von Günter Schlusche, Architekt und Vorstand der Gesellschaft zur Erforschung des Lebens und Wirkens deutschsprachiger jüdischer Architekten
Sie waren erfolgreiche Architekten, Angehörige des Bauhauses, in Reformverbanden wie dem Deutschen Werkbund und dem Bund Deutscher Architekten engagiert, haben zahlreiche Bauten, Siedlungen, Freiraume und neuartige Gestaltungskonzepte für die Stadt Berlin und private Bauherren ausgeführt. Oft gehörten sie zur Avantgarde ihres Berufs und fühlten sich den Reformbewegungen des frühen 20. Jahrhunderts verpflichtet. Ohne Architekten wie Erich Mendelsohn, Bruno Ahrends, Martin Punitzer, Erwin Gutkind, Fred Forbát, Marie Frommer, Franz Hillinger, Oskar Kaufmann oder Konrad Wachsmann wäre die dynamische Entwicklung Berlins und anderer deutscher Städte in der Weimarer Republik nicht denkbar gewesen. Sie spielten eine entscheidende Rolle bei der Realisierung der innovativen Großsiedlungen, die Teil des großangelegten Reformprogramms der Weimarer Republik unter dem Berliner Stadtbaurat Martin Wagner waren und die heute als Teil des Unesco-Weltkulturerbes internationale Reputation genießen. Architekten wie Alexander Klein, Paul Zucker oder Leo Adler leisteten auch in Forschung und Lehre wichtige Beiträge zur Bau- und Städtebaugeschichte oder zur Rationalisierung des Wohnungswesens.