Tel Aviv-Yafo und Berlin - Ein Bündnis der Freiheit, Demokratie und Hoffnung

Am 5. Mai 2025 besiegelten der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, und Tel Aviv-Yafos Bürgermeister Ron Huldai eine offizielle Städtepartnerschaft. In seiner Rede hob Wegner Berlins historische Verantwortung hervor und betonte zugleich die Verpflichtung, jüdisches Leben heute zu schützen. In einem Gastbeitrag in „aktuell“ schildert Ron Huldai, was ihm die neue Partnerschaft bedeutet.

Bürgermeister von Tel Aviv Ron Huldai und Regierender Bürgermeister Kai Wegner anlässlich Unterzeichnung des Städtepartnerschaft-Abkommens zwischen Berlin und Tel Aviv im Berliner Rathaus

Der Bürgermeister von Tel Aviv, Ron Huldai, und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, mit den unterzeichneten Städtepartnerschafts-Abkommen am 5. Mai 2025 im Roten Rathaus

von Ron Huldai, Bürgermeister von Tel Aviv-Yafo (am 28. Oktober 2025)

Ich schreibe diese Zeilen mit großem Stolz und einem starken Gefühl der Verantwortung für eine wichtige Aufgabe. Tel Aviv-Yafo, die Stadt, deren Bürgermeister ich seit mehr als zwei Jahrzehnten sein darf, hat kürzlich ein Städtepartnerschaftsabkommen mit der Stadt Berlin unterzeichnet.

Dies ist nicht nur irgendein weiteres Abkommen. Vielmehr ist es eine überaus bedeutungsvolle Erklärung des beiderseitigen Bekenntnisses zu Freiheit, Demokratie, Offenheit und Respekt für die Menschen. Es ist Ausdruck einer täglich stärker werdenden, lebendigen Beziehung zwischen zwei Städten, die den Wert der Freiheit verstehen und daran glauben, dass mutige Partnerschaften eine bessere Zukunft schaffen können.

Ich wurde vor der Staatsgründung Israels geboren, in den finsteren Jahren des Holocausts in Europa. Meine Eltern hatten zuvor Polen verlassen und waren nach Palästina – wie es damals hieß – eingewandert. Sie waren junge Pioniere und hatten Familienmitglieder zurückgelassen, die später während des Holocausts ermordet wurden. Ihr Leben lang mussten meine Eltern mit der Last leben, ihre Heimat, ihre Kultur und ihre Wurzeln verloren zu haben. Gleichzeitig waren sie fest entschlossen, sich in einem anderen Land ein neues Leben aufzubauen.

Der Lebensweg meiner Eltern hat mich viel darüber gelehrt, was es heißt, verwurzelt zu sein und an etwas zu glauben, aber auch, Entscheidungen zu treffen und Hoffnung zu haben. Sie haben mir das Vertrauen in unsere Fähigkeit als Individuen und als Nation mitgegeben, aus der Asche eine Zukunft aufzubauen. Ich selbst war lange Jahre Kampfpilot in der israelischen Luftwaffe und anschließend als Pädagoge und Schuldirektor tätig, bevor ich Bürgermeister dieser wunderbaren Stadt wurde. In all diesen Funktionen habe ich gelernt, dass wahre Stärke auf dem Glauben an die Würde des Menschen und dem Willen beruht, sich für Demokratie und Freiheit einzusetzen.

Ich habe das Gefühl, dass mit der Unterzeichnung der Vereinbarung über die Städtepartnerschaft zwischen Tel Aviv-Yafo und Berlin der Bogen der Geschichte eine neue Dimension erreicht hat. Berlin und Tel Aviv-Yafo sind in vielerlei Hinsicht sehr unterschiedlich. Gleichzeitig teilen sie gewisse Besonderheiten: Beide Städte sind von der Geschichte gezeichnet und beide haben tiefgreifende Traumata erlebt. Dennoch beharren sie darauf, frei, weltoffen und lebendig zu bleiben und gleichzeitig kulturelle Kreativität und einen starken Gemeinsinn zu fördern.

Die vergangenen zwei Jahre haben uns, das israelische Volk, auf viele harte Proben gestellt. Am 7. Oktober 2023 erlebten wir die schwerste Krise in der Geschichte unseres Staates seit Jahrzehnten – ein grausames Massaker, Entführungen und einen blutigen Krieg. Jede Woche demonstrieren die Bürgerinnen und Bürger Israels auf den Straßen Tel Avivs, um für die Rückkehr
aller Geiseln, das Ende des Krieges und den Erhalt Israels als demokratisches und liberales Land zu kämpfen. Und nun endlich schauen wir hoffnungsvoll nach vorne.

