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Editorial

Wowereit

viel tut sich in Berlins Jüdischer Gemeinde: Nach 70 Jahren gibt es wieder eine Rabbinerin. Sie heißt Gesa Ederberg, ist 38 Jahre jung und wurde im Februar 2007 offiziell in ihr Amt gewählt. Sie ist keine Unbekannte mehr, denn sie predigt bereits seit fünf Jahren in der Synagoge. Künftig kann sie das auch in der Rykestraße tun. Denn diese größte deutsche Synagoge erstrahlt nach langen Renovierungsarbeiten in neuem Glanz. Zu der feierlichen Zeremonie kamen nicht nur Vertreter der Bundesregierung und des Berliner Senats, es kamen auch Menschen, die hier einst gebetet hatten, bis zur Schändung dieses Gotteshauses durch die Nazis. Darunter mit Professor Leo Trepp der wohl letzte lebende Rabbiner, der in der Rykestraße gepredigt und die Verfolgung und Vertreibung der Gemeindemitglieder erlebt hatte. Mehr als Tausend Menschen können in dieser Synagoge beten. Ich hoffe und wünsche, dass sie oft bis zum letzten Platz gefüllt ist.

Auch an anderen Orten der Stadt erblühen jüdisches Leben und jüdische Kultur. In Charlottenburg entstand eine neue Synagoge. Sie wurde von dem russischen Star-Architekten Sergei Tchoban entworfen und gehört zum neuen Jüdischen Bildungs- und Familienzentrum der Organisation Chabad Lubawitsch. Und Daniel Libeskind hat „seinem“ Jüdischen Museum einen Glashof gebaut – eine weitere Attraktion für dieses bei Touristen wie Berlinern ungemein beliebte Haus.

Ein neues Highlight für Berlin sind auch die frisch sanierten und neugestalteten Säle des Museums für Naturkunde. Dort wurde nicht nur der Brachiosaurus, das weltweit größte Dinosaurierskelett nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen aufgestellt. Die Dauerausstellung „Evolution in Aktion“ zeigt auch wunderbare Exponate des Hauses in einzigartiger Anmutung. Kein Wunder, dass sich im Sommer lange Schlangen vor dem Museum bildeten.

Eine ebenfalls tierische, aber höchst lebendige Attraktion heißt „Knut“. Er wurde zum vielleicht berühmtesten Berliner des Jahres. Knut ist ein inzwischen gar nicht mehr so kleiner Eisbär aus dem Zoo, der von seinem Pfleger mit der Flasche großgezogen wurde. Knut wurde Kult. Menschen aus aller Welt kamen nach Berlin, nur um Knut zu sehen. Vor seinem Gehege, in dem er mit seinem Pfleger Thomas Dörflein tollte, bildeten sich lange Schlangen. Sie haben noch nie von Knut gehört? Dann lesen Sie den Artikel in dieser Ausgabe von aktuell.

Großen Zuspruch fand auch die Wiedereröffnung der Kongresshalle als Haus der Kulturen der Welt. Vor einem halben Jahrhundert wurde dieses Gebäude, das wegen seiner markanten Architektur bei den Berlinern „Schwangere Auster“ heißt, als internationale Stätte des Austauschs und der Begegnungen fertiggestellt. Es war ein Geschenk der amerikanischen Regierung. 1980 stürzte das Dach ein. Nach siebenjähriger Sanierung wurde die Kongresshalle zur 750-Jahrfeier Berlin 1987 wiedereröffnet und zwei Jahre später als Stätte internationaler Kultur-Begegnungen neu aufgestellt. Jetzt ist das Haus der Kulturen der Welt komplett renoviert worden und Berlin verfügt nun über einen weiteren, bedeutenden Ort für zeitgenössische außereuropäische Künste und grenzüberschreitende Projekte.

Es gibt noch mehr Neues und Interessantes aus Ihrer ehemaligen Heimatstadt. Sie finden es in diesem Heft. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.


Ihr
Klaus Wowereit
Regierender Bürgermeister von Berlin