Editorial

Portrait Michael Müller - Regierender Bürgermeister von Berlin
Bild: Senatskanzlei/Martin Becker

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

was Verfolgung, Flucht und Vertreibung bedeuten, hat sich vielen Leserinnen und Lesern von aktuell als bittere Lebenserfahrung eingebrannt. Sie konnten nach 1933 oft nur ihr Leben retten, während Angehörige und Freunde von den Nazis ermordet wurden. Sie waren angewiesen auf die Aufnahmebereitschaft sicherer Gastländer, die ihnen dann oft zur neuen Heimat wurden. Dabei konnten sie auf die Solidarität der Menschen dort bauen, die ihnen halfen, in fremder Umgebung eine Lebensperspektive aufzubauen. Und vergessen wir nicht: Nicht wenige Berlinerinnen und Berliner, denen die Flucht gelang, waren noch Kinder. Sie mussten ihre Eltern und Geschwister zurücklassen, wie jene, die durch die Kindertransporte nach Großbritannien ihr Leben retten konnten. Unter ihnen sind bis heute einige der treuesten aktuell-Leserinnen und Leser.

Berlin wird nie vergessen, was es den jüdischen Berlinerinnen und Berlinern in der Nazizeit angetan hat. Schon gar nicht in Zeiten wie diesen, da Berlin selbst zum Fluchtpunkt für jene wird, die vor Bürgerkrieg und Verfolgung entkommen wollen. Für rund 80.000 Menschen endete die Flucht im vergangenen Jahr in Berlin. Das bedeutet eine enorme Herausforderung für unsere Stadt. Die Flüchtlinge müssen registriert und versorgt werden. Sie brauchen Unterkünfte und Verpflegung. Zugleich müssen die Weichen gestellt werden für eine Integration in unsere Gesellschaft. Für die Kinder müssen Schul- und Kitaplätze bereitgestellt werden, die Älteren brauchen Sprachkurse, sie müssen möglichst frühzeitig fit gemacht werden für das Berufsleben. Ziel muss sein, dass Flüchtlinge möglichst schnell in unserer Gesellschaft ankommen und ein selbstbestimmtes Leben führen können. Keine leichte Aufgabe für eine Verwaltung, die darauf nicht vorbereitet war. Umso bemerkenswerter ist das Engagement vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die alles tun, um die anstehenden Aufgaben zu meistern.

Wie gut aber auch, dass zahlreiche Berlinerinnen und Berliner spontan und nachhaltig helfen. Sie haben im vergangenen Sommer, als täglich Hunderte Flüchtlinge nach Berlin kamen, unverzichtbare humanitäre Unterstützung geleistet. Ohne die zahlreichen freiwilligen Helferinnen und Helfer wäre die Willkommenskultur, die unsere Stadt den Flüchtlingen entgegenbrachte, nicht möglich gewesen. Diese Berlinerinnen und Berliner helfen bis heute in vielfältiger Weise und setzen damit ein starkes Zeichen für Berlins Weltoffenheit und Solidarität mit Menschen in Not – einen Bericht dazu finden Sie in diesem Heft.

Auch wenn die Aufnahme der Flüchtlinge ein großes Thema ist, gibt es daneben noch viele andere Neuigkeiten und Geschichten aus Berlin, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. So ist der T. rex Tristan die neue Attraktion im Museum für Naturkunde. Und der Park Glienicke, der vom berühmten Gartenbaumeister Peter Joseph Lenné angelegt wurde und seit 1990 zum UNESCO-Welterbe „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“ gehört, schaut 2016 auf sein 200-jähriges Bestehen zurück. Diese und andere Themen bereiten Ihnen hoffentlich eine anregende Lektüre, bei der ich Ihnen viel Freude wünsche.

Ihr Michael Müller
Regierender Bürgermeister von Berlin