Durch das Geisel- und Waffenstillstandsabkommen können wir endlich den komplexen Prozess des Wiederaufbaus und der Heilung beginnen. So können wir neu anfangen, träumen, uns einen anderen Nahen Osten vorstellen. Ein Naher Osten, der geprägt ist von gegenseitigem Respekt, erfolgreichen Partnerschaften, innovativen Initiativen, kultureller Vielfalt und Wirtschaftswachstum. Ein Naher Osten mit der Stadt Tel Aviv-Yafo als lebendiges Symbol einer multikulturellen Vielfalt, wo unterschiedliche Bevölkerungsgruppen – Juden, Araber, religiöse, säkulare und andere – Seite an Seite leben. So wie wir uns Israel und die gesamte Region vorstellen.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner und der Bürgermeister von Tel Aviv Ron Huldai vor dem Roten Rathaus betrachten die israelische Flagge am Fahnenmast

Kai Wegner zeigt seinem Amtskollegen die nach dem 7. Oktober 2023 vor dem Roten Rathaus gehisste israelische Fahne und verspricht: Sie wird dort wehen, bis die letzte von der Hamas entführte Geisel befreit ist!

Die Vereinbarung zur Städtepartnerschaft mit Berlin bestärkt uns in unserer Hoffnung. Für mich lässt sich echte Partnerschaft nicht nur an offiziellen Zeremonien messen, sondern zeigt sich in den Beziehungen zwischen
Menschen – in persönlichen Begegnungen, dem Aufbau gegenseitigen Vertrauens und dem Knüpfen langfristiger Verbindungen. In substanziellen Beziehungen zwischen jungen Menschen, Kreativen und Kulturschaffenden,
Menschen in Forschung und Wissenschaft, zwischen Unternehmerinnen und Unternehmern und zwischen Technologiefirmen.

Schon jetzt sehen wir viele Chancen für solche Partnerschaften, etwa in den Bereichen Hightech und Innovation, Kunst und Kultur, Bildung und Wissenschaft sowie beim gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel. Ich
hoffe, dass diese Vereinbarung, dieses dauerhafte Bündnis, dazu führen wird, dass immer mehr Berlinerinnen und Berliner Tel Aviv-Yafo kennenlernen und umgekehrt. So können wir einander entdecken und schätzen lernen.

Durch diese Verbindung zwischen uns kann ein weitverzweigtes Netzwerk persönlicher und beruflicher Beziehungen entstehen, welche das Leben in unseren beiden Städten bereichern und das Gefühl der Partnerschaft weiter verstärken werden.

Ich möchte mich bei meinem Freund Kai Wegner, dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, für sein unerschütterliches Engagement für Israel und seinen beharrlichen Kampf gegen den Antisemitismus bedanken. Ich erinnere mich noch gut an seine Aussage, dass die israelische Flagge vor dem Roten Rathaus wehen werde, bis alle in Gaza festgehaltenen Geiseln zurückgeholt worden sind – Ausdruck seines aufrichtigen menschlichen und moralischen Engagements.

Auch danke ich Cornelia Seibeld, Präsidentin des Abgeordnetenhauses, für ihren unbeugsamen Einsatz für die Prinzipien der Freiheit und Demokratie und für ihre persönliche und moralische Unterstützung dieser Partnerschaft.

Die Geschichte lehrt uns, dass die Dunkelheit plötzlich über uns hereinbrechen kann – aber sie zeigt uns auch die Macht der Hoffnung. Wir sind als neue Nation aus der Düsternis des Holocausts hervorgegangen. So haben wir gelernt, dass Neuanfang und Wiederaufbau auch nach unvorstellbaren Katastrophen möglich sind.

Ich möchte mich für Ihren unermüdlichen Einsatz für die Geiseln und deren Familien und all Ihre Bemühungen bedanken. Und ich möchte daran erinnern, dass wir mit Sorge auf die Rückkehr der verstorbenen Geiseln warten, die noch immer in Gaza festgehalten werden. Wir werden nicht aufgeben, bis auch die letzte Geisel nach Hause zurückgekehrt ist.

Mein aufrichtiger Dank gilt Ihrer Unterstützung in diesen schweren Zeiten. Zusammen, so hoffe und glaube ich, können wir von einer gemeinsamen Zukunft in Frieden und Wachstum träumen und diese aufbauen.

Kontakt

Der Regierende Bürgermeister von Berlin
- Senatskanzlei -

Redaktion Zeitschrift aktuell

Amelie Müller