Lenné-Jahr 2016: 200 Jahre Park Glienicke

von Bärbel Petersen, Kulturmanagement-Berlin

Bildvergrößerung: Der Park Klein-Glienicke: Hier möchte man die Seele baumeln lassen
Der Park Klein-Glienicke: Hier möchte man die Seele baumeln lassen
Bild: Kulturmanagement-Berlin

Im Südwesten Berlins kurz vor der Glienicker Brücke befindet sich der Park Glienicke, dessen Umgestaltung vor 200 Jahren begann. 1814 hatte der damalige Besitzer Staatskanzler Fürst Karl August von Hardenberg dieses Areal erworben. Zwei Jahre später bittet er den 27-jährigen Potsdamer Gartengesellen Peter Joseph Lenné, seinen zur Havel hin abfallenden Garten umzugestalten. Warum der Fürst nicht seinen Schwiegersohn Fürst Pückler damit beauftragte, ist nicht überliefert.

Lenné leitet sofort erste Maßnahmen ein, die bis heute den Park Klein-Glienicke, so der offizielle Name, prägen. Das Wohnhaus wird in ein hügeliges Gelände eingebettet, das landschaftlich bepflanzt und nach englischen Vorbildern als Pleasureground gestaltet wird. Dieser Bereich mit einer Fläche von etwa vier Hektar umfasst drei Hügel, die von Lenné so angeordnet werden, dass sich zwischen ihnen ein Wiesengrund bis zur Havel erstreckt. „Ausgestattet mit reichhaltigen, raumbildenden Gehölzen, einem Wegenetz mit immer wieder neuen Ausblicken, Brunnen, Blumenbeeten und Kunstwerken, gewährte dieser Garten ein Optimum an Empfindungen und Eindrücken und erreichte durch mehrere je nach Standort wechselnde Fernsichten in die Havellandschaft und nach Potsdam eine ungeahnte Weite und Großzügigkeit“, so Heinz Wiegand, Gartendenkmalpfleger zu Berlin.

1824 kauft Prinz Carl von Preußen das Anwesen und verändert es tiefgreifend. Ab 1840 wird der Park beträchtlich erweitert und fügt sich mit den von Lenné geschaffenen Sichtbeziehungen harmonisch in die Potsdamer Kulturlandschaft ein. Seit 1990 gehört er zum UNESCO-Welterbe „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“.

Blick vom Park auf die Glienicker Brücke
Blick vom Park auf die Glienicker Brücke
Bild: Kulturmanagement-Berlin

Lenné, 1789 geboren, stammt aus einer Bonner Hofgärtnerfamilie. Bei seinem Onkel macht er von 1805–1808 eine Gärtnerlehre. Ab 1809 unternimmt er verschiedene Studienreisen durch Süddeutschland und nach Paris (1811/12). Von dort kehrt er nach Koblenz zurück, wo seine Familie inzwischen lebt. Sein Vater ist hier Leiter der Landesbaumschule. Ab 1812 begibt er sich auf seine 3. Studienreise in die Schweiz, Süddeutschland und München und im Herbst nach Wien, wo er in Schönbrunn arbeitet und danach in Laxenburg südlich von Wien angestellt ist. Hier wird ihm der Titel „Kaiserlicher Garteningenieur“ verliehen. 1816 folgt Lenné der Berufung nach Potsdam, wo er eine renommierte Anstellung am Preußischen Hof unter König Wilhelm III. bekommt. Er beginnt mit der Planung des „Neuen Gartens“ in Potsdam, mit der Umgestaltung des Parks Glienicke und mit der Neugestaltung des königlichen Parks von Sanssouci. In den nächsten Jahren plant er beispielsweise den Berliner Tiergarten, den Park Charlottenhof in Potsdam, den Berliner Lustgarten, die Pfaueninsel, den Schloßpark Babelsberg, den Zoologischen Garten u.v.m., nicht nur in Preußen. 1845 ernennt ihn Wilhelm IV. zum Gartengeneraldirektor der königlich-preußischen Gärten. Am 23. Januar 1866 stirbt Lenné in Potsdam und wird auf dem Privatfriedhof der Hofgärtnerfamilie Sello in Potsdam-Bornstedt beigesetzt.

Schlossanlage und Park fügen sich harmonisch zusammen
Schlossanlage und Park fügen sich harmonisch zusammen
Bild: Kulturmanagement-Berlin

„Lenné bewältigte in seiner über 50-jährigen Schaffenszeit ein äußerst umfangreiches Aufgabenspektrum. Ob adlige Gärten oder Projekte des bürgerlichen Stadtgrüns, stets hatte Lenné auf Bedürfnisse und Wünsche gestalterisch zu reagieren, flexibel, mit eigener Grundhaltung, Überzeugung und Durchsetzungsvermögen“, sagt Prof. Dr. Michael Rohde, Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Er betont: „Der Gestalter und großartige Gartenkünstler Peter Joseph Lenné hat den Berufsstand gefördert, die Gartenkunst als Kunst- und Denkmalaufgabe gefestigt und die gesamte Potsdam-Berliner-Kulturlandschaft initiiert und ausgeformt.“

Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums hat der Berliner Bezirk Steglitz- Zehlendorf gemeinsam mit vielen Kooperationspartnern ein umfangreiches Programm zusammengestellt, um an Lenné und sein Wirken zu erinnern.

Weitere Information unter www.peter-joseph-lenne.de und in der Lenné- App (deutsch/englisch) im App Store und im Google Play Store zum freien Download.

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