Kindertransport-Familien: Vermächtnisse im Dazwischen
Gedenkfeier der AJR zum Holocaust-Gedenktag 2025. Die AJR betrachtet sich als Flüchtlingsfamilie und lädt alle Nachfahren, Forschende und all jene, die sich der Erinnerung, der Gerechtigkeit und der Aufklärung verpflichtet sehen, herzlich ein, Teil dieser Gemeinschaft zu sein
Bild: (c) Adam Soller Photography
Dieser Kindertransportanhänger half Amy Williams, die Listen im Archiv zu identifizieren
Bild: Courtesy of Hanna Zack Miley
Angeregt von „aktuell“ habe ich darüber nachgedacht, was es bedeutet, mit der Geschichte der Kindertransporte verbunden zu sein. Die Überlebenden und ihre Familien stehen in unmittelbarer Beziehung. Andere, wie ich, sind nur mittelbar verbunden und dennoch Teil der umfassenderen Kindertransport-Gemeinschaft. Was ist eine Kindertransport-Familie? Was macht eine Berliner Kindertransport-Familie einzigartig? Wie hat sich eine solche Familie über die Zeit verändert? Wie hält sie ihre Erinnerungen lebendig? Wie bewahrt man Kontakt zu einer weit verstreuten Familie oder zu einer Familie, die es nicht mehr gibt? Und schließlich, was für eine Zukunft hat eine Kindertransport-Familie?
Während meines Forschungsstipendiums in Yad Vashem im Jahr 2024 fand ich Transportlisten, die bis dahin als verloren galten. Auch hatte ich die Möglichkeit, Einblick in Tausende von Akten in der israelischen Nationalbibliothek zu nehmen. Inzwischen habe ich in weiteren Ländern noch mehr Listen, Fallakten und Behördenberichte gefunden, die noch nicht umfänglich wissenschaftlich untersucht worden sind.
Um mehr über die Kindheit von Überlebenden zu erfahren, haben wir uns seit Jahren auf Zeugenaussagen und persönliche (Ego-)Dokumente verlassen. Jetzt aber können wir diese Zeugenaussagen mit historischen Dokumenten verknüpfen und so rekonstruieren, wer die Kinder-transport-Familien waren. Manche Kinder wussten nicht, wo ihre Familien gelebt hatten, aber die Transportlisten geben uns Auskunft über ihre Heimatadressen. Die Listen helfen uns bei der Einschätzung, wie viele Kinder Berlin im Rahmen der Transporte verlassen haben, und somit ebenso, wie viele Familien betroffen waren. Wir werden uns auch an die Kinder erinnern können, die zwar einen Transportplatz hatten, aber nicht mitfahren konnten. Ihre Schicksale können nun in die Geschichte der Kindertransporte aufgenommen werden. Ihre Familien werden als Kindertransport-Familien anerkannt werden, auch wenn ihre Kinder nicht geflohen sind. Wir werden auch das Schicksal von Familienmitgliedern der geflohenen Kinder nachverfolgen können, also das ihrer Eltern und Geschwister, die nicht fliehen konnten.
Das Familienleben der Berliner Kinder war unglaublich vielfältig. Einige kamen aus orthodoxen Familien, andere hingegen hatten einen religiös nicht praktizierenden oder multireligiösen Hintergrund. Noch andere kamen aus Waisenhäusern und hatten deswegen keine Verbindungen zu ihren Herkunftsfamilien.
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Der Regierende Bürgermeister von Berlin
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Redaktion Zeitschrift aktuell
Amelie Müller