Die Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen

von: Rainer Rother, Künstlerischer Direktor Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen

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Bild: Hans Scherhaufer, Deutsche Kinemathek

Das Filmhaus am Potsdamer Platz.

2013 feiert die Deutsche Kinemathek ihr 50-jähriges Bestehen. Sie entstand aus der Initiative des Regisseurs und Sammlers Gerhard Lamprecht, der auch ihr Gründungsdirektor wurde. Neben Lamprechts bedeutender Sammlung bildete die Filmkollektion von Albert Fidelius den Grundstock der neuen Institution. Die Kinemathek, gegründet als Verein, 1971 in eine Stiftung umgewandelt, konnte in ihren Anfangsjahren zunächst nur erste kleine Ausstellungen und Filmreihen präsentieren. Die von Lamprecht gehegte Hoffnung, schon bald ein eigenes Museum eröffnen zu können, erfüllte sich nicht – erst im Jahr 2000 konnte das eigene Haus am Potsdamer Platz mit der Ständigen Ausstellung und den Räumen für Sonderausstellungen dem Publikum einen Blick auf die Geschichte des deutschen Films, seit 2006 auch die des Fernsehens, ermöglichen.

Schon in den ersten Jahren der Deutschen Kinemathek wuchsen die Sammlungen kontinuierlich an. Weitere Aktivitäten kamen hinzu: seit 1977 die filmhistorische Retrospektive der Berlinale, mit vielen Themen zum Filmexil, so auch im Jubiläumsjahr der Kinemathek unter der Überschrift „The Weimar Touch“. 1978 fand das erste der dann jährlich stattfindenden filmhistorischen Kolloquien statt. Vergessene oder einer neuen Wertung unterzogene Epochen des Films, Kontinuitäten und Brüche des deutschen Films, das Nachdenken über die Anforderungen an die eigene Arbeit gehörten bisher zu den Themen dieser gut besuchten Veranstaltungen. Das Thema des diesjährigen Kolloquiums lautet „Sammeln, Sichern, Sehen“ und fragt „Was ist eine Kinemathek?“

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Bild: Hans Scherhaufer, Deutsche Kinemathek

Ausstellungsobjekte der Marlene Dietrich Collection Berlin.

Ungeachtet anfangs noch fehlender eigener Räumlichkeiten präsentierte die Deutsche Kinemathek kontinuierlich Ausstellungen. Sie fanden etwa im Bikini-Haus an der Budapester Straße in Berlin Charlottenburg statt und 1987 dann, zur 750-Jahr-Feier Berlins, im ehemaligen Hotel Esplanade. Damals war geplant, diesen direkt an der Berliner Mauer gelegenen Ort zügig zum Filmmuseum umzubauen. Ein Plan, den historische Ereignisse überholten. Nach dem Fall der Mauer war die Deutsche Kinemathek 1992 Partner der großen Ausstellung zur Geschichte der Ufa im Deutschen Historischen Museum und verantwortete 1995, zum 100-jährigen Jubiläum des Films, die Schau „Kino, Movie, Cinema“ im Martin-Gropius-Bau. Mit diesen Auftritten an anderen Orten wurde dem Publikum, den Berlinern ebenso wie den in- und ausländischen Besuchern, Reichtum und Bedeutung der Sammlungen sinnfällig.

Dabei war neben der Bemühung um Zeugnisse aus allen Jahrzehnten der deutschen Filmproduktion das Filmexil schon in den siebziger Jahren ein Schwerpunkt für die Erweiterung der Sammlungen. Nicht zuletzt der Kurator Gero Gandert baute Kontakte zu vielen Künstlern auf, die vor der nationalsozialistischen Terrorherrschaft fliehen mussten. Heute bewahrt die Kinemathek die bedeutendsten Sammlungen zum Filmexil. Das Schaffen sehr vieler bedeutender Künstler kann hier in verschiedenen personenbezogenen Beständen erschlossen werden. Die Paul-Kohner-Collection ist eine unverzichtbare und immens reichhaltige Quelle für einschlägige Forschungen. Auch die Marlene Dietrich Collection Berlin, die größte dieser Sammlungen, enthält im reichhaltigen Material zur gesamten Karriere des Weltstars umfangreiche Bestände zum Exil. Der jüngste, wahrhaft spektakuläre Neuzugang ist die Sammlung Sir Ken Adam. Der weltbekannte Production Designer, der mit zwölf Jahren Deutschland verlassen musste, übergab im letzten Jahr sein gesamtes künstlerisches Werk der Deutschen Kinemathek, die es nun mit der Förderung durch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin erfassen, restaurieren, digitalisieren und mit einem Werkverzeichnis veröffentlichen wird.

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Bild: Marian Stefanowski, Deutsche Kinemathek

Bilder aus „Metropolis“.

Die Nachfolger des Gründungsdirektors Gerhard Lamprecht – Heinz Rathsack, der im Dezember 1989 verstarb, und Hans Helmut Prinzler, der das Haus bis April 2006 leitete – haben die Bedeutung und die öffentliche Wahrnehmung der Deutschen Kinemathek konsequent gestärkt. Mit der Eröffnung des Filmmuseums im Sony Center im Jahr 2000 verband sich sofort ein großer Erfolg. Die Darstellung der Filmgeschichte, dazu zahlreiche Sonderausstellungen in dichter Folge, faszinierten das Publikum seither, das ab Mai 2006 zusätzliche Räume zur Geschichte des deutschen Fernsehens erleben kann. Mit der verschränkten Präsentation der beiden wesentlichen Bildmedien bietet das Museum für Film und Fernsehen, wie es seitdem heißt, eine in Deutschland einzigartige Kombination. Zahlreiche museums- und medienpädagogische Angebote – Führungen, Workshops für Kinder und Jugendliche, barrierefreie Angebote und anderes stehen zur Auswahl – insgesamt mehr als 500 pro Jahr. Dabei zeigt sich ein großes internationales Besucherinteresse an der Deutschen Kinemathek: Mehr als 40 Prozent der Gäste kommen aus dem Ausland. Die international vernetzte und geachtete Institution widmet sich heute wie schon bei ihrer Gründung dem Sammeln, Bewahren und Präsentieren der Kunst des Bewegtbildes und erfährt dabei große Resonanz beim Publikum wie bei der Kritik.

Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen
Potsdamer Straße 2
10785 Berlin
Tel.: 49 30 3009030
Fax: 49 3030090313
E-Mail: info@deutsche-kinemathek.de
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