Das Blumenstraußprojekt

von Regina Ultze, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft

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Bild: Gudrun Arndt

Inge Deutschkron beantwortet Fragen der jungen Menschen

In Gedenken an die Befreiung der Gefangenen im Konzentrationslager Auschwitz am 27. Januar 1945 initiierte die Publizistin Inge Deutschkron erstmals im Jahr 2006 das „Blumenstraußprojekt“. Seitdem sind die Begegnungen zwischen Überlebenden und Berliner Schülerinnen und Schülern an diesem Gedenktag Tradition.

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Bild: Gudrun Arndt

Inge Deutschkron im Gespräch mit der Schauspielerin, die im Theater ihre Rolle spielt

Inge Deutschkron hatte die Idee, dass junge Menschen in Berlin lebenden Holocaustüberlebenden jährlich am 27. Januar einen Blumenstrauß überreichen. Dieser Tag ist seit 18 Jahren in Deutschland gesetzlicher Gedenktag, um an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern.

Die Idee von Inge Deutschkron entwickelte sich zu einem gemeinsamen Projekt mit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft sowie der Senatskanzlei, die jährlich alle Berliner Schulen zur Teilnahme am Projekt einladen. Das Interesse ist in all den Jahren konstant hoch und übersteigt bei weitem die vorhandenen Möglichkeiten der Kontaktvermittlung. Dabei geht es nicht nur um den Vorgang des Blumenüberreichens, sondern auch um die Vor- und Nachbereitung der Begegnungen in den Schulen, sei es durch Gespräche, Rechercheaufträge zu den Biographien der Besuchten aber auch durch künstlerische Projekte, um das Gehörte, emotional Berührende zu verarbeiten. Dies verlangt auch von den Lehrkräften große Flexibilität, zeigt aber auch den Stellenwert, den die Lehrkräfte diesen persönlichen Begegnungen zwischen den Generationen beimessen. Am Gedenktag selbst finden dann sehr oft anrührende Gespräche statt, die in der eher familiären Atmosphäre den Schülerinnen und Schülern zu ganz besonderen Einblicken in das Leben der Betroffenen verhelfen. Diese Besuche bei den Zeitzeugen erfahren die Kinder und Jugendlichen als sehr emotionale und einmalige Begegnungen. Die erzählten Geschichten werden dann oft im Klassenverband, in den eigenen Familien oder unter den Freunden weitererzählt und bleiben so in sehr lebendiger Erinnerung.

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Bild: Gudrun Arndt

In diesem Jahr wurde bei der Dankeschön-Veranstaltung im Grips-Theater eine kleine Ausstellung zum Blumenstraußprojekt gezeigt

Für ihr Engagement werden die Schülerinnen und Schüler jedes Jahr anschließend zu einer Dankeschön-Veranstaltung ins GRIPS-Theater eingeladen. Gemeinsam wird das Theaterstück „Ab heute heißt du Sara“ besucht. Das Stück, nach dem Buch von Inge Deutschkron „Ich trug den gelben Stern“, erzählt in 33 Bildern von der Angst der Verfolgten und von vielen Menschen, die Inge und ihrer Mutter geholfen haben und die für Inge Deutschkron „stille Helden“ wurden. Im Mittelpunkt des Stückes steht aber der kämpferische Mut eines jungen Mädchens, das nicht aufgibt. Und so ist es für alle Schülerinnen und Schüler des Blumenstraußprojektes ein besonderes Erlebnis, wenn Inge Deutschkron persönlich die Aufführung besucht und anschließend viele Fragen beantwortet.

Im Foyer des Theaters sind an diesem besonderen Abend künstlerische Arbeiten von Schülerinnen und Schüler zu sehen, die sich ganz besonders intensiv mit den thematischen Zusammenhängen beschäftigt haben und die ihre Begegnungen, die Eindrücke, Gefühle mit ganz unterschiedlichen Mitteln zum Ausdruck bringen. So entsteht jedes Jahr eine kleine Ausstellung, die ebenfalls einen Anlass bietet, mit den Schauspielerinnen und Schauspielern und untereinander ins Gespräch zu kommen.

Inge Deutschkron
Inge Deutschkron wurde 1922 in Finsterwalde geboren und wuchs in Berlin auf. Die jüdische Familie Deutschkron wurde auch wegen ihrer politischen Arbeit in der SPD verfolgt. Dem Vater gelang noch kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs die Flucht nach England. Die Mutter und Inge mussten in Berlin zurückbleiben und waren von Kriegsbeginn an einer immer grausamer werdenden Verfolgung ausgesetzt. Inge Deutschkron arbeitete in dieser Zeit nacheinander als Dienstmädchen und Fabrikarbeiterin. Sie lernte den Kleinfabrikanten Otto Weidt kennen, der sich außerordentlich engagierte, um seine jüdischen Arbeiterinnen und Arbeiter vor Verfolgung und Deportation zu schützen. Zwei Jahre hat Inge Deutschkron in der Blindenwerkstatt gearbeitet und hier als verfolgte Jüdin Hilfe und Unterstützung erfahren. Inge und ihre Mutter konnten auch mit Hilfe weiterer Menschen in verschiedenen Verstecken überleben. www.inge-deutschkron-stiftung.de/inge-deutschkron


Falls durch diesen Artikel Berlinerinnen oder Berliner von dem Projekt erfahren, die ebenfalls Holocaustüberlebende sind, aber bisher keine Blumen erhalten haben, melden Sie sich bitte bei uns:

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