Ein vergessenes Kapitel deutschsprachiger Literatur
verschiedene Werke jüdischer Autorinnen und Autoren, die nach 1933 in Berlin erschienen sind
Bild: Collage, u.a. S. Fischer Verlag
Titelseite der „Jüdischen Rundschau“ nach dem sogenannten Judenboykott am 1. April 1933
Bild: Jüdische Rundschau
Buchdruck in der Druckerei Max Lichtwitz
Bild: Jüdisches Museum, Inv.-Nr. FOT 88/500/245/027, Fotograf: Herbert Sonnenfeld
Ausgelöst durch die historischen Ereignisse verschärfte sich nicht nur das Empfinden, einer Schicksalsgemeinschaft anzugehören, sondern ebenso die Notwendigkeit einer Sinngebung jüdischer Existenz. Insbesondere innerhalb Deutschlands beinhaltete dies die Suche nach einem positiv formulierten eigenen Selbstverständnis – den Versuch einer Bewahrung und Neupositionierung des eigenen Selbstverständnisses in dem Moment, da dieses von außen vollständig infrage gestellt war. Eine geradezu explosionsartig einsetzende Produktion von Gedichten, Romanen, Novellen, Broschüren und Zeitungsaufsätzen ist dafür heute denkwürdiger zeithistorischer Beleg.
Neben etwa 30 jüdischen Verlagen wurden 146 jüdische Zeitungen und Zeitschriften mit Auflagenstärken bis zu 55.000 Exemplaren zu wichtigen literarischen Foren. Allein 24 Verlage und 66 dieser Presseorgane hatten ihren Sitz in Berlin. Die einstige Kulturmetropole der Weimarer Republik wurde zu einem wichtigen Zentrum jüdischer Kultur im NS-Deutschland. Im Schatten staatlicher Rassenpolitik und Zensur entstand eine Literatur, die auf die soziale Entrechtung, Ausgrenzung und Ermordung großer Teile des europäischen Judentums reagierte – und die heute ebenso unbekannt ist, wie viele ihrer Autorinnen und Autoren.
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Amelie Müller