Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

von André Kockisch, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

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Die Gedenkstätte Hohenschönhausen vermittelt ein sehr authentisches Bild vom Leben der Gefangenen unter dem kommunistischen Regime

Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen befindet sich an einem Ort, der wie kaum ein anderer in Deutschland mit der 44-jährigen Geschichte politischer Verfolgung in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR verknüpft ist. Hier wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ein sowjetisches Internierungslager eingerichtet, danach das zentrale sowjetische Untersuchungsgefängnis für Ostdeutschland. Anfang der fünfziger Jahre übernahm das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) das Gefängnis und nutzte es bis 1989 als zentrale Untersuchungshaftanstalt.

Das MfS war die Geheimpolizei der SED und als „Schild und Schwert der Partei“ das wichtigste Instrument zur Aufrechterhaltung der kommunistischen Diktatur. 91.000 hauptamtliche und 189.000 inoffizielle Mitarbeiter sorgten zuletzt für eine flächendeckende Überwachung der Bevölkerung. Wer Widerstand leistete oder zu flüchten versuchte, kam in eines der insgesamt 17 Stasi-Untersuchungsgefängnisse. Gelenkt wurden sie von der Zentrale in Berlin- Hohenschönhausen.

Unter dem Druck der so genannten Montagsdemonstrationen in Leipzig und der Massenflucht von DDR-Bürgern über die Tschechoslowakei und Ungarn war der langjährige Partei- und Staatschef Erich Honecker am 18. Oktober 1989 abgelöst worden. Die neue Führung unter Egon Krenz und Hans Modrow bemühte sich anschließend um eine Entspannung der innenpolitischen Lage. In diesem Zusammenhang beschloss die neue DDR-Regierung am 27. Oktober und am 6. Dezember 1989, alle Häftlinge freizulassen, die wegen versuchter Republikflucht, staatsfeindlicher Hetze und ähnlicher Delikte in Haft genommen worden waren.

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Innenansicht einer Gefängniszelle in der ehemaligen Stasi-Untersuchungshaftanstalt in Berlin-Hohenschönhausen

Aus der Stasi-Untersuchungshaftanstalt in Berlin-Hohenschönhausen wurden vom 18. Oktober bis zum Jahresende 1989 insgesamt 210 Häftlinge entlassen oder verlegt. Einige von ihnen waren noch am 4. und am 6. Oktober in der Tschechoslowakei bei Fluchtversuchen festgenommen worden. Mehr als die Hälfte von ihnen saß noch im Gefängnis, als am 9. November die Mauer bereits gefallen war und DDR-Bürger schon frei in den Westen fahren konnten. Sie erfuhren teilweise erst Wochen später von den Umbrüchen in der DDR. Auch aus den übrigen über 80 Haftanstalten der DDR kamen damals nach und nach alle politischen Gefangenen frei.

Nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik wurde das Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen im Oktober 1990 geschlossen. Ehemalige Häftlinge setzten sich dafür ein, an diesem Ort eine Gedenkstätte zu schaffen. Die weitläufige Haftanstalt wurde 1992 unter Denkmalschutz gestellt und zwei Jahre später zur Gedenkstätte erklärt. Seit Juli 2000 ist sie eine selbstständige Stiftung öffentlichen Rechts. Deren gesetzliche Aufgabe ist es, die Geschichte der Haftanstalt Hohenschönhausen in den Jahren 1945 bis 1989 zu erforschen, durch Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen zu informieren und zur Auseinandersetzung mit den Formen und Folgen politischer Verfolgung und Unterdrückung in der kommunistischen Diktatur anzuregen. Am Beispiel dieses Gefängnisses soll sie zugleich über das System politischer Justiz informieren.

Da große Teile der Gebäude und der Einrichtung fast unversehrt erhalten geblieben sind, vermittelt die Gedenkstätte ein sehr authentisches Bild des Haftregimes in der DDR. Wegen ihrer geographischen Lage in der Bundeshauptstadt gilt sie als einer der wichtigsten Erinnerungsorte für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft in Deutschland. 2008 haben knapp 250.000 Menschen das einstige Stasi-Gefängnis besucht, darunter nahezu die Hälfte Schüler. Tendenz steigend. In der Regel führen ehemalige Häftlinge durch das Gelände.

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Der Wachturm der Gedenkstätte Hohenschönhausen steht als Mahnmal für die Geschichte der politischen Verfolgung in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR

Erstmals hat im Mai 2009 ein deutscher Regierungschef die Gedenkstätte besucht. Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel traf dabei auf drei der letzten politischen Gefangenen des früheren Stasi Gefängnisses. Vor zwanzig Jahren hatten diese durch die friedliche Revolution in der DDR die Freiheit wiedererlangt. Gilbert Furian, 1985 in Berlin-Hohenschönhausen inhaftiert und anschließend zu mehr als zwei Jahren Haft verurteilt, weil er Ost-Berliner Punks interviewte und die Gespräche in West-Berlin veröffentlichen wollte, führte Frau Dr. Merkel durch die Gedenkstätte. An einem Gedenkstein legte die Kanzlerin einen Kranz für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft nieder. Nach einem anschließenden Gespräch mit einer Schulklasse zeigte sie sich tief berührt von den Berichten der Zeitzeugen. „Die Gedenkstätte hat mir noch einmal vor Augen geführt, mit welcher Art und Weise die Würde der Menschen mit Füßen getreten wurde. Es ist wichtig, dass möglichst viele Menschen – gerade auch junge – diese Zeit in der Geschichte unseres Landes kennenlernen“, schrieb sie der Gedenkstätte ins Gästebuch.


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