Einstein ist wieder zu Hause in Berlin

von Christian Haberecht, Einstein Stiftung Berlin, und Christian Walther, Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung

Er wohnte erst in Dahlem, in der Ehrenbergstraße, später über viele Jahre in der Haberlandstraße im Bayerischen Viertel. 1932 aber, im Dezember, verließ er Berlin Richtung Princeton und kehrte nie wieder zurück: Albert Einstein. 1913 an die Preußische Akademie der Wissenschaften berufen, dann Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik, gehörte Einstein fast zwei Jahrzehnte lang zu den prägenden Gestalten des akademischen – und auch gesellschaftlichen – Lebens in Berlin.

Einstein
Bild: Angelika Fischer, Berlin

Der Sitz der Einstein Stiftung befindet sich im Gebäude der Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

Jetzt ist Einstein zurück: Im früheren Haus der Preußischen Akademie der Wissenschaften am Gendarmenmarkt gibt es jetzt einige Büros von Einstein, genauer: Büros der Einstein Stiftung Berlin. Ihrem Namensgeber fühlt sich die Einstein Stiftung sehr verpflichtet. Gegründet wurde sie 2009 vom Land Berlin, um die Spitzenforschung in Berlin zu fördern und die Stellung der Stadt als attraktiven Wissenschafts- und Forschungsstandort mit internationaler Ausstrahlung auszubauen. Gefördert werden vor allem die Berliner Universitäten, aber auch außeruniversitäre Forschungsinstitutionen wie Fraunhofer- oder Max- Planck-Gesellschaft, Helmholtz- und Leibniz-Gemeinschaft.

Eine besondere Rolle spielt die Hebräische Universität Jerusalem. Einstein hatte früh Geld für diese Universität gesammelt, blieb ihr zeitlebens eng verbunden und überließ ihr schließlich seinen Nachlass – einschließlich der Rechte an seinem Namen. Dass die Einstein Stiftung also Einsteins Namen tragen darf, geschieht mit Einwilligung der Hebräischen Universität. Und als einzige auswärtige Universität kann sie auch finanziell geförderte Kooperationspartnerin in Projekten mit den Berliner Universitäten sein. Ihr Präsident, der Historiker Prof. Menahem Ben-Sasson, ist zudem Mitglied des Stiftungsrates.

Gefördert wird durch die Stiftung nur, was die hochkarätig besetzte wissenschaftliche Kommission für förderungswürdig erachtet – die Stiftung wird zwar vom Land Berlin finanziert, doch die Forschungsförderung ist strikt wissenschaftsgeleitet und damit staatsfern organisiert. Das einzige Kriterium für die Förderung eines Antrags ist die wissenschaftliche Qualität, die durch einen aufwändigen Begutachtungsprozess sichergestellt wird.

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Bild: Einstein Stiftung Berlin/ Hans Scherhaufer

Der Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Prof. Dr. Zöllner (links), übergibt die Urkunde an den „Einstein Visiting Fellow“ Frau Prof. Liba Taub, PhD, Cambridge ( Mitte: Prof. Dr. Graßhoff, Berlin)

Die Einstein Stiftung fördert exzellente Forschung mit verschiedenen Programmen. Darunter sind auch Programme, die zum Ziel haben, herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Berlin zu holen oder hier zu halten. Als erster wurde der international umworbene Mediziner und Neurowissenschaftler Dietmar Schmitz von der Charité zum „Einstein Professor“ ernannt. Schmitz ist in Berlin die zentrale Persönlichkeit der Neurowissenschaften, er hat unter anderem das Exzellenzcluster „NeuroCure“ aufgebaut. Um seinen Weggang aus Berlin zu verhindern, beantragte die Charité Mittel der Einstein Stiftung – mit Erfolg.

Im Programm „Einstein Visiting Fellows“ lockt die Stiftung herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt für einige Zeit an eine Universität nach Berlin – Spitzenleute, die über den normalen Weg einer Berufung kaum für Berlin zu gewinnen wären. Dabei bleiben sie ihren Universitäten verbunden, gründen aber in Berlin eigene Arbeitsgruppen. Und pendeln dann beispielsweise zwischen Princeton und Berlin, wie zwei der ersten elf „Visiting Fellows“ der Stiftung, nämlich die Linguistin Adele Goldberg oder der Germanist Thomas Y. Levin.

Auch Mathematiker wie James Sethian (University of California, Berkeley) und Wendelin Werner (Université Paris-Sud 11) oder der Bioingenieur David Mooney (Harvard University) sind unter den ersten „Visiting Fellows“. Anders als bei klassischen Gastwissenschaftlerprogrammen sind sie längerfristig an Berlin gebunden, sollen hier Forschungsvorhaben mit ihren Berliner Kollegen initiieren, aber auch in der Lehre aktiv werden.

Darüber hinaus fördert die Stiftung auch Projekte wie die „Berlin-Jerusalem Initiative to Enhance Cooperation in the Social Sciences“. Dieses zielt auf eine strategische Partnerschaft der Freien Universität Berlin und der Hebräischen Universität Jerusalem in drei Gebieten der Sozialwissenschaften: Internationale Beziehungen und Europäische Integration, Umweltpolitik und Kommunikationswissenschaft. Sicher interessant herunist auch eine abwechselnd in Berlin und Jerusalem stattfindende Serie von islamwissenschaftlichen Sommerschulen unter dem Titel „New Frontiers in Islamic Studies“.

Rund 15 Millionen Euro konnte die Einstein Stiftung Berlin 2011 in ihre verschiedenen Programme stecken. Wie viel es in der Zukunft sein wird, hängt von vielen Faktoren ab. Auch davon, ob es gelingt, Sponsoren oder Mäzene zu finden, die mit Zustiftungen das Kapital der Einstein Stiftung aufstocken. Denn auch vom Geld hängt es letztlich ab, ob sich die Einsteins von heute wieder wohlfühlen in Berlin.


Einstein Stiftung Berlin
Am Gendarmenmarkt
Jägerstraße 22/23
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Tel.: 49 30 20370228
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E-Mail: contact@EinsteinFoundation.de
www.einsteinfoundation.de

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E-Mail: christian.walther@senbwf.berlin.de