z.B. Bachelor oder Master), mündliche (z.B. Interviews) oder schriftliche Befragungen der Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte oder weiteren schulischen Personals sowie alle Ton- oder Videoaufnahmen in Schulen.

Genehmigung der Schulleitung
Nicht zentral genehmigungsbedürftig sind Unterrichtsbeobachtungen ohne Schülerbefragungen, Schülerbefragungen ohne Erhebung personenbezogener Daten im Rahmen eigener Unterrichtsversuche, wie sie auch im Rahmen von Schulpraktika üblich sind. Diese unterliegen aber einer Genehmigung der Schulleitung.

Erhebungen zur internen Evaluation, also Datenerhebungen, die von der Schule für die eigene Weiterentwicklung durchgeführt werden, sind ebenfalls nicht zentral genehmigungsbedürftig.

Datensparsamkeit
Es gilt das Prinzip der Datensparsamkeit. Erheben Sie bitte nur die Daten, die sie unbedingt benötigen, um ihre Fragestellung zu beantworten. Erkundigen Sie sich vor Antragsstellung, ob sie Ihre Frage mit Daten der Berliner Bildungsstatistik oder anderen Sekundärdaten (z. B. über https://www.fachportal-paedagogik.de/forschungsdaten/) beantworten können.

Datenschutz
Eine Genehmigung ist an die Bedingung geknüpft, dass die Erfüllung des Bildungs- und Erziehungsauftrages der Schule durch die Datenerhebung nicht unangemessen beeinträchtigt wird (§ 65 Abs. 2 SchulG) und die datenschutzrechtlichen Anforderungen eingehalten werden (§65 Abs. 3 SchulG).

Antragstellung

Ehe Sie einen Antrag stellen, informieren Sie sich bitte ausführlich zu den Datenschutzbestimmungen in der Bildungsforschung :

Die Teilnahme an Datenerhebungen ist immer freiwillig und eine Nicht-Teilnahme folgenlos. Darauf ist in den Schreiben und Erhebungsinstrumenten ausdrücklich hinzuweisen. Ausnahme bilden Datenerhebungen, die im Rahmen von internen und externen Evaluationen (§9 Abs. 4 SchulG) durchgeführt werden. Diese sind für die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und schulischen Mitarbeitenden verpflichtend. Dazu zählen beispielsweise größere Datenerhebungen im Rahmen von Vergleichsarbeiten wie VERA, PISA, TIMSS, IGLU oder Ländervergleiche / Bildungstrends.

Ihrem Genehmigungsantrag legen Sie bitte folgende Unterlagen bei:
  1. Antragsformular
  2. Erklärung der Schulleitung, dass die Schulkonferenz über das Forschungsvorhaben informiert wird
  3. Exposé mit ausführlicher Beschreibung der Erhebungsdurchführung (außer bei Abschlussarbeiten (BA/MA) ohne Erhebung personenbezogener Daten oder besonderer Kategorien personenbezogener Daten)
  4. Muster aller Erhebungsinstrumente
  5. Muster der informierten Einwilligung für alle teilnehmenden Zielgruppen (inkl. Informationsteil, datenschutzrechtliche Aufklärung und informierte Einverständniserklärung);
  6. Muster der informierten Einwilligung der Erziehungsberechtigten bei Schülerinnen und Schülern, die noch nicht das 14. Lebensjahr vollendet haben
  7. Informationsschreiben an die Schulleitung zur konkreten Information über die geplante Studie
  8. Muster der Codierungsliste (bei Panelstudien oder mehreren Datenquellen)
  9. Bestätigung der betreuenden Person der Arbeit (bei Qualifikationsarbeiten)
Das ausgefüllte Antragsformular und die Unterlagen senden Sie bitte in einem zusammengefügten PDF ausschließlich per E-Mail an:

Sie erhalten innerhalb von zwei Wochen eine Bestätigung über den Eingang Ihrer Unterlagen. Die Bearbeitung des Antrags dauert bis zu 10 Wochen.

