Synagogen in Berlin: Zeitzeugnisse und neues jüdisches Leben

Von den einst zahlreichen Synagogen in Berlin haben nur wenige die Zeit des Nationalsozialismus überstanden. Wo diese zu finden sind und wie sie besichtigt werden können.
Synagoge im Prenzlauer Berg
Die Synagoge an der Rykestraße im Ortsteil Prenzlauer Berg. © dpa

Die jüdische Gemeinde zu Berlin, die größte in Deutschland, listet acht Gotteshäuser verschiedener jüdischer Glaubensrichtungen in der Hauptstadt. Im Gegensatz zu Kirchen handelt es sich bei einer Synagoge nicht um einen geweihten Raum, weshalb sich die Gemeindemitglieder dort auch für Veranstaltungen und zum Austausch treffen. Führungen in den Synagogen sind nach vorheriger Anmeldung bei der Gemeinde eingeschränkt möglich.

Kuppel der Synagoge der jüdischen Gemeinde Berlin
Kuppel der Synagoge der jüdischen Gemeinde Berlin

Oranienburger Straße

Die goldene Kuppel der ehemaligen "Neuen Synagoge" fällt im Straßenbild schon von weitem auf, was dieses Gotteshaus zur wohl bekanntesten Synagoge in Berlin macht. Das Gebäude entstand zwischen 1859 und 1866 und war mit einst 3000 Sitzplätzen die größte und prächtigste Synagoge in Deutschland. Bei einem Bombenangriff im November 1943 wurde das Gebäude weitgehend zerstört, die Reste wurden 1958 gesprengt. Ab 1988 wurde der zur Straße gelegene Teil wieder aufgebaut, darunter auch die Kuppel im maurischen Stil. Diese kann von April bis September besichtigt werden. Die Dauerausstellung im Centrum Judaicum im Vorderbau wird bis Frühjahr 2018 neu gestaltet und bleibt deshalb geschlossen. Sie zeigt die Geschichte der Synagoge und des jüdischen Lebens in Berlin.

Fraenkelufer

Das Gebäude mit den auffälligen blauen Säulen am Ufer des Landwehrkanals in Kreuzberg wurde zwischen 1913 und 1916 im klassizistischen Stil erbaut und bot Platz für bis zu 2000 Personen. In der Pogromnacht wurde die Synagoge schwer beschädigt und später in der Jahren 1958 bis 1959 abgerissen. Das heutige konservative Gotteshaus ist in einem früheren Nebengebäude, der Jugendsynagoge, eingerichtet.

Herbartstraße

Die liberale Synagoge in Charlottenburg ist ein Neubau aus dem Jahr 1981 und an das Jeanette-Wolff-Seniorenzentrum und das Leo-Baeck-Altenwohnheim angeschlossen. Im Eingangsbereich des Gotteshauses wurden der Überlieferung nach Säulen aus der Synagoge in der Oranienburger Straße verbaut.

Tiferet Israel

Die neueste Synagoge Berlins eröffnete 2006 in der Passauer Straße. Aus einer Zusammenkunft in den Privaträumen eines Rabbiners entstand die erste Synagoge der sefardischen Glaubensrichtung im Berlin der Nachkriegszeit. Kulinarisch interessierte Besucher können sich im Erdgeschoß des Gebäudes mit israelischen Spezialitäten versorgen.

Synagoge Rykestraße
Innenraum der Synagoge Rykestraße

Rykestraße

Im Ortsteil Prenzlauer Berg befindet sich eine der schönsten und am besten in ihrer ursprünglichen Gestalt erhaltenen Synagogen Berlins. Das Backsteingebäude in den Formen einer neoromanischen Basilika wurde im Jahr 1904 eingeweiht. Einst fanden 2000 Menschen Platz in dem Gotteshaus. Nach der behutsamen Sanierung, die 2007 abgeschlossen wurde, hat die Synagoge heute 1200 Plätze und erstrahlt in neuer Pracht. In der Nähe der Synagoge liegt der jüdische Friedhof an der Schönhauser Allee, auf dem bedeutende jüdische Persönlichkeiten ihre letzte Ruhe fanden.

Joachimsthaler Straße

In dem Gebäude der zentralen orthodoxen Synagoge Berlins befand sich früher die jüdische Loge Bnei Brith, für die das Haus 1901 erbaut wurde. Es wurde bis 1961 renoviert, als im ehemaligen großen Logensaal eine askenasisch-orthodoxe Synagoge mit Platz für 300 Menschen eröffnete.

Pestalozzistraße

Die Synagoge in einem Charlottenburger Hinterhof ist eine der wenigen intakt gebliebenen, die heute wieder als jüdisches Gotteshaus genutzt werden. Das Gebäude wurde in den Jahren 1911 bis 1912 erbaut. Aufgrund ihrer Hinterhoflage wurde sie in der Pogromnacht nicht in Brand gesteckt, aber dennoch stark beschädigt. Bereits im September 1947 konnte die Synagoge wieder eröffnet werden, seitdem finden dort Gottesdienste nach liberalem Ritus statt.

Sukkat Schalom

Die Synagoge entstand 1945 während der Besatzungszeit als Chaplain Center der US-Streitkräfte für Angehörige jüdischen Glaubens. 2013 zog die reform-egalitäre Gemeinde in die Synagoge an der Herbartstraße um. Die vorher genutzten Räume im Hüttenweg sind seitdem nicht mehr zu besichtigen.

Jüdische Gemeinde wächst

Die Geschichte des jüdischen Lebens in Berlin ist von Vertreibung und Trauer gezeichnet. Lebten 1925 noch 173.000 Menschen jüdischen Glaubens in der Stadt, waren es nach der Zeit des Nationalsozialismus nur noch 9.000, die im Untergrund oder in einer Ehe mit einem nichtjüdischen Ehepartner überlebt hatten. Heute ist die jüdische Gemeinde in Berlin mit mehr als 12.000 Mitgliedern die größte in Deutschland.

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Quelle: Berlin.de
Aktualisierung: 31. Januar 2018
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(Bilder: dpa; Ampelmann GmbH; Berlinonbike.de; Rent-a-guide; Accor Hotels; Berlin WelcomeCard; Antje Kraschinski/BerlinOnline; Antje Kraschinski/ BerlinOnline)