Kameras, Kulissen und großes Kino

Die Traumfabrik an der Spree

_von Berlin Tourismus Marketing GmbH_

Auf dem Gendarmenmarkt wurde der Film „In 80 Tagen um die Welt“ gedreht.

„Achtung, Klappe!“, „Und Action!“: Diese Rufe kann man in Berlin immer öfter hören. Auch Catering-Wagen, große Scheinwerfer-Aufgebote und Absperrungen gehören mittlerweile zum Straßenbild. Kein Wunder – an der Spree wird soviel gefilmt wie noch nie. Um die 40 Filmteams sind hier jeden Tag unterwegs, pro Jahr werden mehr als 300 Streifen produziert. Ob Videoclips, Kurz- oder Spielfilme, TV-Serien, Werbung oder Magazine – Berlin ist beliebte Kulisse. Mal ist das urbane Ambiente gefragt, mal die futuristische Architektur neben maroden Fabrikgebäuden, ein anderes Mal Wahrzeichen wie das Brandenburger Tor. Oder einfach Straßenzüge von Prenzlauer Berg oder Neukölln, die Filmen wie „Sonnenallee“ oder „Sommer vorm Balkon“ das gewisse unverwechselbare Etwas verleihen.

Dass die Hauptstadt beliebter Schauplatz von Spielfilmen ist, hat eine lange Tradition. „Der schäbigste Berliner Straßenwinkel (im Film) regt meine Fantasie mehr an als das kostspielige Pappdeckel-Indien“, schrieb der Kritiker Alfred Polgar bereits 1921. Damals entstanden hier legendäre Streifen wie Friedrich Wilhelm Murnaus „Der letzte Mann“, Fritz Langs „Nibelungen“ oder Ernst Lubitschs Historienfilm „Anna Boleyn“. Dabei war Berlin nicht nur atmosphärisch reizvoller Hintergrund, oft lieferte die Stadt überhaupt erst den Stoff, aus dem die Traumstreifen gemacht sind. Ob Walter Ruttmanns „Berlin – Die Sinfonie einer Großstadt“, Gerhard Lamprechts „Emil und die Detektive“ oder Phil Jutzis „Berlin, Alexanderplatz“ – sie alle nähren sich aus dem Glanz und Elend der Metropole und schöpfen aus ihr unvergessliche Bilder. Später setzt sich das mit Produktionen wie Billy Wilders „Eins, zwei, drei“, Wim Wenders „Himmel über Berlin“, Heiner Carows „Legende von Paul und Paula“, Ulrich Edels „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ oder auch den „Comedian Harmonists“ von Joseph Vilsmaier fort.

Doch die deutsche Hauptstadt ist nicht nur filmreif, sondern auch ein professioneller Produktionsstandort. Um die 800 Produktionsfirmen, etwa 50 Studios und fünfzehn Synchronisationsfirmen sind hier ansässig. Neben der Media City in Adlershof wird vor allem in Babelsberg südlich von Berlin gedreht, wo die bald hundert Jahre alten UFA- und späteren DEFA-Studios stehen. Ihre Geburtsstunde schlug 1911, als der Kameramann Guido Seeber für die Deutsche Bioscop Filmgesellschaft nahe der Wohnsiedlung Neubabelsberg ein baufälliges Fabrikgelände erwarb. Die ersten Dreharbeiten begannen schon ein Jahr später, als Regisseur Urban Gad mit Asta Nielsen „Der Totentanz“ filmte. In nur wenigen Jahren entwickelte sich Babelsberg zum führenden europäischen Filmzentrum. Als die Universum Film-AG, kurz UFA, 1924 das Areal übernahm, baute sie unter anderem die 123 Meter lange und 56 Meter breite Marlene-Dietrich-Halle, die noch heute zu den größten Studios des Kontinents gehört. Friedrich Murnau, Ernst Lubitsch und viele andere arbeiteten hier. Höhepunkt war 1927 Fritz Langs „Metropolis“ mit mehr als 30.000 Darstellern. Danach standen hier Greta Garbo, Heinz Rühmann, Lilian Harvey und Willy Fritsch vor der Kamera. Und natürlich Marlene Dietrich, die mit Josef von Sternbergs „Der blaue Engel“ 1930 ihren Durchbruch erlebte. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verarmte die deutsche Filmlandschaft zusehends, da viele kreative Filmschaffende jüdischen Glaubens waren und emigrieren mussten.

Filmarbeiten in Wohnstraßen, wie hier im Grunewald, sind an der Tagesordnung. Die Bewohner räumen für ein paar Tage ihre Villa und auf der Straße entsteht eine Campingstadt.

Zu DDR-Zeiten entstanden in Berlin DEFA Filme wie Roland Gräfs „Die Flucht“ mit Armin Müller-Stahl. Auch heute werden im Studio Babelsberg viele Filme aber auch Fernseh- und Rundfunksendungen produziert.

