Sorgenfrei. Die Familien Mendelssohn und Oppenheim in Charlottenburg

von: Birgit Jochens, Leiterin des Museums Charlottenburg-Wilmersdorf

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Bild: Museum Charlottenburg-Wilmersdorf

Nach umfangreicher Renovierung und Sanierung wurde die Villa Oppenheim wiedereröffnet

Im Januar 2012 wurde das Museum Charlottenburg-Wilmersdorf, zuvor gegenüber dem Schloss Charlottenburg gelegen, an seinem neuen Standort in der repräsentativen Villa Oppenheim (Schloßstraße 55, 14059 Berlin) wiedereröffnet. Aus diesem Anlass wird dort bis Ende 2012 die Sonderausstellung „Sorgenfrei. Die Familien Mendelssohn und Oppenheim in Charlottenburg“ gezeigt, die Mitgliedern der namhaften deutschjüdischen Familien gewidmet ist, die in dem damals ländlichen Anwesen unbeschwerte Zeiten verbrachten. Die Ausstellung zeigt ein anschauliches Bild von großbürgerlichem Familienleben – vom Biedermeier bis zur Moderne –, das auf engste mit der Geschichte Berlins verknüpft ist.

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Bild: Museum Charlottenburg-Wilmersdorf

Neben Werken von Leistikow, Skarbina und Liebermann erwartet die Besucher auch das Foto einer Charlottenburger Mädchenklasse aus dem Jahr 1910.

Alexander Mendelssohn, Teilhaber der Privatbank Mendelssohn und Co. und Enkelsohn des berühmten Berliner Aufklärers Moses Mendelssohn, erwarb 1845 das Grundstück in der ehemaligen Scharrenstraße 23–27 in Charlottenburg und ließ die dort vorhandenen bescheidenen Bauten zu seinem Sommersitz umbauen. Von der Familie „Villa Sorgenfrei“ genannt, war das Haus über 25 Jahre lang für ihn, seine Frau Marianne und die acht Kinder ein erholsames idyllisches Sommerquartier.

Die heutige Villa Oppenheim ließen sich Margarete Oppenheim, die zweitälteste Tochter von Alexander und Marianne Mendelssohn, und ihr Gatte Otto Georg Oppenheim 1881/82 von dem Architekten Christian Heidicke erbauen.

Otto Georg Oppenheim, geb. 1817, entstammte einer Familie erfolgreicher Bankiers aus Königsberg. Er hatte die juristische Laufbahn eingeschlagen und 1843 in die Familie Mendelssohn eingeheiratet. Auch Marianne und Otto Georg Oppenheim verbrachten mit ihren sieben Kindern die Sommer im aufstrebenden Charlottenburg, dessen Fortkommen sie durch großzügige Stiftungen für das erste Krankenhaus und durch den Bau eines Heims für ältere, alleinstehende Damen, dem Mariannenstift, förderten.

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Bild: Museum Charlottenburg-Wilmersdorf

Ein Teil in der Ausstellung: original Käthe-Kruse-Puppe

Mindestens acht ihrer Enkel und Urenkel erblickten in der Villa Oppenheim das Licht der Welt. Otto Georg Oppenheim verstarb 1909. Die Söhne Hugo und Franz Oppenheim beschlossen, die Villa an die Stadt Charlottenburg zu verkaufen. In städtischer Hand wurde der großzügige Park in eine öffentliche Grünanlage umgestaltet, die noch heute die Handschrift des Charlottenburger Gartendirektors Erwin Barth trägt. Bis auf den Südflügel und das Hauptquergebäude wurden alle anderen Bauteile der Villa Oppenheim zugunsten eines Schulneubaus abgerissen.

Die Villa Oppenheim steht exemplarisch für den Berliner Typus der repräsentativen Stadtvilla der Gründerzeit, die bis heute das historische Stadtbild der Schloßstraße prägt. Anhand von Originalplänen und historischen Aufnahmen von Interieurs und Außenanlagen wird dieser repräsentative Ort wieder lebendig. Diese Dokumente bildeten auch die Grundlage für den umfangreichen Rückbau der Villa, mit dem Ergebnis, dass das Haus nun wieder in seiner ursprünglich geplanten Struktur zu begehen und zu erleben ist.


Museum Charlottenburg-Wilmersdorf
in der Villa Oppenheim
Schloßstraße 55
14059 Berlin
E-Mail: museum@charlottenburgwilmersdorf.de
www.villa-oppenheim-berlin.de