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Editorial

Portrait Michael Müller - Regierender Bürgermeister von Berlin
Bild: Lena Giovanazzi

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

vor Ihnen liegt druckfrisch die 100. Ausgabe von aktuell. Das ist ein Jubiläum, das mich stolz macht. Der Grund dafür sind Sie: die treuen Leserinnen und Leser in aller Welt. Für Sie machen wir diese Zeitschrift. Wir wollen Sie auf dem Laufenden halten, was in Ihrer alten Heimatstadt, aus der viele von Ihnen vor mehr als sieben Jahrzehnten fliehen mussten, so alles geschieht. Was aber wäre aktuell ohne seine Leserinnen und Leser? Sie nutzen die Möglichkeit, mit eigenen Beiträgen, Briefen und Suchanzeigen untereinander zu kommunizieren, gemeinsam zu trauern oder sich daran zu erfreuen, dass alte Freunde und Bekannte überleben konnten und wohlauf sind. Ihre Berichte und Nachrichten machen aktuell zu einer wohl weltweit einzigartigen Zeitschrift. Auch junge Leserinnen und Leser nehmen Anteil an Ihren Lebensgeschichten und Ihren Schicksalen. Auf diese Weise sorgt aktuell nicht nur dafür, dass das alte Band zwischen Ihnen, die Sie in der Nazizeit fliehen mussten, und Ihrer Heimatstadt Berlin nicht abreißt. Zugleich entsteht ein neues Band zwischen Ihnen und jüngeren Generationen von Berlinerinnen und Berlinern, die Ihre Berichte lesen und sich für Ihre Geschichte interessieren. Daraus sind bis heute manche Verbindungen gewachsen, die von Korrespondenzen über die Verlegung von Stolpersteinen bis zu Besuchen reichen.

Als aktuell 1970 zum ersten Mal erschien, hatte der West-Berliner Senat gerade das Emigrantenprogramm aufgelegt. Seither haben mehr als 35.000 vor den Nazis geflohene Berlinerinnen und Berliner die Gelegenheit genutzt, Ihre Heimatstadt zu besuchen. Das ist ein großer Erfolg. Ich weiß, vielen ist der Entschluss sehr schwergefallen. Zu viel Trauer und Schmerz sind damit verbunden. Umso mehr freut es mich, dass eine so große Zahl Menschen Vertrauen gefasst und ihre Geburtsstadt besucht hat. Die oft begeisterten Reaktionen der Besucherinnen und Besucher zeigen, wie wichtig dieses Programm ist.

„Vieles in dieser Stadt hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten geändert. Eine neue Generation von aufgeschlossenen Bürgern ist herangewachsen. (…) Das freie Berlin ist eine pulsierende, tolerante und lebensbejahende Stadt. (…) Alle Berliner – wo immer sie auch leben – sollen stolz darauf sein dürfen, Berliner zu sein.“ So schrieb Klaus Schütz, von 1967 bis 1977 Regierender Bürgermeister West-Berlins, im Editorial der ersten Ausgabe von aktuell. Heute kann man feststellen: Der Wandel gehört zu Berlins DNA. Das bewiesen nicht zuletzt die rasanten Veränderungsprozesse, die durch die friedliche Revolution, durch Mauerfall und Wiedervereinigung ausgelöst wurden. Sie darüber kompetent zu informieren wird auch künftig eine wichtige Aufgabe von aktuell sein.

Vom Wandel soll auch diese Zeitschrift profitieren. Die 100. Ausgabe präsentiert viel Neues. Erstmals erscheint aktuell zweisprachig auf Deutsch und Englisch. Auch hat sich optisch und redaktionell einiges verändert. Doch werden Ihre Briefe und Beiträge auch in Zukunft das bleiben, was sie immer waren: das Herzstück einer jeden Ausgabe.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Ihr Michael Müller
Regierender Bürgermeister von Berlin