Tief bewegend und sehr lehrreich

Günter Kolodziej

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, besuchte vom 19. bis 22. November letzten Jahres Israel. Günter Kolodziej, der stellvertretende Sprecher des Senates, war Mitglied der Berliner Delegation. Hier sein Bericht.

Der Regierende Bürgermeister an der Klagemauer

Der Regierende Bürgermeister an der Klagemauer

Am 12. Mai 1965 sind die diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel aufgenommen worden. Der 40. Jahrestag dieses historischen Datums ist durch zahlreiche Veranstaltungen in Deutschland und Israel begangen worden. So waren im Jahr 2005 Bundespräsident Köhler sowie die Bundesminister Fischer, Schily und Zypries in Israel. Auf der anderen Seite stattete der israelische Staatspräsident Katsav Deutschland einen Staatsbesuch ab und auch der Außenminister Shalom und der damals noch stellvertretende Premier Olmert besuchten Deutschland.

Anlässlich des Jahrestages besuchte auch der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, Israel. Er reiste im November 2005 nach Tel Aviv und Jerusalem und informierte sich im Anschluss noch einen Tag über die Situation in den palästinensischen Gebieten. Die Reise fand unter großer Beachtung der Medien statt. Journalisten aller wichtigen Medien, von BILD bis zum Spiegel aber auch von Rundfunk und Fernsehen begleiteten den Regierenden Bürgermeister.

Mitglieder der Delegation

Mitglieder der Delegation

Den Grund und das Ziel seines Besuches erläuterte der Regierende Bürgermeister in einem Artikel der Jerusalem Post. Das Bekenntnis der Deutschen zu ihrer historischen Verantwortung, so schrieb er unter anderem, sei unabdingbarer Bestandteil ihrer Staatsräson. „Nur wenn wir Deutschen uns zu unserer Geschichte bekennen, finden wir die Kraft, um unsere Zukunft in Frieden und Freiheit zu gestalten, können wir erwarten, als respektiertes Mitglied der Völkergemeinschaft wahrgenommen zu werden.“ Und weiter: „Am Existenzrecht Israels darf nicht gerüttelt werden. Das muss gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Äußerungen aus dem Iran mit aller Deutlichkeit wiederholt werden. Der jüdische Staat hat das Recht, sein Territorium zu schützen.“

Gleichzeitig aber wollte der Regierende auch Brücken bauen zwischen Israel und Deutschland und gerade die Jüngeren ermutigen, „das Werk der Versöhnung und Verständigung zwischen unseren beiden Völkern“ fortzusetzen. Diesen beiden Maximen, das Vergangene wach zu halten und den Weg der Versöhnung weiterzugehen, dienten die vielfältigen Gespräche und die zahlreichen Besuche verschiedener Institutionen.

Besonders hervorzuheben ist dabei sicher das intensive Gespräch mit Staatspräsident Katsav, der sich trotz einer heftigen Regierungskrise die Zeit für einen gut einstündigen Dialog mit der Berliner Delegation nahm. Katsav machte deutlich, dass sein Besuch in Berlin ihn davon überzeugt habe, dass Deutschland an der Seite Israels stehe und alles Notwendige tue, um antiisraelischen und antisemitischen Tendenzen entschieden entgegenzutreten. Der Regierende Bürgermeister verwies darauf, dass Berlin stolz auf das lebendige jüdische Leben in der Hauptstadt sei und warb für den Ausbau insbesondere der kulturellen Beziehungen.

Aber nicht nur die Gespräche mit Politikern, darunter mit Shimon Peres und dem Bürgermeister von Jerusalem, Uri Lupolianski, prägten die Reise, sondern auch Besuche etwa der „Hand in Hand Schule“, in der jüdische und arabische Kinder gemeinsam miteinander und voneinander lernen, des Radioprojektes „Radio for all Peace“, ein Radiosender, der von palästinensischen und israelischen Mitarbeitern gemeinsam betrieben wird. All diese Projekte machen Hoffung auf eine friedliche oder doch zumindest friedlichere Zukunft im Nahen Osten.

Es ist hier leider nicht der Platz, alle Eindrücke dieser Reise zu schildern. Es waren schlicht zu viele, aber zwei tief bewegende Momente sollen noch Erwähnung finden. Die Kranzniederlegung auf dem Jitzhak-Rabin-Platz und der Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem mit dem Besuch des Kinderdenkmals. Die Empfindungen des Besuchs von Yad Vashem in angemessene Worte zu kleiden, ist nahezu unmöglich. Fassungslosigkeit, tiefe Scham und auch Wut über das, was Deutsche dem jüdischen Volk angetan haben, prägten während des Besuchs und auch noch lange danach die Stimmung der Delegation. Es fiel allen schwer, sich danach auf die nächsten Programmpunkte zu konzentrieren. Die Niederlegung des Kranzes zum Gedenken an Jitzak Rabin zeigte uns die tiefe Verehrung, die viele Israelis diesem großen Staatsmann entgegenbringen. Viele sprachen uns nach der Zeremonie an und brachten ihre Freude darüber zum Ausdruck, dass auch der Berliner Regierungschef seiner gedachte.

Im Anschluss an die Besuche in Tel Aviv und Jerusalem reiste die Delegation in die palästinensischen Gebiete um sich in Ramallah in Gesprächen mit führenden Politikern über die Situation zu informieren. Auch diese Gespräche waren sehr intensiv, sie dokumentierten die Schwierigkeiten, die einem dauerhaften Frieden zwischen Isrealis und Palästinensern im Wege stehen und sie mahnten uns, gerade als deutsche Politiker zur Zurückhaltung bei Lösungsvorschlägen.
Es waren die tiefe Hoffnung auf baldigen Frieden in der Region, die Erkenntnis wie schwierig dieses Ziel zu erreichen sein wird und die Erinnerung an sehr bewegende, nachdenklich stimmende, aber auch heitere Momente dieser Reise, die die Delegation auf dem Rückflug nach Berlin beschäftigte.