Kontakt

Dr. Anne Jurczok: 030 90227-5627
Dr. Franziska Nikolov: 030 90227-5829

Hinweise zu den benötigten Dokumenten

Antragsformular

Halten Sie sich bei dem Antrag kurz und antworten Sie so gut es geht in Stichworten. Das Formular hilft uns einen schnellen Überblick über Ihren Antrag zu erhalten. Ausführlichere Beschreibungen der Erhebungsdurchführung kommen in das Exposé.

Einverständniserklärung der Schule

Vor Einholung der Genehmigung müssen Schulen für das Forschungsvorhaben gewonnen werden und zustimmen. Die Teilnahme der Schulen an Untersuchungen/Befragungen ist grundsätzlich freiwillig. Die Schulleitung muss bestätigen, dass die Schulkonferenz über das Vorhaben informiert wurde, bzw. wird.

Die Zustimmung ist unter Vorbehalt, erst nach der Genehmigung durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Famile darf die Erhebung durchgeführt werden. Vorher sollten keine Erhebungstermine mit der Schule festgelegt werden. Der Erhalt der Genehmigung ist keine Verpflichtung für die Schulen. Schulen haben jederzeit das Recht von ihrer Zustimmung zurückzutreten. Nach der Genehmigung müssen die Schulen das Informationsschreiben für die Schulleitungen mit konkreten Informationen zur Studie und allen Instrumenten erhalten, um ausreichend informiert zu sein, wozu sie ihr Einverständnis geben.

Die Schulerklärung ist Voraussetzung für die Antragsstellung. Ohne sie kann keine Genehmigung erfolgen bzw. das Genehmigungsverfahren nicht begonnen werden.

Sonderfall Befragung von Schulpsychologinnen und -psychologen:
Wenn Sie Schulpsychologinnen oder -psychologen befragen möchten, benötigen Sie die Einverständniserklärung der zuständigen SIBUZ-Leitung.

Exposé

Bitte reichen Sie zusätzlich zum Antragsformular ein Exposé ein. Das Exposé umfasst alle Informationen, die nicht aus den anderen Unterlagen hervorgehen. Insbesondere muss Ihr genaues Vorgehen bei der Datenerhebung und der Umgang mit den Daten deutlich werden.

Wenn Sie im Rahmen Ihres Studiums (z.B. Master) eine Abschluss- oder Qualifikationsarbeit schreiben, brauchen Sie das Exposé nur dann einreichen, wenn Sie eine Studie mit mehreren Erhebungszeitpunkten durchführen, mehrerer Datenquellen miteinander verknüpfen, personenbezogene Daten oder besondere Kategorien personenbezogener Daten erheben wollen.

Erhebungsinstrumente

Reichen Sie bitte alle Fragebögen, Tests oder Leitfäden (z.B. für Interviews oder Videographien) in ihrer endgültigen Fassung ein. Im Nachhinein darf lediglich die Formatierung angepasst werden. Sollten Sie Forschungsmethoden nutzen, die formative Erhebungen erfordern und somit ggf. auch Anpassungen in den Erhebungsinstrumenten, dann machen Sie das im Exposé deutlich und sprechen das individuell mit uns ab.

Wenn Sie mit standardisierten und validen Skalen/Instrumenten arbeiten, dann geben Sie im Antragsformular bitte die Quelle des Instruments an. Listen Sie hier lediglich die anvisierte Durchführungszeit und abgefragten Kategorien auf und machen Sie deutlich, ob und welche personenbezogenen Daten erhoben werden.

Versuchen sie Freitextfelder zu vermeiden oder so wenig wie möglich zu nutzen. Verwenden Sie beispielsweise die Antwortmöglichkeit „Sonstiges“, wenn das nicht geht, dann geben Sie bitte den Hinweis „Bitte keine personenbezogenen Angaben“. Ebenso ist auf das sogenannte Reanonymisierungspotenzial zu achten, d.h. allgemeine Fragen sind unproblematisch (z.B. „Wurdest du in Deutschland geboren? Ja/ Nein“), wohingegen konkretere Fragen problematisch für die Genehmigung sein können (z.B. „In welchem Land wurdest du geboren?“).

