Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

Ärgernis, Aufsehen, Empörung: Skandale in der Geschichte

von Anne Rothschenk, Landesarchiv Berlin

Mit großem Erfolg haben die Schülerinnen und Schüler des Landesarchivs Berlin beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten abgeschnitten. Sieben von zehn Preisen auf Landesebene gehen an Jugendliche, die im Landesarchiv Berlin zu den Skandalen der letzten 200 Jahre geforscht haben. „Ärgernis, Aufsehen, Empörung: Skandale in der Geschichte“ lautete das Thema des Wettbewerbs.

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Bild: Landesarchiv Berlin

Zusammen macht das Arbeiten mehr Spaß

83 Schülerinnen und Schüler aus Berlin haben sich 2011 am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten beteiligt. Sie haben Recherchen, Nachforschungen sowie Auswertungen durchgeführt und alte Schriften entziffert. Innerhalb von sechs Monaten wurden die Jugendlichen zu Experten ihrer Skandale. Sie arbeiteten sich durch Kartons voller Akten, Ordner voller Zeitungsausschnitte, Berge von Fotos, einige staubige Ecken des Magazins und durch die zeitgenössische Skandalliteratur.

Sie beleuchteten Skandale aus unterschiedlichen Bereichen: von Korruptionsaffären über politische Intrigen und rechtliche Sanktionen bis hin zum Umgang der Deutschen mit der nationalsozialistischen Vergangenheit.

Zu den diesjährigen Siegern gehört unter anderem „Hinckeldeys Ende. Der Duelltod des Berliner Polizeipräsidenten Carl Ludwig Friedrich Hinckeldey im Jahre 1856. Ein Skandal, der das Bürgertum dem Staat näher brachte?“ von zehn Schülerinnen und Schülern der Evangelischen Schule Frohnau (8.–12. Klasse).

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Bild: Landesarchiv Berlin

Manchmal geht es ohne Schreibtisch besser

Carl Ludwig Friedrich von Hinckeldey, Generalpolizeidirektor in Berlin, geriet 1856 in eine Intrige des preußischen Adels. Von Friedrich Wilhelm IV. protegiert, galt Hinckeldeys Loyalität dem preußischen König. Anerkennung hatte sich Hinckeldey auch im Bürgertum erworben. Adelige Kreise stießen sich hingegen am Neutralitätsgebot, das er mit seinem Amt verband. Einige Offiziere führten daher einen Plan aus, nachdem der Polizeipräsident durch gezielte Beleidigungen in ein Duell verwickelt werden sollte. Diese Intrige hatte Erfolg. Hinckeldey starb am 10. März 1856 im Duell mit Hans von Rochow. Die Geschichts-AG der Evangelischen Schule Frohnau hat den Duelltod des Polizeipräsidenten rekonstruiert, Motive und Interessen der beteiligten Akteure offengelegt und die Reaktionen auf das Duell in der Öffentlichkeit analysiert. Der Skandal um den Duelltod wurde von der jahrgangsübergreifenden Gruppe anhand von Archivalien aus dem Landesarchiv Berlin, zeitgenössischen Pressetexten und einem schriftlich fixierten Augenzeugenbericht erarbeitet.

Zwei Schüler der 10. Klasse der Bertha-von-Suttner-Oberschule reichten den Beitrag ein „Von der Tinte zum Skandal. Der Weg zur Gotteslästerung“. Dabei geht es um einen Karikaturenstreit 1927/28 in der Weimarer Republik. Der Künstler George Grosz zeichnete »Jesus am Kreuz mit Gasmaske«. Untertitelt war das Bild mit der Aufforderung »Maul halten und weiter dienen« – eine eindringliche Anklage gegen die Gräuel des Ersten Weltkriegs und den Militarismus der Zeit. Wegen des Vorwurfs der Blasphemie musste sich Grosz vor allen gerichtlichen Instanzen erwehren. Erst das Reichsgericht, das ranghöchste Gericht der Weimarer Republik, sprach den Künstler frei. Den Tatbestand der Gotteslästerung aber ließ es gelten und ordnete an, dass die Karikatur vernichtet werden müsse. Die Schüler Elio Bier und Florentin Hildebrandt diskutieren in ihrer Wettbewerbsarbeit das Verhältnis von politischer Kunst und politischer Reaktion, von Meinungsfreiheit und gefühlten Normverstößen, von Recht und rechtlichen Sanktionen. Grundlage der Arbeit sind vor allem die Gerichtsakten und zeitgenössische Quellen des Landesarchivs Berlin.

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Bild: Landesarchiv Berlin

Papierberge müssen durchgesehen werden

Insgesamt hatten 46 Schülerinnen und Schüler im Landesarchiv gearbeitet und dabei 18 Arbeiten erstellt. Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten ist der größte historische Forschungswettbewerb für Jugendliche in Deutschland und wird alle zwei Jahre von der Körber-Stiftung in Hamburg unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten ausgeschrieben. Jede Ausschreibung hat ein neues Motto, zu dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich ihr Forschungsfeld aus dem lokalen oder familiären Umfeld suchen.

Das Landesarchiv Berlin unterstützt seit 2006 interessierte Schülerinnen und Schüler auf dem Weg durch das historische Informationssystem mit Workshops zur historischen Projektarbeit. Herausgekommen sind einige beeindruckende Funde. Zur Preisverleihung 2011 werden vier Landessieger ausgezeichnet, sechs Förderpreise und ein Schulpreis verliehen. Wir gratulieren allen unseren Skandalforscherinnen und Skandalforschern sehr herzlich!


Landesarchiv Berlin
Eichborndamm 115–121
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Tel.: 49 30 90264266
E-Mail: rothschenk@landesarchiv.berlin.de
www.geschichtswettbewerb.de