Mit fünf Städten feiert Berlin in diesem Jahr Jubiläum

von Senatskanzlei, Referat Auslandsangelegenheiten

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„Die 8 der Wege“, Atelier von Liu Wei

Berlin ist als Hauptstadt des größten Staates der EU und attraktive Stadt ein interessanter Kooperationspartner für viele Metropolen weltweit. Das Land Berlin unterhält Städtepartnerschaften mit 17 Metropolen auf der ganzen Welt, die größtenteils unmittelbar vor und nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 abgeschlossen wurden. Diese sind Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Istanbul, Jakarta, London, Los Angeles, Madrid, Mexiko- Stadt, Moskau, Paris, Peking, Prag, Taschkent, Tokio, Warschau und Windhuk.

2014 jährt sich der Abschluss von Städtepartnerschaften mit Buenos Aires, Jakarta, Peking und Tokio zum 20. Mal. Die Städtepartnerschaft mit Istanbul feiert bereits ihr 25-jähriges Jubiläum. Im Laufe des Jahres 2014 finden aus diesem Anlass sowohl in Berlin als auch in den Partnerstädten eine Vielzahl von Projekten in den unterschiedlichsten Bereichen statt, die ohne das große Engagement zahlreicher Akteure nicht realisiert werden könnten.

Im Rahmen des Jubiläums mit Istanbul wird im Herbst 2014 die „Lange Nacht der gut aufgelegten Musik“ stattfinden. Diese besteht aus Konzerten, Tanzaufführungen und Workshops in Berlin und Istanbul und bringt Künstler und Künstlerinnen der beiden Partnerstädte zusammen.

Berlin präsentierte sich im April 2014 in der Partnerstadt Peking mit einer „Berliner Filmwoche“ während des Beijing International Film Festivals. Die Filme entführten die Besucher auf einen historischen Streifzug durch die letzten 100 Jahre der bewegten Berliner Geschichte. Die Ausstellung „Die 8 der Wege: Kunst in Beijing“, die noch bis zum 13. Juli 2014 in den Uferhallen im Berliner Wedding gezeigt wird, präsentiert Momentaufnahmen der sich rasant entwickelnden Gegenwartskunstszene in Peking.

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Fernsehturm in der japanischen Hauptstadt

Die Deutsch-Japanische Gesellschaft Berlin veranstaltet in Kooperation mit der Senatskanzlei die Reihe „20 Jahre Städtepartnerschaft Berlin – Tokio: Wechselbeziehungen zweier Städte“. Diese Reihe besteht vor allem aus Vorträgen, die im Laufe des Jahres 2014 in der Senatskanzlei zu Themen wie Manga-Kunst, Architektur in Berlin und Tokio, sowie einem Vergleich der Kommunalverwaltungen beider Städte gehalten werden.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, besuchte Buenos Aires vom 30. März bis 2. April 2014 auf Einladung seines Amtskollegen Mauricio Macri. Berlin präsentierte sich mit seinen Creative Industries, Start-ups und Designprodukten als weltoffene und tolerante Stadt. Ein weiterer Programmpunkt, der in der größten Jüdischen Gemeinde Südamerikas großen Anklang fand, war die Eröffnung der Ausstellung „250 Jahre Jüdisches Krankenhaus in Berlin“ im Jüdischen Museum in Buenos Aires durch den Regierenden Bürgermeister. Der zum Gedenken an die Opfer der Militärdiktatur am Rio de la Plata errichtete „Parque de la Memoria“ stand ebenfalls auf der Agenda.

Von Berlin nach Buenos Aires. Ellen Marx: deutsch-jüdische Emigrantin und Mutter der Plaza de Mayo
Im Folgenden wird näher auf zwei Lesungen der Potsdamer Autorin Jeanette Erazo Heufelder eingegangen, die im April 2014 im Rahmen des Jubiläums mit Buenos Aires im Centrum Judaicum sowie im European Center for Constitutional and Human Rights in Berlin stattfanden. Die Autorin las jeweils Auszüge aus ihrer unter dem Titel „Von Berlin nach Buenos Aires“ (Metropol Verlag, Berlin) neu erschienenen Biografie über Ellen Marx, der 2008 verstorbenen Gründerfigur der deutsch-jüdischen Gemeinde von Buenos Aires und Sprecherin der Gruppe der deutschen Mütter der Plaza de Mayo. Der Menschenrechtsanwalt Wolfgang Kaleck (European Center for Constitutional and Human Rights e. V.) sprach ergänzend über die Fälle des „Verschwindenlassens“ von Nachkommen deutsch-jüdischer Flüchtlinge, die er als Sprecher der Koalition gegen Straflosigkeit 1999 im Auftrag ihrer Angehörigen bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg Fürth eingereicht hatte.

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Jeanette Erazo Heufelder

Ellen Marx war achtzehn, als sie mit ihrer jüdischen Pfadfindergruppe 1939 auf einem der letzten Schiffe aus Europa nach Argentinien floh. Als einzigem Familienmitglied war ihr in jungen Jahren die Flucht vor den Nazis geglückt. Ein halbes Leben später konnte sie nicht verhindern, dass ihre Tochter wieder in die mörderischen Fänge eines Terrorregimes geriet.

1976 putschte sich in Argentinien das Militär an die Macht. Es war nicht die erste Militärdiktatur, die das Land im 20. Jahrhundert erlebte, aber die brutalste, in der jeder, der sich der Opposition verdächtig machte, verschleppt, gefoltert und ermordet wurde. Dass Argentinien jüdischen Flüchtlingen eine neue Heimat geboten hat, spiegelte sich nun auf den Listen mit den Namen Verschwundener. Unter den Opfern war auch die Tochter von Ellen Marx. Fünf Monate nach dem Putsch der Generäle verschwand sie. Für die Mutter begann eine lebenslange Suche, die sie 1983 schließlich zum ersten Mal zurück nach Deutschland führte.


Beispielhaft können nur einige Projekte zum Jubiläumsjahr in diesem Artikel kurz vorgestellt werden. Ausführliche Informationen zu den Städtepartnerschaften und den Jubiläumsveranstaltungen finden Sie auf der Internetseite der Senatskanzlei: www.berlin.de/rbmskzl/internationales