Auch Schülerteilnahmelisten/Codierungslisten sowie Beobachtungsbögen müssen eingereicht werden.

Tendenziell ist darauf zu achten, dass möglichst wenige personenbezogene Daten in den Fragebögen erhoben werden, und wenn, dann nur solche, die für den Zweck der Studie absolut unerlässlich sind. Das Erheben von Namen und Geburtsdaten ist unzulässig.

Strikt einzuhalten ist das Recht der informationellen Selbstbestimmung. So ist das Einholen von Informationen über Dritte (also z. B. über Erziehungsberechtigte) zustimmungspflichtig. Fragen nach den Bildungsabschlüssen der Eltern, Einkommen, Berufen etc. bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Erziehungsberechtigten oder aber eines separaten Fragebogens für Erziehungsberechtigte.

Informierte Einwilligung für alle teilnehmenden Zielgruppen

Alle Zielgruppen der Erhebung erhalten ein Anschreiben, welches sie über die Studie informiert, auf dessen Grundlage sie sich für oder gegen eine Teilnahme entscheiden können.

Das Anschreiben besteht in der Regel aus drei Teilen: 1) Informationsteil, 2.) datenschutzrechtliche Aufklärung, 3.) informierte Einwilligungserklärung. Werden keine personenbezogenen oder besonderen Kategorien personenbezogener Daten erhoben (auch keine Video- oder Tonaufnahmen), dann entfällt die Datenschutzerklärung.

Formulierungsbeispiele für informierte Einwilligungen finden sie hier (bitte nutzen Sie diese): https://www.forschungsdaten-bildung.de/einwilligung#informierte-einwilligung

Achten Sie in allen drei Teilen des Anschreibens unbedingt darauf, dass die Angaben verständlich für die Zielgruppe sind (besonders bei Schülerinnen und Schülern), es eine klare Zweckbindung der Datenverarbeitung gibt und dass die Freiwilligkeit und Folgenlosigkeit der Nicht-Teilnahme sowie die Möglichkeit des Widerrufs deutlich hervorgeht.

Häufig wird die informierte Einwilligung bei Kindern und Jugendlichen (jünger als 14 Jahre) vergessen, bei denen die Erziehungsberechtigten die Einwilligung geben müssen. Auch diese Zielgruppe muss über die Ziele, den Zweck und die Freiwilligkeit der Studie informiert werden. Es sollte hier ganz besonders auf Verständlichkeit geachtet werden. Beispiele finden sie ebenfalls hier: https://www.forschungsdaten-bildung.de/einwilligung#informierte-einwilligung.

1. Informationsteil
Dieser Teil informiert über die Ziele, den Zweck und die Freiwilligkeit der Erhebung. Orientieren Sie sich bei der Formulierung des Informationsteils gern an den Formulierungsbeispielen des VerbundFDB (Seite 2: https://www.forschungsdaten-bildung.de/files/fdbinfo_4.pdf).

2. Datenschutzrechtliche Aufklärung
Bei Erhebungen in Schulen werden häufig personenbezogene oder personenbeziehbare Daten erhoben, z.B. das Alter, Angaben zur Schullaufbahn, ethnische Herkunft. Sobald personenbezogene Daten erhoben werden, müssen die Befragten darüber informiert werden, wie der Schutz ihrer Daten gewährleistet wird, welche Rechte sie haben und sie müssen in die Datenerhebung einwilligen (Art. 4 Nr. 11 DSGVO).