Inzwischen bestreitet die Film- und Fernsehbranche in der Hauptstadtregion mit 13.000 Beschäftigten ein Viertel aller deutschen Produktionen. Mit einem Umsatz von rund einer Milliarde Euro pro Jahr ist sie wichtige Wirtschafts- und Wachstumsbranche. Und sie produziert Qualität: Viele hier entstandene, unkonventionelle Spielfilme haben in den letzten Jahren dem Neuen Deutschen Kino Auftrieb gegeben. Die Ost-West-Komödie „Good bye, Lenin“ mit Publikumsliebling Daniel Brühl zum Beispiel, die allein in Deutschland über sechs Millionen Zuschauer in die Kinos lockte.

Hans Weingartners „Die fetten Jahre sind vorbei“ schaffte es als erster deutscher Film wieder in den Wettbewerb von Cannes, und „Das Leben der Anderen“ wurde siebenfach mit dem Deutschen Filmpreis 2006 ausgezeichnet. Zugleich entstehen hier internationale Produktionen wie Polanskis Welterfolg „Der Pianist“, Jodie Fosters „Flight Plan“ oder Jackie Chans „In 80 Tagen um die Welt“.

Eine wichtige Rolle spielt die Hauptstadtregion aber auch als TV-Standort. Viele deutsche Fernsehsender wie RBB, SAT.1, MTV, VIVA, N24 und Deutsche Welle haben ihren Hauptsitz in Berlin oder Babelsberg, ARD, ZDF, RTL, NTV und zahlreiche ausländische Fernsehsender wie CNN unterhalten hier ein Hauptstadtstudio. Nach dem Erfolg von Fernsehserien wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, die RTL in Babelsberg produziert, traten inzwischen auch die Telenovelas von Berlin aus ihren Siegeszug an. Allen voran „Verliebt in Berlin“. Der Name des Erfolgsformats ist Programm: Vom Flair der Metropole versprechen sich die Macher nicht nur einen ästhetischen prickelnden Mehrwert – manchmal scheint es, als sei auch die Film- und Fernsehbranche selbst in Berlin verliebt.

Natürlich gehören zu einer Filmmetropole auch Kinos. Und auch auf diesem Gebiet bricht Berlin mit zehn Prozent der deutschen Lichtspieltheater alle Rekorde. Trotz des allgemeinen Kinosterbens gibt es an der Spree noch 169 Betreiber und insgesamt 526 Filmleinwände. Dabei ist alles vertreten: von den großen Multiplexkinos am Potsdamer Platz oder Schönhauser Allee über kleinere Programmkinos bis hin zu winzigen Kiez-Guckröhren in Fabriketagen. Wer ins Kino geht, hat nicht nur die Wahl zwischen unzähligen Filmen, darunter Raritäten, die häufig in Originalsprache laufen. Er hat zugleich die Qual, sich zwischen unterschiedlichsten Sälen zu entscheiden. Soll es das „Blauer Stern“ in Pankow mit seinem schönen Sternenhimmel aus den Vierzigerjahren sein? Das „Rollberg“ aus den Zwanzigerjahren, das einst größtes Filmtheater Europas war? Oder das „Babylon Mitte“ am Rosa-Luxemburg-Platz, das einzige noch erhaltene Uraufführungskino der Stummfilmzeit? Während im „Krokodil“ ausschließlich russische Filme und solche aus der ehemaligen Sowjetunion laufen, lädt das „Nickelodeon“ junge Eltern zum unbeschwerten Filmgenuss mit Babysitter-Service ein. Familiäre Atmosphäre prägt auch das „Lichtblick“ mit nur 32 Sitzplätzen, das in einer ehemaligen Fleischerei Avantgardestreifen zeigt. Und im „Cinema am Walter-Schreiber-Platz“ in Steglitz wird anspruchsvolle Kost für nur 2,99 Euro geboten. Ein besonderes Stück Zeitgeschichte stellt das „International“ in Mitte im Stil der Sechzigerjahre dar. Als offizielles Premierenhaus der DDR genießt es mit seiner Honecker-Lounge, dem Clubraum Frösi und einer Cocktailbar geradezu Kultstatus. Nicht nur bei Filmfestspielgästen beliebt ist außerdem der „Delphi-Filmpalast“, der bis 1949 Tanzsaal war und noch heute das Flair der Zwanzigerjahre verbreitet. Im Sommer locken zudem zahlreiche Freiluftkinos auf die Museumsinsel, in den Volkspark Hasenheide, den Innenhof des Ethnologischen Museums oder auf das Kulturforum am Potsdamer Platz.

Robert de Niro gibt auf der Berlinale 2007 Autogramme

Höhepunkt des jährlichen Filmgeschehens ist neben Festivals wie dem Jüdischen Filmfest natürlich die Berlinale. 1951 mit Alfred Hitchcocks „Rebecca“ im Titania Palast eröffnet, sind die Internationalen Filmfestspiele heute das größte Kulturereignis an der Spree. Mehr als 19.000 Fachbesucher, darunter 3.800 Journalisten kommen alljährlich, um rund 350 Filme zu begutachten. Aber mit mehr als 180.000 verkauften Tickets ist die Berlinale auch das weltweit größte Publikumsfestival. Seitdem es im Jahr 2000 an den Potsdamer Platz gezogen ist, sorgen immer mehr Stars für besonderen Glanz. Wir sind gespannt, wer 2008 begrüßt wird.


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