Schloss und Garten Schönhausen

von Dr. Alfred Hagemann, Ausstellungskurator, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten

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Das Schloss Schönhausen in Berlin-Pankow lädt seine Besucher zum Austausch über Geschichte und Kultur ein

Seit Dezember 2009 sind Schloss und Garten Schönhausen erstmals der Öffentlichkeit als Schlossmuseum zugänglich. Dieses Schloss in Berlin-Pankow hat eine ganz einzigartige Stellung in der Denkmallandschaft Berlins, weil es als eines der wenigen Monumente der Stadt im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde. Außerdem spielte Schönhausen – im Gegensatz zu den meisten anderen Schlössern – auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine zentrale Rolle in der Geschichte Berlins, ja Deutschlands.

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Der Rokokofestsaal im Schloss Schönhausen

Nachdem ein erstes Schloss 1664 von Gräfin Sophie Theodore zu Dohna errichtet worden war, entstand um 1690 das bis heute im Kern erhaltene Schloss. Dieses nutzte Königin Elisabeth Christine, die Gattin Friedrichs II., zwischen 1740 und 1797 als Sommersitz und erweiterte es zu seiner heutigen Form.

Im 19. Jahrhundert erfuhr Schönhausen nur wenige Veränderungen und wurde nach längerem Verfall in den 1930er Jahren zu einem modernen Ausstellungsgebäude umgebaut. Zwischen 1938 und 1941 missbrauchten die Nationalsozialisten das Schloss als zentrales Depot für die in Museen und Sammlungen geraubten Werke der klassischen Moderne, die man als „entartete Kunst“ diffamierte.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kam es zu einer unerwarteten Wende in der Geschichte des Schlosses. Die 1949 gegründete DDR wählte Schönhausen als Sitz ihres Staatsoberhauptes und das Schloss stand so plötzlich im Fokus des Kalten Krieges. Schließlich wurde es von 1964 bis 1990 als Staatsgästehaus der DDR genutzt.

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Das Treppenhaus des Schlosses überzeugt durch seine Eleganz und seine reiche Verzierung

Diese ungewöhnliche Fülle von Spuren soll im Schloss dem Besucher erschlossen und erlebbar gemacht werden. Das Neben- und Miteinander der historischen Schichten steht deshalb im Mittelpunkt der Präsentation.

Im Erdgeschoss liegt der Schwerpunkt in der Präsentation des Schlosses von Königin Elisabeth Christine. Gerade hier ist unter den Farbschichten des 20. Jahrhunderts an zahlreichen Stellen die ursprüngliche Gestaltung des 18. Jahrhunderts zu Tage getreten. Darüber hinaus konnten in den letzten Jahren in detektivischer Arbeit Möbel, Gemälde und sogar Tapeten aus der Zeit der Königin identifiziert werden. So kann gezeigt werden, wie die Königin in ihrem Sommerschloss wohnte.

In den nördlichen Räumen des 1. Obergeschosses führt eine Gruppe von Räumen die Rolle von Schönhausen in der DDR vor Augen. Die erste Phase als Sitz des Staatsoberhauptes wird durch das Amtszimmer Wilhelm Piecks repräsentiert mit der 1950 eigens entworfenen Möblierung. Daneben ist das Staatsgästeappartement von 1963 / 64 weitgehend erhalten, in dem so bedeutende historische Persönlichkeiten wie Fidel Castro und Michail Gorbatschow übernachtet haben. Schließlich repräsentiert das sogenannte Kaminzimmer von 1979 eindringlich den demonstrativ historistischen Einrichtungsstil der Honecker-Ära.

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Die Stuckdekoration im Festsaal des Schlosses erinnert an vergangene Zeiten

Schönhausen ist somit nach dem Abriss des Palastes der Republik und der Privatisierung des Staatsratsgebäudes der letzte Ort, an dem die betont harmlose Selbstinszenierung der SED-Diktatur für Besucher authentisch erlebbar ist.

In den übrigen Räumen des 1. Obergeschosses wird der Bogen zum Anfang der Geschichte von Schönhausen geschlagen. Die Familie der Erbauerin des ersten Schlosses, die Burggrafen zu Dohna, hatten ihren Hauptsitz bis 1945 auf Schloss Schlobitten in Ostpreußen. Wie durch ein Wunder konnte Fürst Alexander zu Dohna-Schlobitten kurz vor Ende des Krieges einen bedeutenden Teil des Inventars retten. Nun ist Schönhausen die neue Heimat dieser einzigartigen Kunstwerke und kann auf diese Weise die Erinnerung an den ganzen Reichtum der Kultur Ostpreußens bewahren.

Schloss Schönhausen ist mit dieser Fülle sich überlagernder Spuren ein Kaleidoskop der deutschen Geschichte: Vom preußischen Adelsschloss zur königlichen Residenz, vom Missbrauch durch die Nationalsozialisten zur Repräsentation eines kommunistischen Regimes hat sich das Schloss nun zu einem Ort entwickelt, der allen Menschen offen steht und mit bis heute 20.000 Besuchern ein Zentrum des Austauschs über Geschichte und Kultur geworden ist.


Schloss und Garten Schönhausen
Tschaikowskistraße 1
13156 Berlin

Information: Besucherzentrum an der Historischen Mühle
An der Orangerie 1
14469 Potsdam
Tel.: 49 331 9694200
Fax: 49 331 9694107
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