Editorial

Portrait des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller
Bild: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin/Marco Urban

Liebe Leserin, lieber Leser,

Berlin verändert sich ständig. Vieles entsteht neu in der Stadt. Und manchmal gibt es auch einen neuen Regierenden Bürgermeister. Gestatten: Michael Müller, geborener Tempelhofer und dort bis heute mit seiner Familie lebend. Seit Mitte Dezember letzten Jahres bin ich Regierender Bürgermeister von Berlin. Zuvor war ich Senator für Stadtentwicklung und Umwelt. Ich freue mich, Sie ab jetzt an dieser Stelle begrüßen zu dürfen und Sie auf die neueste Ausgabe von aktuell einzustimmen.

Vorab möchte ich Ihnen sehr herzlich danken für Ihr großes Interesse an Ihrer Heimatstadt, mit der Sie großes persönliches Leid verbinden, die Sie aber trotzdem voll Sympathie im Herzen tragen. Die Bande, die Sie auch über aktuell zu Berlin knüpfen, sind wichtig für unsere Stadt, die nie vergisst, was sie Juden in der Zeit des Nationalsozialismus angetan hat. Auch 2015 ist ein wichtiges Gedenkjahr. Berlin erinnert an die Befreiung vom Nationalsozialismus vor 70 Jahren. Dem 8. Mai 1945, der bedingungslosen Kapitulation Hitler­Deutschlands (mehr dazu in diesem Heft) ging der 2. Mai voraus, an dem Berlin kapitulierte. Und wir wollen in diesem Zusammenhang nicht die Befreiung von Auschwitz vor 70 Jahren, am 27. Januar 1945, vergessen, mit der auch für viele deportierte Berliner Jüdinnen und Juden ein unermessliches Martyrium endete.

Berlin begeht die Befreiung mit einem Festakt, auf dem Stimmen von Zeugen des Geschehens rund um das Kriegsende zu hören sein und der Bundesaußenminister Frank­-Walter Steinmeier sprechen werden. Und noch eine aktuelle Neuigkeit aus Berlin möchte ich Ihnen mitteilen: W. Michael Blumenthal, der Gründungsdirektor des Jüdischen Museums Berlin, ist zum jüngsten Ehrenbürger von Berlin ernannt worden. W. Michael Blumenthal stammt aus Oranienburg, ist aber im Kindesalter mit seiner Familie nach Berlin gezogen. Von dort gelang 1939 die Flucht vor dem Nazi­-Terror. Von Shanghai emigrierte die Familie 1947 in die USA. Dort gelang W. Michael Blumenthal eine herausragende Karriere in Politik und Wirtschaft, die ihn 1977 in das Amt des Finanzministers unter Präsident Jimmy Carter führte.

Mit der Wiedervereinigung richtete sich W. Michael Blumenthals Blick auf Berlin und er begann, sich wieder stark für seine alte Heimat zu interessieren. Er schrieb Bücher über die deutsch-­jüdische und besonders über seine Familiengeschichte. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas fand in Blumenthal einen engagierten Unterstützer. 1997 wurde er Gründungsdirektor des Jüdischen Museums Berlin, das er aus dem Stand zu einer weltweit beachteten Institution profilierte, die sich vorbildlich deutsch-­jüdischer Geschichte annimmt. Im September 2014 übergab er das Amt an seinen Nachfolger, den hoch angesehenen Judaisten Peter Schäfer.

Mit W. Michael Blumenthal hat sich eine völkerverbindende Persönlichkeit in und für Berlin herausragend für die deutsch­-jüdische Verständigung eingesetzt und diese Stadt wieder auf die Weltkarte jüdischer Kultur und Lebensweise gesetzt.

Bereits in der letzten Ausgabe von aktuell berichteten wir auf Seite 30 über Berlins jüngsten Ehrenbürger. Auch die Beiträge in diesem Heft bringen Ihnen viel Neues aus Berlin.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Ihr Michael Müller
Regierender Bürgermeister von Berlin