Stiftungen – unverzichtbar für das Gemeinwohl

von Staatssekretärin Monika Helbig, Beauftragte für Bürgerschaftliches Engagement

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Berlin wandelt sich in rasantem Tempo. Nicht nur die vielen Baukräne, die in der Stadt kreisen, sind dafür ein untrügliches Zeichen, sondern auch Veränderungen in der Gesellschaft. So engagieren sich immer mehr Menschen freiwillig für einen guten Zweck, zum Beispiel in Stiftungen. Gab es am Ende des Jahres 2000 noch 357 Stiftungen in Berlin, so hat sich deren Zahl bis zum Ende des Jahres 2010 auf 725 mehr als verdoppelt.

Berlin knüpft mit dieser Gründungswelle an eine lange humanistische Tradition in der Stadt an. Die Schätze der Museumsinsel und vieler anderer Museen gehen auf das Engagement großer Mäzene im ausgehenden 19. Jahrhundert und beginnenden 20. Jahrhundert zurück. Doch mit der Verfolgung, Vertreibung und Ermordung der Juden durch die Nationalsozialisten wurde auch diese – maßgeblich von jüdischen Bürgerinnen und Bürgern getragene – Kultur des Stiftens zerstört.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg fehlte in West-Berlin die wirtschaftliche Basis für das Wiederaufblühen der stifterischen Traditionen. Im Ostteil taten Kollektivierung und Verstaatlichung ein Übriges. Erst die Wiedervereinigung Berlins und der wirtschaftliche Erfolg vieler Unternehmen in den letzten Jahren ließen wieder mehr Spielraum entstehen für das Engagement von Stiftern und Mäzenen. Die Stadt ist attraktiv für Neubürger aus aller Welt. Berlin zieht aber auch immer mehr Stiftungen an. In der Hauptstadt sind sie nah am politischen Geschehen und inmitten medialer Aufmerksamkeit. Und Berlin bietet ihnen ein offenes Klima, in dem ihr Engagement auf fruchtbaren Boden fällt.

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Gewiss: Der Stiftungsboom wurde durch eine bundesweite Reform des Stiftungsrechts begünstigt. Aber Stiftungen sind immer auch Ausdruck von bürgerschaftlichem Selbstbewusstsein und dem Willen, etwas zu bewegen. Vielen Stifterinnen und Stiftern macht es Freude, sich für eine gute Sache zu engagieren. So setzt sich eine Stiftung für den Aufbau des Humboldt-Forums ein, das in der Kubatur des Berliner Schlosses entstehen und die außereuropäischen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin beherbergen wird. Mehrere Stiftungen widmen sich der Förderung von Kunst und Kultur, andere dem Denkmalschutz. Ein besonderes Augenmerk legen zahlreiche Stiftungen auf die Förderung der Bildung und der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Auch die Erforschung neuer Heilmethoden bei seltenen Krankheiten ist ein Anliegen von Stiftungen in Berlin.

So unterschiedlich die Stiftungszwecke sind, so sehr unterscheiden sich auch die Stifterinnen und Stifter: Es gibt Unternehmen, die mit einer eigenen Stiftung Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen. Andere Stiftungen beruhen auf der Entscheidung einzelner Personen, einen Teil des eigenen Geldes dauerhaft einem sinnvollen Zweck zukommen zu lassen – bereits zu Lebzeiten oder durch testamentarische Verfügung.

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Impressionen vom Stiftungstag. Über 100 Stiftungen informierten über ihre Arbeit

Der Berliner Senat sieht Berlin auf dem Weg zur Stiftungshauptstadt mit einer starken Zivilgesellschaft. Ein politisches Ziel des Senats ist es, Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass noch mehr Bürgerinnen und Bürger einen Teil ihres privaten Vermögens für Zwecke des Gemeinwohls stiften. Denn viele Stiftungen leisten wertvolle Beiträge zum kulturellen Leben in der Stadt und zum sozialen Zusammenhalt. Sichtbar wird die Vielfalt des Stiftungswesens seit einigen Jahren bei den von der Senatskanzlei initiierten Berliner Stiftungstagen. Zuletzt präsentierten sich am 12. November 2010 über 100 Stiftungen bei einem solchen Forum der Begegnung, Kommunikation und Vernetzung im Roten Rathaus. Über 2.500 Besucherinnen und Besucher informierten sich im Laufe des Tages an den Ständen der Stiftungen über deren Arbeit. Und in der Zeit vom 15. bis 25. Juni 2011 organisiert ein Netzwerk zahlreicher Stiftungen die Berliner Stiftungswoche. Ich bin sicher: Je mehr die Stiftungen ihre wertvolle Arbeit in die Öffentlichkeit tragen und dabei zeigen, wie viel Freude es macht zu stiften, desto mehr Bürgerinnen und Bürger werden sich animiert fühlen, den vielen guten Beispielen zu folgen.


Der Regierende Bürgermeister von Berlin
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