Die datenschutzrechtliche Aufklärung muss folgende Angaben beinhalten:
• Zugrundeliegende Datenschutz-Richtlinien
• Hinweis auf Datenarten
• Verwendungszwecke
• Aufbewahrung und Zugriff
• Veröffentlichung der Ergebnisse
• Ggf. weitere Nutzung
• Hinweis auf die Rechte der Betroffenen
• Kontaktdaten der verantwortlichen Stelle

Orientieren Sie sich bei der Formulierung der datenschutzrechtlichen Aufklärung gern an den Formulierungsbeispielen des VerbundFDB (Seite 3-5: https://www.forschungsdaten-bildung.de/files/fdbinfo_4.pdf).

3. Informierte Einwilligungserklärung
Die informierte Einwilligungserklärung besteht aus Textpassagen zur Informiertheit, Hinweisen zur Freiwilligkeit, Folgenlosigkeit bei Nichtteilnahme, Widerrufsrecht, zur Aufbewahrung der Einwilligungserklärung sowie aus der Erklärung selbst. Die Einwilligung zur Erhebung von Daten muss nach Art 4. Nr. 11 DSGVO gegeben werden, sie muss jedoch nicht in jedem Fall durch eine Unterschrift erteilt werden. Die Einwilligung kann auch mündlich oder durch die Teilnahme an der Erhebung erklärt werden.

Bei Kindern und Jugendlichen vor Vollendung des 14. Lebensjahres muss die Einwilligungserklärung von den Erziehungsberechtigten unterschrieben werden. Dafür muss dann zusätzlich zur informierten Einwilligung für die Schülerinnen und Schüler auch eine informierte Einwilligung an die Erziehungsberechtigten angefertigt werden.

Die Einwilligungserklärung muss einen Bereich zum Abtrennen aufweisen, den die Erziehungsberechtigten des Kindes unterschreiben und der Schule zurückreichen müssen. Die Einwilligungserklärung muss in der Schule (!) in der Regel für ein Schuljahr archiviert werden.

Orientieren Sie sich bei der Formulierung der Einwilligungserklärung gern an den Formulierungsbeispielen des VerbundFDB (Seite 6-7: https://www.forschungsdaten-bildung.de/files/fdbinfo_4.pdf).

Informationsschreiben an die Schulleitung

Das Informationsschreiben an die Schulleitung soll konkrete Informationen über die geplante Studie enthalten, d.h. über Fragestellung(en), Ziel(e), Durchführung und Datenschutzregelungen. Zudem müssen den Schulleitungen die Muster aller Instrumente vorliegen, sodass sie sie für alle Teilnehmenden zur Ansicht in der Schule auslegen können. Durch das Informationsschreiben soll die Schulleitung ausreichend darüber informiert werden, wozu das Einverständnis gegeben wird. Das finale Informationsschreiben wird verschickt, wenn Sie die Genehmigung der Senatsverwaltung erhalten haben.

Bevor Sie den Genehmigungsantrag bei uns einreichen, müssen Sie natürlich Schulen für die Teilnahme gewinnen und die Einverständniserklärung der Schulkonferenz einholen. Sie können ein erstes Informationsschreiben zu diesem Zeitpunkt schon an die Schulleitungen schicken. Sobald die Studie von uns genehmigt wurde, müssen Sie aber das von uns kommentierte Informationsschreiben mit allen Erhebungsinstrumenten erneut an die Schulen schicken. Erst nach diesem Informationsschreiben erteilen die Schulen ihr finales Einverständnis.

Muster der Codierungsliste

Bei Panelstudien oder der Verbindung verschiedener Datenquellen (z. B. Lehrkräfte-Fragebogen mit Schülerbefragung) werden Verfahren zur Wiedererkennung der Befragten eingesetzt, z. B. über Codierungslisten.

Bestätigung der betreuenden Person an der Hochschule

Bei Qualifikationsarbeiten ist die Bestätigung der betreuenden Person (in der Regel Mitarbeitende der Hochschule) erforderlich.

FAQ - Häufig gestellte Fragen zur Antragstellung

PDF-Dokument (1.5 MB)