Im Herzen der Natur

Die Aktivitäten der Zwillenberg-Tietz Stiftung

von Machla Pistreich, Vorstand der Zwillenberg-Tietz Stiftung

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Bild: Marcus Wicke

Natur in Linde, fernab von Berlin

Mitten im Havelland, mit seiner Mischung aus Wasser- und Waldflächen sowie zahlreichen Natur- und Landschaftsschutzgebieten, liegt zur Gemeinde Märkisch Luch/Barnewitz gehörend etwas versteckt der Ortsteil Linde. Hier existierte als früheres Rittergut das „Dominium Linde“ mit Landschloss, welches 1919 in Form eines eigenständig landwirtschaftlich genutzten Betriebes in das Eigentum der in Berlin ansässigen Familie Dr. Zwillenberg gelangte. Im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgungen in Berlin lebte und bewirtschaftete die Familie das landwirtschaftliche Gut mit den dazu gehörenden Waldflächen bis 1939 in Linde und musste dann aber auch von dort unter dem Zwang, das bäuerliche Gut zu verkaufen, Deutschland verlassen und hat schließlich über viele Umwege im Ausland den Holocaust überlebt.

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Bild: Marcus Wicke

Wald und Wiesen in Linde

Während des Zweiten Weltkrieges und kurz nach Kriegsende gab es in Linde zahlreiche Flüchtlingsdurchgänge. Das ehemalige Gutshaus wurde weitgehend abgetragen und zu DDR-Zeiten hatte sich das Bild im Ortskern auch weiter verändert, indem viele sogenannte Datschengrundstücke mit unterschiedlichen Nutzungsverhältnissen entstanden sind. Mit dem Mauerfall und der Rückübertragung des Grundbesitzes stellte sich für die Rechtsnachfolgerin Dr. Helga Zwillenberg die Frage, wie das Anwesen künftig genutzt werden sollte. An die Wiederaufnahme eines eigenständigen bäuerlichen Betriebes war nicht mehr zu denken und es galt auch, die zwischenzeitlich unterschiedlichen Nutzungsverhältnisse im Ortskern zu akzeptieren. Aber die Natur mit ihrer reizvollen Landschaft war weitgehend intakt und die Wälder in einem relativ guten Zustand. Dank der geringen Besiedlung findet man in der faszinierenden Endmoränenlandschaft und dem an Linde angrenzenden Naturschutzgebiet „Havelländisches Luch“ diverse seltene Tier- und Pflanzenarten.

So wuchs bei Frau Dr. Zwillenberg, die selbst Biologin war, die Idee, das ehemalige Gut Linde Forschung und Lehre zur Verfügung zu stellen. Es entstand nun in der Folgezeit mit einem außergewöhnlichen Engagement eine kleine Forschungsstation mit Labor, einem Seminarraum und Übernachtungsmöglichkeiten für Studierende, Doktoranden/innen und Dozenten/innen.

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Bild: Marcus Wicke

Wald und Wiesen in Linde

Hier in Brandenburg, eine gute Autostunde von Berlin entfernt, bietet Linde nun schon seit rund zehn Jahren Nachwuchswissenschaftlern/ innen aus den Disziplinen Botanik, Zoologie, Forstwissenschaften und verwandten Fachgebieten einen idealen Ausgangspunkt für ihre Studien. Ein Schwerpunkt der bisherigen Forschungsvorhaben liegt zum Beispiel auch in dem Einfluss von Windenergieanlagen auf die Biodervisität, insbesondere ausgehend von dem auf der nahegelegenen „Nauener Platte“ in großem Umfang bestehenden Windpark.

Um die Zukunft dieser Ziele sicher zu stellen, gründete Frau Dr. Helga Zwillenberg 2011 die „Zwillenberg-Tietz Stiftung“ mit Sitz in Berlin, die nun die Förderung dieser schon begonnenen Aufgaben weiterführen und auch noch weiter ausbauen soll. Die nunmehr zur Stiftung gehörende Forschungsstation Linde sowie die zum Gebiet gehörenden Waldflächen sollen weiterhin Ausgangspunkt für die wissenschaftliche Naturschutzforschung bieten, um unter anderem dazu beizutragen, die heimischen Lebensräume mit ihrer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten. Wenn auch in und um Linde herum mit Untersuchungen der Boden-, Wasser-, Klima- und Luftverhältnisse der Einfluss auf die Tier- und Pflanzenwelt im Vordergrund steht, ist die Stiftung auch offen, andere naturschutzrelevante Untersuchungen sowohl im In- als auch Ausland zu unterstützen.

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Bild: Marcus Wicke

In diesem Haus befindet sich die Forschungsstation mit Labor, einem Seminarraum und Übernachtungsmöglichkeiten

Neben der Förderung der Wissenschaft und Forschung liegt der zweite Schwerpunkt der „Zwillenberg-Tietz Stiftung“ ebenso wie zuvor bei Frau Dr. Zwillenberg und somit auch in deren Fortführung, auf der Förderung des gesellschaftlichen Engagements. Die Leserinnen und
Leser der Zeitschrift aktuell merken dies ganz besonders. Denn der Kalender, der jeweils mit der Dezember-Ausgabe verschickt wird, wird nun von der „Zwillenberg-Tietz Stiftung“ finanziert.

Zwillenberg-Tietz Stiftung
Richard-Strauss-Straße 4
14193 Berlin
E-Mail: [[mailto: vorstand@zwillenberg-tietzstiftung.
de|vorstand@zwillenberg-tietzstiftung.de]]
www.zwillenberg-tietz-stiftung.de

Wir sind sehr traurig, dass Frau Dr. Helga Zwillenberg im Januar 2013 verstorben ist. 14 Jahre lang hat sie den Berlin-Kalender finanziert und mit großer Freude auch mitgestaltet. Die von ihr gegründete Zwillenberg-Tietz Stiftung wird, wie im obigen Artikel beschrieben, den Kalender künftig finanzieren. Sie erhalten also auch weiterhin mit der Dezemberausgabe den Berlin-Kalender zugeschickt, worüber wir sehr glücklich sind.

Auf der folgenden Sonderseite drucken wir einige der vielen Briefe ab, die die Begeisterung für diesen Kalender ausdrücken.
Die Redaktion