300. Geburtstag von Friedrich dem Großen

„Friederisiko. Die Ausstellung“ im Neuen Palais und Park Sanssouci in Potsdam

von Projektteam Friederisiko

Friedrich der Große
Bild: SPSG/ Wolfgang Pfauder

Friedrich der Große von Anton Graff porträtiert

„Ganz Europa sprach von ihm, ganz Europa nannte ihn einen Helden; aber über seinen Charakter, seine Politik, seine Moral und sein Benehmen als Mensch hörte man die allerverschiedensten Urteile.“ Dieudonné Thiébault (1765)

Sollen wir ihn Friedrich II., Friedrich den Großen oder den Alten Fritz nennen? Um den facettenreichsten und wohl berühmtesten preußischen König ranken sich viele Geschichten, die oft den Blick auf die historische Persönlichkeit verstellen. Mit seinem Namen werden immer wieder die Abschaffung der Folter, eine – wenn auch beschränkte – Pressefreiheit, die Einführung der Kartoffel als Nahrungsmittel, der Bau hunderter Schulen auf dem Lande oder die Erhebung Preußens zur europäischen Großmacht in Verbindung gebracht. Und schließlich kennt jeder seine Position zur Religion: „Jeder soll nach seiner Façon selig werden.“ Doch ist Friedrich so leicht zu durchschauen?

Anlässlich seines 300. Geburtstages wird die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) die deutschlandweit zentrale Ausstellung über Friedrich den Großen im Neuen Palais im Park Sanssouci präsentieren, seinem größten und prunkvollsten Schlossbau. Das Neue Palais, von Friedrich persönlich bis ins Detail gestaltet, ist ein authentischer Repräsentations- und Handlungsort des Königs und das erste und herausragende Exponat. Aus diesem architektonischen Vermächtnis, das tiefe Einblicke in Friedrichs Charakter und Persönlichkeit gewährt, entwickelt sich das Konzept der Ausstellung. Zum ersten Mal sollen seine Ideen, sein Denken und sein Handeln unter dem Leitmotiv „Friederisiko“ – zeitgemäß, inspirierend, provokant und an vielen Stellen überraschend – dargestellt und vermittelt werden. Denn Friedrichs spielerische Lust am Risiko, sein in ausweglosen Situationen über sich Hinauswachsen waren geleitet von seinem strikten Willen zum Ruhm und zur Größe.

Neues Palais 2
Bild: SPSG/ Michael Lüder

Im Neuen Palais wird die Ausstellung „FRIEDERISIKO“ präsentiert

Auf zwei Etagen mit ca. 6.000 Quadratmetern und etwa 70 Räumen, Kabinetten und Sälen öffnet sich das Neue Palais dem Besucher in einem einmaligen Ausmaß. Nahezu alle Bereiche des Schlosses, ob restaurierte oder noch zu restaurierende Säle und Räume, sollen als friderizianisches Gesamtkunstwerk zu erleben und zu lesen sein und gewähren einen Blick hinter die Kulissen der berli ner ereig nisse Friedrich der Große von Anton Graff porträtiert Foto: SPSG/ Wolfgang Pfauder 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen „Friederisiko. Die Ausstellung“ im Neuen Palais und Park Sanssouci in Potsdam von Projektteam Friederisiko 6 Restaurierung des Schlossbaus. Und nicht zuletzt wird ein temporäres Leitsystem im Park an bis zu zehn markanten Stellen den friderizianischen Zustand des Gartens thematisieren.

Park Sansouci
Bild: Berlin Partner/ FTB-Werbefotografie

Schloss Sanssouci; von dem Schloss schmückt eine einfache Steinplatte sein Grab

Etwa 450 zusätzliche Exponate zur Originalausstattung werden in den Sälen des Schlosses sowie im Garten in insgesamt 12 Themenkomplexen Geschichten über Friedrich erzählen, unter anderem über seine Eigenheiten, seine Beziehungen zu Verwandten, Freunden und Feinden, sein Verhältnis zur Geschichte und der europäischen Geisteswelt. Unter dem Schlagwort „Dynastie“ werden die familiären und politischen Verflechtungen deutscher und europäischer Herrscherhäuser mit dem König vorgestellt. Auch wird in der Ausstellung ein typischer Tagesablauf im Regentenleben Friedrichs präsentiert. Eine seiner Eigenarten war beispielsweise, dass er seinen strukturierten Tagesablauf sein ganzes Leben – ausgenommen im Krieg und auf Reisen – nicht veränderte. Der Besucher kann sehen, dass der König weit mehr Zeit mit Musik und Tafeln, kurz: mit Vergnügungen, verbrachte, als bislang angenommen, und sich privat so manchen Luxus gönnte: kostbaren Champagner, teure Weine, Kirschen und Melonen im Winter, wie seine „Schatullrechnungen“ zeigen. Friedrichs Hunde, seine Windspiele, erhielten sogar Kleider. Isabelle de Borchgrave, Künstlerin aus Brüssel, inszeniert mit eigens angefertigten Figurinen aus bemaltem Papier das von Friedrich verfasste Theaterstück „Der Modeaffe“. Auch einen Blick in „Körper und Seele“ des Preußenkönigs erhält der Besucher. Ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm im und um das Neue Palais wird die Präsentation flankieren.


Friederisiko
Neues Palais und Park Sanssouci,
Potsdam
28. April bis 28. Oktober 2012
SPSG-Besucherzentrum an der
Historischen
Mühle, Potsdam
Tel.: 49 0331 96 94200
www.friederisiko.de