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Editorial

Portrait Michael Müller - Regierender Bürgermeister von Berlin
Bild: Senatskanzlei/Martin Becker

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

auch 26 Jahre nach der Wiedervereinigung steht Berlin nicht still. Die Stadt wächst und verändert sich. Anfang September haben wir das Richtfest für den neuen U-Bahnhof „Rotes Rathaus“ gefeiert. Er gehört zu der neuen Strecke der U-Bahnlinie 5, die den Hauptbahnhof mit dem Alexanderplatz verbindet. Allein an dieser Achse liegen mit dem Humboldtforum, der Museumsinsel, der Staatsoper und der Staatsbibliothek Unter den Linden zahlreiche große Bauprojekte. Und hinter dem Hauptbahnhof wird der Masterplan Berlin Heidestraße für ein neues Stadtquartier umgesetzt. Allein die Darstellung dieser Projekte würde mindestens eine Ausgabe von aktuell füllen.

Nicht weniger aufregend sind die Veränderungen in der City-West zwischen Bahnhof Zoo und Tauentzienstraße. Fast könnte man dem Kunstkritiker Karl Scheffler zustimmen, der schon vor hundert Jahren meinte, Berlin sei „dazu verdammt, immerfort zu werden und niemals zu sein“. Vielleicht kann man etwas nüchterner feststellen, dass unsere Stadt nach Krieg und Teilung einiges nachzuholen hat. Hinzu kommt die große Attraktivität Berlins für Menschen aus aller Welt. Sie werden angezogen durch die Freiheit, Toleranz und Weltoffenheit unserer Stadt, sie gründen Start-ups, arbeiten in Kultur und Wissenschaft oder in Technologie-Unternehmen und werden selbst zum Motor der Veränderung. Dieser Wandel ist gut, erschafft Jobs und Wirtschaftskraft. Das stärkt Berlin. Zugleich gilt es, Verwerfungen entgegenzusteuern und zum Beispiel gegen Wohnraumverknappung und Mietenanstieg anzugehen.

Der Wandel Berlins ist ein roter Faden der Berichterstattung von aktuell. Mal sind es die größeren, mal die kleineren Veränderungen. In diesem Heft können Sie nachlesen, wie sich eine bedeutende Berliner Institution, nämlich das KaDeWe, auf den Wandel im Einzelhandel einstellt, nämlich mit einem spektakulären Umbau. Sie erfahren, wie die Berliner Stadtreinigung gegen Müllberge und Verwahrlosung in den Berliner Parks und Grünanlagen vorgeht, die in unserer wachsenden Stadt auch stärker beansprucht werden, zumal im Sommer, wenn viele Menschen Grünflächen zu ihrem Wohnzimmer machen.

Wachstum und Wandel bedeuten in Berlin immer auch, dass der Blick zugleich nach vorn und nach hinten gerichtet ist. Wo Neues entsteht, wird zunächst Geschichte freigelegt. Viele Neu-Berlinerinnen und -Berliner sind sehr interessiert an den zeitgeschichtlichen Spuren der Orte, an denen sie leben. Und oft engagieren sie sich für das Erinnern, wie das Beispiel von Gudrun Schottmann und Christof Kurz zeigt, die in Niederschönhausen ein Haus bewohnen, das bis zu seiner Enteignung in den dreißiger Jahren dem Fabrikanten-Ehepaar Latte gehörte. Selma und Paul Latte hatten einen Teil ihres Grundstückes einer bis vermutlich 1941 existierenden Hachscharah-Einrichtung zur Verfügung gestellt. Wie aus persönlichem Antrieb ein eindrucksvolles Gedenkprojekt wurde, lesen Sie neben anderen interessanten Beiträgen in dieser Ausgabe von aktuell. Dazu wünsche ich Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Michael Müller
Regierender Bürgermeister von Berlin