Pinselstriche der Vergangenheit

Die East Side Gallery erstrahlt in neuem Glanz

von Saskia Mätzschker

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Friedenstauben und das Brandenburger Tor

Blick in die Vergangenheit: Es ist der frühe Morgen des 13. August 1961. Die Führung der DDR lässt alle Straßen und Verbindungen zu West Berlin abriegeln. Ein Tag, der in die deutsche Geschichte als Tag des Mauerbaus eingehen wird. Für 28 Jahre wird der Eiserne Vorhang den Westteil Berlins zur Insel machen, bis es am 9. November 1989 zum ersehnten Fall der Mauer kommt.

Wer heute zwischen Oberbaumbrücke und Ostbahnhof an der Spree entlang geht, kann diese vergangenen Ereignisse teilweise noch erahnen. Dort hat der Besucher die Möglichkeit, Fragmente der erhaltenen Mauer zu betrachten. Es ist ein Ort, der in Berlin zu einem Symbol der gelebten Einheit sowie zu einem Ausdruck für Frieden und Versöhnung geworden ist. Ein Ort, der für ein geteiltes und vereinigtes Deutschland steht und die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet: die East Side Gallery.

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„Der Bruderkuss“ – auf der East Side Gallery verewigt

Auf gut eintausenddreihundert Metern erzählt die Mauer von der Geschichte des geteilten Deutschlands. Doch dem Betrachter begegnet kein kalter, grauer Bau, der vor Militarismus strotzt, sondern ein künstlerisches Werk aus riesigen und farbenfrohen Wandbildern. Wie Dominosteine reihen sich 101 Bilder auf 832 Beton-Elementen aneinander. Bemalt mit bunten Farben, zeigen die Bilder auf der Ostseite der Mauer verschiedenste Episoden aus der Zeit der politischen Veränderung in den Jahren 1989 / 1990.

Künstler aus aller Welt bemalten nach dem Fall der Mauer das triste Bauwerk und ließen eine bemerkenswerte künstlerische Attraktion entstehen. Ob der berühmte „Bruderkuss“ zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker des russischen Malers Dimitri Wrubel oder das Bild des „DDR Trabis“, der symbolisch die Mauer durchbricht, gezeichnet von Birgit Kinder – alle Bilder sind von der gleichen überschwänglichen Freude und Euphorie gekennzeichnet, welche die Menschen in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft nach der Wiedervereinigung in sich trugen.

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Ein Trabi durchbricht die Mauer

Die Künstler dokumentierten malerisch ihre eigene Sichtweise auf das Erlebnis des Mauerfalls und verliehen so ihren unmittelbaren Gefühlen Ausdruck. So meinte der Künstler Andy Weiss mit Blick auf die Freiluftgalerie: „Die Farbe nimmt der Mauer den Schrecken und macht sie dadurch erträglich.“ Andere Künstler sehen die Galerie auch als das „schönste Monument“ Deutschlands.

Inzwischen gehört die East Side Gallery zu den touristischen Hauptattraktionen der Stadt und wird von seinen Besuchern gerne aus allen Blickwinkeln fotografiert. Zudem ist das Monument unter Denkmalschutz gestellt und wird so auch zukünftige Generationen an das Vergangene erinnern. 1997 gründeten die Mauerkünstler die Künstlerinitiative East Side Gallery e. V., die sich seitdem für den Schutz und Erhalt der Galerie engagiert. Im Mittelpunkt ihrer Aktivität steht das Ziel, ein Bewusstsein für die East Side Gallery als Ort von Kunst und historischem Denkmal zu schaffen.

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Die East Side Gallery begrüßt ihre Besucher in neuem Farbglanz

Doch die Spuren der Zeit sind auch an der längsten Freiluftgalerie der Welt nicht unbeschadet vorüber gegangen. Autoabgase und die natürliche Witterung führten dazu, dass die einst leuchtenden Farben der Bilder zunehmend verblassten. Durch eine aufwendige Restaurierung wurde der East Side Gallery wieder zu ihrem farbenfrohen Glanz verholfen. Viele der ehemaligen Künstler kamen extra nach Berlin, um ihren Gemälden einen frischen Anstrich zu geben. So konnte die East Side Gallery zum 20. Jahrestag des Mauerfalls in farbenfroher Renaissance bewundert werden.

Wer als Besucher Berlin in allen seinen Facetten kennenlernen will, kommt an der East Side Gallery nicht vorbei. Als Mahnmal eines geteilten Deutschland liefert sie auf einzigartige Weise einen künstlerischen Beitrag zum Umgang mit der Vergangenheit.


Künstlerinitiative East Side Gallery e. V.
Weserstr. 11
12047 Berlin
Tel.: 49 30 2517159
Fax: 49 30 25299831
E-Mail: info@eastsidegallery-berlin.com
www.eastsidegallery-berlin.com

Die Autorin studiert Wirtschaftskommunikation an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin und absolviert ein Praktikum in der Redaktion von aktuell .