200 Jahre Humboldt-Universität zu Berlin

Geschichte erleben - Wissen erfahren - Zukunftsideen entdecken

von Prof. Dr. Dr. h. c. Christoph Markschies, Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin

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Die Traditionsuniversität feiert ihr 200-jähriges Jubiläum

Die Humboldt-Universität zu Berlin wird zweihundert Jahre. Anlässlich unseres Geburtstags öffnen wir die Türen, um 15 Monate lang zu feiern, zu diskutieren und über die zukünftige Entwicklung unserer Universität nachzudenken. Dabei nehmen wir den Geburtstag auch zum Anlass, um über hochschulpolitische und wissenschaftliche Themen zu informieren, aber auch kritisch zu diskutieren, Lösungsansätze für große gesellschaftliche Probleme wie den Klimawandel vorzustellen und um so zu demonstrieren, welche Vielfalt und welches Wissen in dieser traditionsreichen Universität stecken. Aus den unterschiedlichsten Bereichen gibt es über 150 verschiedene Veranstaltungen: spannende Ausstellungen, zukunftsweisende Konferenzen, klassische Konzerte und vieles mehr. So gehen wir beispielsweise mit unseren Vorlesungen und anderen Präsentationen auf die großen Plätze der Stadt und laden die Berlinerinnen und Berliner, aber auch die vielen auswärtigen Gäste ein. Und wir feiern im zwanzigsten Jahr der deutschen Einheit auch die erfolgreiche, nahezu komplette Erneuerung der größten ostdeutschen Universität.

Die Humboldt-Universität zu Berlin ist die älteste der Berliner Hochschulen und eine der führenden Forschungseinrichtungen dieses Landes. Ihr Weg ins 21. Jahrhundert war dabei durchaus steinig. Wie wenige andere Universitäten ist unsere Universität von den Umbrüchen und Verwerfungen der sehr wechselvollen Geschichte Berlins, Deutschlands und Europas betroffen worden; sie hat dabei schwere Schuld auf sich geladen. Nachdem es schon vorher für jüdische Wissenschaftler schwer war, an der Universität ihrer Begabung entsprechend behandelt zu werden, wurden seit 1933 die jüdischen Professoren und Studierenden unserer Universität vertrieben, ins Exil gezwungen und ermordet. Dies alles kam nicht über die Universität, sondern wurde mit ihrer Zustimmung und Beteiligung durchgeführt: Die berüchtigte Bücherverbrennung des Jahres 1934 stand beispielsweise im Zusammenhang einer Antrittsvorlesung eines braunen Pädagogen. Mit den Menschen wurde die Vision einer Humboldtschen Universität aus Berlin vertrieben und so gibt es heutigentags viele legitime Erben der einstigen Friedrich-Wilhelms-Universität. Damit meine ich nicht nur die vielen Universitäten, die im neunzehnten Jahrhundert nach dem Berliner Modell gegründet wurden, sondern auch alle die Universitäten, die nach 1933 vertriebene Berliner Gelehrte aufgenommen haben, beispielsweise die Hebräische Universität in Jerusalem, mit der wir heute enge Beziehungen pflegen.

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Die älteste Berliner Hochschule blickt auf eine lange Geschichte zurück

Seit 1948 trägt unsere Universität die Namen der Brüder Humboldt: Wilhelm entwarf in einem kurzen Jahr als preußischer Kultusminister unter dem Eindruck der Reformideen des Theologen Schleiermacher jenes Konzept einer „Universitas litterarum“, das den König zur Gründung und Alimentierung motivierte und die Universität mindestens in den ersten Jahren prägte, weil es den Konsens einer ganzen Gruppe von Gründervätern repräsentierte. Wir kennen heute meist nur noch kurze Formeln, die zudem erst im frühen zwanzigsten Jahrhundert geprägt worden sind: Einheit von Lehre und Forschung, Freiheit der Wissenschaft und allseitige Bildung der Studierenden. Aber die Berliner Gründung war tatsächlich durch eine wechselseitige Verwiesenheit von Forschung und Lehre geprägt, intendierte staatsfreie, unabhängige Forschung jenseits von Fachidiotentum und einseitigen Bildungskonzepten und wurde so zum Leitbild für zahlreiche Universitätsgründungen in aller Welt. Wilhelms Bruder Alexander von Humboldt war in seiner Berliner Zeit der prominenteste Gastprofessor (und Gaststudent) der Universität, er ergänzte den traditionellen europäischen Blick der Universität durch außereuropäische Perspektiven und faszinierte tausende Zuhörer durch seine berühmten Kosmos-Vorlesungen, die gleichzeitig für das Fachpublikum im Gebäude der Universität und für die breitere Öffentlichkeit in der benachbarten Singakademie stattfanden.

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Die Humboldt-Universität zu Berlin – Ein Zentrum für Forschung und Lehre mit lebendigem Studentenleben

In ihrer zweihundertjährigen Geschichte durchlief die Universität viele Wandlungen. Mit 256 Studenten und 52 Lehrenden begann im Jahr 1810 das erste Semester an der neu gegründeten Berliner Universität. Heute ist sie in elf Fakultäten gegliedert, verfügt über starke interdisziplinäre Forschungszentren, mehrere Zentralinstitute und Graduate Schools. Derzeit studieren ca. 34.000 junge Menschen in den Fakultäten und Instituten der Universität. Über 350 Professoren sind in Forschung und Lehre tätig. Mit über 240 Studiengängen bietet die Universität ein breites Spektrum an Disziplinen – von Afrikawissenschaften bis Zahnmedizin. International anerkannte Abschlüsse, passende Module zur Weiterbildung und englischsprachige Studiengänge locken junge Menschen aus der ganzen Welt. Denn die Hauptstadt-Universität zeichnet sich durch Weltoffenheit und Reformfreude aus.

Die Humboldt-Universität wurde als Reformuniversität gegründet und möchte sich im Jubiläumsjahr 2010 natürlich ebenfalls als moderne Reformuniversität präsentieren. Zu feiern ist aber auch die Selbstbehauptung einer Vision am Ort ihrer Entstehung in Berlin-Mitte ungeachtet aller politischen und moralischen Katastrophen im zwanzigsten Jahrhundert. Als Institution, die Fortschritt und Wandel als Selbstverständlichkeit versteht, die – so das Motto der Feierlichkeiten – als „das moderne Original“ bezeichnet werden kann. Zu diesen Feiern sind auch alle Leserinnen und Leser dieser Zeitschrift herzlich eingeladen: Wir freuen uns auf Sie! Nehmen Sie Kontakt mit uns auf, damit wir Sie angemessen willkommen heißen können!


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