Das Jüdische Museum Berlin übernimmt eine Schulpatenschaft in Kreuzberg

Miteinander und voneinander lernen

von Fabian Schnedler, Jüdisches Museum Berlin

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Die Sekundarschule in der Skalitzer Straße

Das Jüdische Museum Berlin (JMB) zeigt die vielfältige Kultur und Geschichte der Juden in Deutschland. Seine Aufgaben gehen jedoch weit über das Sammeln, Bewahren, Erforschen und Präsentieren hinaus. Die historische Erfahrung der Diskriminierung und Ausgrenzung von Juden in Deutschland ist für das Museum Anlass, sich für eine Akzeptanz gesellschaftlicher Vielfalt einzusetzen. Die neue Akademie des JMB, die im November 2012 eröffnet hat, will mit ihren Programmen zu einer Gesellschaft beitragen, die ihren Mitgliedern gleiche Chancen der Teilhabe am politischen und kulturellen Leben ermöglicht. Zu diesen Programmen gehört die Schulpatenschaft, die mit dem neuen Schuljahr im Sommer 2012 begonnen hat und für einen Zeitraum von zunächst vier Jahren vereinbart ist.

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Da das Jüdische Museum überwiegend von gymnasialen Schulklassen besucht wird, fiel die Wahl auf die 8. Integrierte Sekundarschule in der Skalitzer Straße. Die Kreuzberger Schule besuchen 340 Schülerinnen und Schülern aus 20 Nationen. Viele der Schüler haben einen muslimischen Hintergrund, 95 Prozent haben Deutsch nicht als Muttersprache erlernt, ein Großteil ist sozial benachteiligt. Für die Schule sprach, dass sich Schulleitung, Lehrer und Schüler mit Begeisterung auf die Patenschaft einlassen wollen sowie das Leitbild der Schule, das eine Kultur der Wertschätzung und gegenseitigen Akzeptanz fördert. Und das JMB kann sich so stärker in Kreuzberg engagieren und die Beziehungen zu seiner Nachbarschaft ausbauen.

Unter der „Patenschaft“ versteht das JMB keineswegs eine vormundschaftliche Beziehung, sondern eine Partnerschaft, die ein wechselseitiges Lernen von Schule und Museum ermöglicht. Es geht um ein partizipatives Projekt, das auf die Mitgestaltung von Lehrern und Schülern baut.

Vorrangiges Ziel ist es, die historischen, kulturellen und kommunikativen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu fördern. Kernstück der Patenschaft ist das Wahlfach „Geschichtswerkstatt“, für das sich dieses Jahr 12 Schüler und Schülerinnen der Klassenstufe 9 angemeldet haben. Gemeinsam begeben sie sich auf Spurensuche im Umfeld ihrer Schule und recherchieren Orte der Geschichte und Zeitgeschichte in Kreuzberg. Das Museum werden sie als konkreten Lernort für Geschichte erleben und in den Archiven forschen. In einem Theaterworkshop des Museums werden Fragen des Zusammenlebens und der Identität aufgegriffen.

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Die Werkstatt ist prozessorientiert und lebt von den Ideen, Meinungen und dem Engagement der Schüler. In welcher Form die Ergebnisse der Spurensuche festgehalten werden – ob als Stadtspaziergang, Audioguide oder Blog – bestimmen die Schüler selbst.

Darüber hinaus richtet sich die Patenschaft natürlich an alle Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule in der Skalitzer Straße. Sie haben freien Eintritt ins Museum und sind z. B. für Recherchen im multimedialen Learning Center willkommen. Mit der Schule ist abgesprochen, dass solche „Forschungen“ als Prüfungsthemen gewählt werden können. Schulklassen genießen besondere Ermäßigungen. Einige Schüler und Lehrer haben das Museum bereits besucht und an Führungen zum Vergleich von Islam und Judentum teilgenommen. „On.tour“, die mobile Ausstellung des JMB, war im Frühjahr in der Skalitzer Schule zu Gast. Die Patenschaft intensiviert nun diese Kontakte.

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Die Partnerschule des Jüdischen Museums Berlin besucht die Ausstellung

Das Museum ist insbesondere darauf gespannt, wie sich die langfristige Beziehung zu Schülern und Lehrenden auswirkt. Denn die Patenschaft ist auch aus dem Wunsch geboren, neben den vielen kurzzeitpädagogischen Angeboten und Begegnungen im Museum nachhaltige pädagogische Programme zu entwickeln. Mit diesen will das JMB Lernprozesse nicht nur anstoßen, sondern langfristig mitgestalten, in enger Kooperation mit Schulen. Die Schulpatenschaft ist dafür ein Pilotprojekt und wird durch die JMB-Besucherforschung evaluiert. Miteinander und voneinander nachhaltig lernen – ein Weg und ein Ziel, auf das Schule und Museum sich mit Neugierde einlassen!


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