Krankheiten wie Rachitis oder Tuberkulose waren weit verbreitet. Die schlechte Schulgesundheit veranlasste die Berliner Schulverwaltung im Jahr 1900 dazu, Schulärzte einzustellen. Nach einer 1906 von dem Kinder- und Schularzt Leopold Bernhard (1866–1943) in Berlins Mitte durchgeführten Umfrage unter 6551 Gemeindeschülerinnen und -schülern lebte die Hälfte aller Kinder mit drei oder vier Personen in einem Zimmer und nur ein Drittel der Kinder hatte ein eigenes Bett. Der Erste Weltkrieg hatte die sozialen Probleme weiter verschärft. In seiner Reportage „Die Kinderhölle von Berlin“ (1920) dokumentiert Harry Graf Kessler (1868–1937) dieses Elend und ruft Berliner Firmen auf, über die von den Quäkern eingeführte Schulspeisung hinaus Unterstützungen für Kinder zu ermöglichen.
Unter dem Druck der Verhältnisse erlangten seit dem Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte reformpädagogische Vorstellungen und sozialdemokratische Schulkonzepte in der Weimarer Republik praktische Relevanz. Die allgemeine Volksschule als Basis eines durchlässigen Schulwesens wurde Verfassungsgrundsatz (Artikel 146). Das 1920 folgende Reichsschulgesetz mit der Errichtung der vierjährigen Grundschule und der Aufhebung der Vorschulen gilt als eine schulpolitische Weichenstellung
für mehr Bildungsgerechtigkeit – die Basis für eine demokratische Gesellschaft.
Reformwillige Kräfte in Berlin gaben sich damit nicht zufrieden und begründeten insbesondere auch im Bereich der öffentlichen Volksschule einige herausragende Beispiele einer reformpädagogischen Schul- und Unterrichtspraxis. Im November 1918 wurde der Religionszwang in der Schule aufgehoben. Es entstanden in Berlin über 50 weltliche Schulen beziehungsweise sogenannte Sammelschulen für die vom Religionsunterricht abgemeldeten Kinder. Die Lehrerkollegien setzten auf ein humaneres Lehrer-Schüler-Verhältnis und eine neue Unterrichtspraxis. Mädchen und Jungen lernten gemeinsam, die Prügelstrafe und das starre Bankreihensystem wurden abgeschafft.
Lebensgemeinschaftsschulen boten als Versuchsschulen darüber hinaus Gelegenheit, auf die Selbsttätigkeit der Lernenden zielende Arbeitsformen zu erproben, Gemeinschaftsleben zu praktizieren und neue Lehrinhalte einzubeziehen. Nach diesen Prinzipien schuf Fritz Karsen (1885–1951) die international beachtete Karl-Marx-Schule in Neukölln, eine Art Gesamtschule, die alle Schularten vom ersten Schuljahr bis zum Abitur vereinte. Die dafür von Bruno Taut (1880–1938) entworfene völlig neuartige Schulanlage konnte Ende der 1920er-Jahre nicht mehr realisiert werden.
Ein gewaltiger Rückschritt im Bereich von Bildung und Erziehung vollzog sich während der NS-Zeit. Sozialdemokratische Schulpolitik und Reformbestrebungen im Berliner Schulwesen fanden mit dem Machtantritt Hitlers ihr jähes Ende. Bereits im Frühjahr 1933 wurden 2.300 Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher wegen ihrer jüdischen Herkunft oder als politisch unerwünschte Personen entlassen. Vererbungslehre und Rassenkunde wurden 1935 in den Unterricht eingeführt, Antisemitismus und Rassismus systematisch in der Schule verbreitet. Die Aktivitäten der Kinder wurden zunehmend im Sinne der NS-Ziele zusammengefasst und in deren Richtung gelenkt, Kindheit durchorganisiert und instrumentalisiert.